Jülich: Beim Eisenbahner-Amateur-Club fahren die Lokomotiven digital

Jülich: Beim Eisenbahner-Amateur-Club fahren die Lokomotiven digital

Auch im 35. Jahr seines Bestehens kann der Eisenbahner-Amateur-Klub Jülich (Eakj) mit Sitz im Kulturbahnhof eine aufregende Neuentdeckung sein.

So erging es Wilfried Erkens aus Koslar, der als frisch gebackener Pensionär seine Eisenbahnkisten wieder auspackte. Eigentlich war sein Ziel, seine Märklin-Loks und Wagen mit Zubehör zu verkaufen, doch sein Herz entflammte neu.

Die Eisenbahn wurde immerhin zur Geburt seines Sohnes angeschafft, der sich allerdings später eher für den Flugzeugmodellbau erwärmte.

Bei seinen Recherchen stieß Erkens auf den Eisenbahn-Amateur-Klub im Nordflügel des ehemaligen DB-Bahnhofs, dessen Existenz ihm bislang verborgen geblieben war. Der Hobbyeisenbahner meldete sich zu einem offiziellen Fahrtag in den Klubräumen an.

Dort symbolisierte die rote Lampe anstelle der grünen: Heute herrscht Digitalbetrieb. Der Schalter wird per Schlüssel von analog auf digital umgelegt. „Nur die Loks fahren digital”, legt Pressewart und Techniker Michael Wagener Wert darauf, „mit möglichst vielen Klubmitgliedern gleichzeitig zusammenzuarbeiten”.

Der Techniker führte den willkommenen Gast durch die HO-Modelleisenbahn-Anlage mit schöner Landschaftsgestaltung zum Thema „Mittelgebirgsstrecke”. Sie wird im Zweileiter-Gleichstromsystem betrieben, während Märklin-Bahnen im Mittelleiter-Wechselstromsystem fahren.

Der Strom wird durch den Mittelleiter zum Motor und anschließend durch die linken und rechten Räder gemeinsam zurück zum Trafo geführt. Wagener startete den Rundgang am Kopfbahnhof Reissdorf mit „einem kleinen Betriebswerk und vielen Rangiermöglichkeiten”.

Ein neuer Lokschuppen ist geplant, für den der stattliche Wasserturm dann allerdings weichen oder mindestens versetzt werden muss. „Zuletzt ganz viel umgebaut” wurde die Bergwerkstrecke, ein Schotterwerk wartet zurzeit auf seinen Einbau.

Die Malzmühle ist ein Haltepunkt in den romantisch wirkenden Weinbergen, die größte Baustelle ist zurzeit der Bahnhof Königsbach als Eisenbahn-Knotenpunkt. „Das Auf- und Umbauen war immer das Schönste für mich”, bringt Erkens das besondere Vergnügen eines Eisenbahners auf den Punkt.

Im Bahnhof Königsbach macht ein Fahrdienstleiter Sinn, der die Züge koordiniert, während der Eisenbahnliebhaber ansonsten „mit seinem Zug mitläuft”. Vorbei an einem Sägewerk über eine Talbrücke erreicht man den Bahnhof Warstein, eine detailreiche Kleinstadt.

Eine Brücke im Flur, vom Eakj-Jüngsten Pascal Feuerherdt in Eigenregie gestaltet, führt zum Schattenbahnhof Bitburg in einem separaten Raum. Hier liegen acht Gleise parallel, auf denen dank der ständigen Spannung im Digitalbetrieb bereits beleuchtete Züge auf den Start warten.

Zwei Monitore über dem Schattenbahnhof ermöglichen die Beobachtung des Fahrbetriebs „auf der Brücke und auf der Strecke zwischen Königsbach nach Warstein rüber”. In jedem Bahnhof können je zwei vorhandene Fahrregler den einzelnen Gleisabschnitten zugeschaltet werden.

Per Telefon stimmen die Hobbyfahrer die Zugfahrten zwischen den Bahnhöfen ab. Nun starteten die ersten Züge, unter ihnen der Trans Europ Express, mit maßstabgerechter Geschwindigkeit - darauf legen die Eakj-ler Wert. Bei einem Maßstab von 1:87 rechnet man 100 minus 87 = 13 Stundenkilometer.

„Mit sechs bis sieben Leuten fängt es an, betrieblich zu laufen” und richtig Spaß zu machen. „Dass alles gut funktioniert”, darauf ist Techniker Wagener am meisten stolz.

Nächstes Etappenziel des Eakj ist der Modulbau, ein Kastenbausystem mit genormter Stirnwand, das größte Flexibilität auch im Umgang mit anderen Vereinen aus dem Arbeitskreis Rheinlandbahnen oder dem Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde verspricht.

Sein 35. Jubiläum feiert der Eisenbahn-Amateur-Klub Jülich in seinen Klubräumen am 13. November, von 10 bis 17 Uhr, mit einem Tag der offenen Tür.

Geboten wird Fahrbetrieb auf der HO-Anlage, Rangierspiel, Souvenirs und natürlich Kaffee und Kuchen. Interessantes verspricht auch eine Unterhaltung mit dem inzwischen einzigen Gründungsmitglied, dem „Traditionalisten” Hans-Dieter Walter.

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