Bonn/Jülich: Beim Digi Camp trainieren Schüler für ihre digitale Gesundheit

Bonn/Jülich : Beim Digi Camp trainieren Schüler für ihre digitale Gesundheit

Für die meisten Jugendlichen aus Jülich gehören Instagram, YoutTube oder WhatsApp zum Alltag. Das Smartphone ist dabei ihr stetiger Begleiter, auch in der Schule. Am Konrad-Adenauer-Gymnasium herrscht im Unterricht gewöhnlich Handyverbot — eine Ausnahme gab es nun für das Digi Camp: Der Frage „Immer online — nie mehr allein?“ sind Schüler, Eltern und Lehrkräfte nachgegangen.

Zum Einsatz kamen bei den Workshops unter anderem ihre Smartphones. Initiatoren und Organisatoren sind die Krankenkasse Barmer, der TÜV Rheinland und die BG3000, ein Social Impact Start-up, das digitale Projekte umsetzt. Nach dem ersten Jülicher Digi Camp zogen Lehrer, Schüler und Projektträger Bilanz.

Von Dienstag bis Donnerstag standen für rund 75 Schüler der Jahrgangsstufe 9 besondere Fächer auf dem Stundenplan: Workshops wie „YouTube — Broadcast yourself“, „Instagram entdecken“, „Music in the Box“ sowie „Bloggen, wie es dir gefällt“ brachten eine willkommene Abwechslung vom Unterrichtsalltag. Gemeinsam erstellten die Jugendlichen eigene Beiträge zum Thema „digitaler Stress“ und übten den verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien. Versierte Medienpädagogen, Psychologen, Ernährungs- und Fitnessexperten sowie Stars aus der Social-Media-Welt unterstützten die Heranwachsenden bei der Umsetzung ihrer kreativen Ideen.

Schüler und Experten erarbeiteten zudem eine Charta für einen gesunden und sicheren Umgang mit den digitalen Medien.

Mark Wolter, Regionalgeschäftsführer der Barmer: „Knapp 97 Prozent aller Zwölf- bis 19-Jährigen in Deutschland besitzen ein Handy. Jeder Dritte von ihnen hat schon einmal einen Fall von Cybermobbing im Bekanntenkreis erlebt. Höchste Zeit also, um aktiv zu werden. Wenn wir Heranwachsende gegen Cybermobbing, Internetsucht oder Sexting schützen möchten, müssen wir ihnen frühzeitig einen bewussten Umgang mit den Neuen Medien vermitteln. Wer die Fallstricke kennt, kann besser auf ein ausgewogenes Maß an Konsum und Herausgabe von Informationen achten und die Vorteile der Neuen Medien für sich nutzen.“

Dr. Stefan Poppelreuter, als leitender Psychologe in der Akademie von TÜV Rheinland verantwortlich für das Projekt Digi Camp: „Nur wer sensibilisiert und aufgeklärt ist, kann die vielfältigen Chancen dieser Technologien nutzen.“

Bei der Konzeption des Präventionsprojektes beschäftigte sich der TÜV Rheinland detailliert mit dem aktuellen Forschungsstand zu digitalen Medien und digitalem Stress und unterstützt den integrativen Ansatz der DIGI CAMPS — Life in Balance auch in der Praxis — durch ein inhaltliches Modul zum Thema „Nutzungsverhalten und Sucht“.

Simone Stein-Lücke, Gründerin der BG3000: „Mit unseren digitalen Bildungsformaten gehen wir innovative Wege und begeistern dabei bundesweit. Mit dem Projekt ‚Immer online — nie mehr allein?‘ adressieren wir nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Eltern und Lehrer. Kurz: Wir bilden Schülerinnen und Schüler sowie ihre Begleiter zu Multiplikatoren aus und betreiben Prävention nach innen und außen.“

Christiane Clemens, Schulleiterin: „Unsere Schülerinnen sind eine Generation der sogenannten ‚digital natives‘. Sie bewegen sich scheinbar selbstverständlich in der digitalen Welt. Gerade Mädchen sind aber durch Mobbing untereinander und sexistische Übergriffe im Netz Gefahren ausgesetzt. Es ist uns daher ein großes Anliegen, unseren Schülerinnen, deren Eltern und den Lehrkräften im Bereich der Medienerziehung Aufklärung, Unterstützung und Hilfe anzubieten.“