Jülich: Bescherung im Altenheim: Szenische Lesung von Schauspielschülern

Jülich: Bescherung im Altenheim: Szenische Lesung von Schauspielschülern

Ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk machten sechs Akteure der Aachener Schauspielschule den Bewohnern des Caritas-Altenheimes St. Hildegard ganz kurz vor Heiligabend. Mit Nikolausmützen auf den Köpfen teilten sie sich die szenische Lesung der Weihnachtsgeschichte „Weihnachtsabend bei Familie Franzen“.

Das augenzwinkernde Stück mit Nostalgiecharakter hat Schauspielschulleiter Réné Blanche vor zwei Jahren „als Übung für seine Schauspielschüler geschrieben“, seitdem kam es in Jülich schon zweimal zur Aufführung. Die Idee zur Lesung wurde geboren, als Blanche seine Grundschullehrerin Ruth Tavernier wiedertraf, die im benachbarten Freiwilligenzentrum beschäftigt ist.

Omas Liebe zum Flachmann

Blanche, der auch bereits im Märchen-Klassiker „Die Schneekönigin“ den Opa mimte, schlüpfte nun in die Rolle von Opa Erich, der auf Weinbrand und Schnupftabaksdose gerade an Weihnachten nicht verzichten möchte. Mit seiner Liebe zum Flachmann hat Großmutter Mathilde (gespielt von der künstlerischen Leiterin Andrea Royé) so ihre Problemchen, will aber an Weihnachten großzügig sein.

Weitere Mitglieder der Familie Franzen sind Mama Claudia (Musicalsängerin Nicole Malangré), der umweltbewusste Papa Bernd (Sprech-Erzieher Achim Mertens) und die Kinder Timmi und das Nesthäkchen Celina (gemimt von den Schauspielschülern Lukas Metzinger und Sandra Deutscher). Zunächst nimmt das familiäre Heiligabendritual mit Messe, Wichteln und dem planmäßigen Warten auf das Christkind seinen Lauf. Dann kündigt sich die drohende Weihnachtskatastrophe an.

Großmutter Mathilde und Mama Claudia gehen dem Christkind zur Hand und bleiben lange weg. In der verbleibenden Viererrunde vergnügt sich Opa Erich ausgiebig mit dem Weinbrand und sinnt über das seiner Meinung nach übertriebene Umweltgetue nach — inzwischen sind ja sogar die Müllsäcke aus Jute. Er hat dummerweise den Sack mit den Weihnachtsgeschenken im Müll entsorgt, der Müllsack landet stattdessen unter dem Tannenbaum. Derart in Erklärungsnot geraten, erzählen die Frauen den Kindern, das Christkind sei in einen Schneesturm geraten.

Ersatzgeschenke

Rührenderweise sorgen sich die Kleinen mehr um das Schicksal des Christkindes als um die verloren gegangenen Geschenke. Die Rettung sind Oma Mathildes selbst gestrickte Wollpullover, die glücklicherweise nicht im Geschenkesack versteckt waren. Mit den Ersatzgeschenken und dem Wissen um des Christkinds Unversehrtheit verbringen die Franzens ihren schönsten Weihnachtsabend seit langer Zeit.

Für einen humorvollen Höhepunkt sorgte Stargast Nicole Malangré, als sie beim Lesen einen Versprecher einbaute und aus der „betroffenen“ Mama Claudia eine „besoffene“ machte. Die Situationskomik sorgte beim Publikum für große Heiterkeit. Als Sahnehäubchen gab es anschließend ein gemeinsames Singen schöner alter Weihnachtslieder wie „Leise rieselt der Schnee“ und „Stille Nacht“ mit Darstellern und Publikum, angestimmt und begleitet von der Musicalsängerin.

Das Publikum fand daran soviel Gefallen, dass man sich noch ein A-Capella-Stück ohne die eingespielte Klavierbegleitung wünschte. Diesem Wunsch kam Malangré gerne nach. Mit viel Applaus und einer Schachtel Pralinen für jeden Vorleser bedankten sich die Senioren. Gerne würden die Heimbewohner die Akteure der Schauspielschule erneut im Altenheim begrüßen.

(ptj)
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