Jülich: Bewegende Feierstunde zum Abschied von Beate Wirth-Weigelt

Jülich : Bewegende Feierstunde zum Abschied von Beate Wirth-Weigelt

„Heute endet eine Ära“. Mit diesen Worten sprach die ehemalige Jülicher Dezernentin Katarina Esser aus, was viele Menschen vorab so oder ähnlich formuliert hatten. Beate Wirth-Weigelt, „Konstante in der Förderschullandschaft“, wie Bürgermeister Axel Fuchs es ausdrückte, wurde nach 43 Jahren Schuldienst, davon 24 Jahren in der Schirmerschule, im Rahmen eines liebevoll vorbereiteten, bunten Festprogramms in der Aula in den Ruhestand verabschiedet.

Fast jeder, der im Nordkreis Rang und Namen hat, darunter ehemalige Kollegen, Kooperationspartner und Weggefährten, fanden sich ein, um mit der scheidenden Schulleiterin der Schirmerschule Abschied zu feiern.

Als Bürgermeister und. Foto: Jagodzinska

Nicht enden wollte die Schlange der Gratulanten. Als Erste traten die Schüler auf die Bühne. Für alle „Neuerungen zum Wohl ihrer Schülerinnen und Schüler“ hat sie unermüdlich gekämpft, „weit über den normalen Arbeitsalltag hinaus“ - unter vielem anderen ist sie Vorsitzendes des „Arbeitskreis Inklusion“ (AKI).

Die Klasse M4 hatte einen schwungvollen Tanz mit „Smovey- Ringen“ eingeübt und geleitete die heiß geliebte Schulleiterin durch ein Spalier durchs Publikum nach vorne. Der Kollegiums-Chor mit Schülerbegleitorchester beschrieb unter anderem mit seinem Lied „Aber wo ist Beate“ zur Melodie des Udo-Jürgens-Songs „Aber bitte mit Sahne“ den Arbeitsalltag an der Schirmerschule mit der prägenden Rolle der Schulleiterin und fasste zusammen: „Das ist unsere Beate, das ist 'ne Granate“. In Reimform, zu Erinnerungsfotos im Hintergrund, resümierte Sonderpädagogin Monika Panholzer die 25 Jahre seit ihrer Begegnung mit Wirth-Weigelt 1993.

Hohe Anforderung an sich selbst

Ein Beispiel: „Wir haben die Diagnostik als wichtig erkannt und fuhren nach Würzburg zu Ingelid Brand“. Treffende Attribute für die scheidende Schulleiterin fand Katarina Esser: Ihr Anliegen, zu gestalten, zu planen und Verantwortung zu übernehmen, ihre hohen Anforderungen an sich selbst, ihre Eigenschaft, „sich nicht verbiegen zu lassen“ und „im positiven Sinne streitbar zu sein“, Brücken zu bauen und „Ressourcen aufzuspüren bei jedem Menschen“. „I did it my way — and I loved it“, resümierte die scheidende Schulleiterin und Englischlehrerin, die merklich um Fassung rang, am Ende des zweieinhalbstündigen Programms.

Noch sucht sie „die Flügel, die zur Freiheit werden“, aber sie zitierte Friedrich Rückert, der ihren Standpunkt zusammenfasste: „Füge dich der Zeit, erfülle deinen Platz und räume ihn auch getrost. Es fehlt nicht an Ersatz“. Ferner betonte sie: „Ich verlasse nun eine Schule, die seit vielen Jahren immer in Bewegung ist, aus der kleinen Schirmerschule in der Düsseldorfer Straße ist dieses wunderbare Haus entstanden. Es war ein langer Weg, aber was lange währt, ist so gut geworden.“ Wirth-Weigelt dankte dem „wunderbaren Team“, den „langjährigen treuen Kooperationspartnern“ und den „einzigartigen Kindern, die mich mit ihrer ganz besonderen Art irgendwie jung gehalten haben“.

Als Dorfschullehrerin im Spessart lernte sie 1975 ihr pädagogisches Handwerkzeug. Anfang 1976 wurde ihr Wunsch Realität, an einer Körperbehindertenschule zu arbeiten. Es folgte ein Aufbaustudium an der Uni München von 1977 bis 79, insgesamt bleib sie 17 Jahre am Körperbehindertenzentrum in Würzburg.

Zeitraffer

Als sie 1993 aus privaten Gründen nach NRW zog, landete sie an der Pestalozzischule Aldenhoven, bis 1994 die Schulleitungsstelle in Jülich ausgeschrieben wurde. Zuvor hatte Fuchs bereits die wesentlichen Fakten genannt. Die wichtigsten Daten aus Wirth-Weigelts „Zeitraffer“ sind die lange Suche nach Lösungen für die alte Schirmerschule, neue Konzepte, intensive Schulentwicklung, Gründung eines Förderschulzweckverbandes, Neubau in einem „Public Private Partnership“-Modell (PPP), Umzug in die Linnicher Straße, Verbundschule mit zusätzlichen Förderschwerpunkten, Offene Ganztagsschule, Veränderungen in der sonderpädagogischen Landschaft auch im Kreis Düren, Sicherung des Fortbestandes der Schirmerschule für den Nordkreis, neuer Schulträger.

Weitere Tanz-, Gesangs- und Redebeiträge gestalteten das Programm, im Rahmen dessen Schulrätin Claudia Haushälter-Kettner der scheidenden Schulleiterin die Urkunde verlieh. Zwei Verse aus einem selbst geschriebenen englischsprachigen Lied der AG Schirmerschule mögen in den Ohren manch eines Besuchers der Verabschiedung nachklingen: „We are a patchwork-family in a special way“ und „The school of umbrella, forever and ever“.

(ptj)
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