Gevelsdorf: „Bergschadenstour“ mit den Grünen: Tiefe Löcher in Gevelsdorfer Garten

Gevelsdorf: „Bergschadenstour“ mit den Grünen: Tiefe Löcher in Gevelsdorfer Garten

In einem Garten in Gevelsdorf, gelegen auf einer der drei dort aufeinander treffenden tektonischen Störungslinien, entstanden plötzlich metertiefe und -breite Löcher. Durch den Eigentümer wieder verfüllt, brachen sie wieder ein. Davon überzeugten sich 20 Teilnehmer einer „Bergschadenstour“.

Aber die Regulierungsansprüche „werden ständig von RWE negiert, weil Millionen von Immobilien betroffen sind. Das können die sich nicht leisten. Gegen alles kann man sich versichern, nur gegen Bergschäden nicht“, betonte Dipl.-Ing. Peter Immekus. Als anerkannter Sachverständiger für Bergschäden und Vorstandsmitglied im „Netzwerk Bergbaugeschädigter“ wird er in regelmäßigen Zeitabständen vom Bündnis 90/Die Grünen zu Begehungen eingeladen, um über das Ausmaß der Bergschäden im Jülicher Raum aufzuklären.

Die Sprecherin der Grünen für Bergbausicherheit ist Landtagsabgeordnete Gudrun Zentis: „Wir setzen uns für eine Bundesratsinitiative aus NRW ein, die das Bundesberggesetz so ändert, dass Braunkohle-Betroffene die gleichen Rechte bekommen wie die Menschen im Einzugsbereich vom Steinkohlebergbau. Zwischen bergbautreibenden Unternehmen und allen Betroffenen muss endlich Augenhöhe hergestellt werden, indem die Beweislastumkehr auf den Braunkohle-Tagebau ausgeweitet wird“, fasste Zentis zusammen. Für mehr Transparenz sollen außerdem Ansprechpartner sorgen, die vor Ort regelmäßig Informationsveranstaltungen anbieten. In ihrem gemeinsamen Antrag mit der SPD fordern die Grünen zudem eine finanzielle Höchstgrenze, bis zu der ein Schlichterspruch unmittelbar als rechtsverbindlich zu akzeptieren ist. „Damit könne man das Zutrauen in die Arbeit der Schlichtungsstellen weiter untermauern“, setzte sie nach. Laut Immekus behaupte die RWE, der massive Mergelabbau zur Zementherstellung sei in Gevelsdorf für die Tagesbrüche verantwortlich, was der Konzernriese allerdings nicht beweisen könne. Außerdem: „Wenn der Mergelabbau stimmt, würde die Lage durch den Grundwasserentzug ja noch verschlimmert“, folgerte der Sachverständige. Im oben angeführten Fall der Lochbildung im Garten sei nach Behauptungen von RWE jedoch eine kaputte Verrieselungsanlage schuld. „Aber das Rohr ist intakt, die Anlage funktioniert. Die Verrieselungsanlage musste vom Kreis genehmigt, Auflagen der Unteren Wasserbehörde mussten abgenommen werden“, betonte die Schwiegertochter der Eigentümerin. Sie befürchtet jedoch bei einer Meldung an die Gemeinde Titz, dass „uns die Genehmigung zur Verrieselung von Niederschlagswasser auf eigenem Grund entzogen würde.“

Bei der Begehung zeigte Immekus etwa von unten schräg verlaufende Risse als Folge von Setzungen in der Außenmauer der Alten Schule. Zudem verwies er auf eine schief wachsende Hecke und ungleichmäßig wachsende Tannen im Verlauf des Steinstrasser Sprungs als Anzeichen für einen Bergschaden. Wer im Einflussbereich der Grundwasserabsenkung von RWE wohnt und solcherlei Veränderungen feststellt, dem riet Immekus, sich an die neue Schlichtungsstelle zu wenden: „Selbst bei sehr schwieriger Ausgangslage kommt kaum jemand ohne irgendein Ergebnis raus.“

(ptj)
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