Jülich: Beim Abschied fließen auch ein paar Tränen

Jülich: Beim Abschied fließen auch ein paar Tränen

Gleich drei gewichtige Gründe haben zahlreiche Buchfreunde sowie Nutzer und Unterstützer der Einrichtung in die Jülicher Stadtbücherei geführt.

Zum einen hatte der Förderverein Stadtbücherei zu einer Büchervorstellung eingeladen. Die Lit.Cologne hatte gerade geöffnet, die Leipziger Buchmesse allerdings noch nicht, da hatte Gudrun Kaschluhn die Neuerscheinungen des Frühjahrs bereits gelesen und stellte den zahlreichen Gästen ihre Lieblingsbücher vor. Der Andrang auf die begehrten Karten war allerdings so groß gewesen, dass kurz entschlossen ein zweiter Termin anberaumt wurde. Am Mittwoch, 25. April, um 19.30 soll diese Veranstaltung an gleicher Stelle wiederholt werden.

Kurz musste sich Gudrun Kaschluhn allerdings an diesem Abend fassen, und im Schnelldurchgang stellte die Expertin Bücher vor, die sie am meisten beeindruckt hatten. Dabei ging es querbeet von der anspruchsvollen Familiengeschichte über orientalische märchenhafte Geschichten, zum Sachbuch, dem Roman bis hin zum knallharten Thriller.

Kulturgeschichte des Krebses

Als sachlich und sehr lesenwert stufte sie beispielsweise Siddhartha Mukherjees Buch „König aller Krankheiten”, das als eine „Krebs-Biografie” zu bezeichnen ist. Sachlich und nüchtern erläutert der Onkologe darin die Kulturgeschichte dieser Krankheit. Als ein Sommerbuch mit Tiefgang wurde „Sommertöchter” von Lisa-Maria Seydlitz empfohlen und lustig geht es dagegen in Nicole Balschuns „Ada liebt” zu. In diesem Roman begegnen sich Akademikerin und Landwirt zwischen Gummistiefeln und Bibliothek, erklärte sie. Beliebig könnte diese Liste fortgesetzt werden, denn so Kaschluhns Erkenntnis: „Ich glaube, in diesem Frühjahr sind alle Bücher meine Lieblingsbücher.”

Doch die standen an diesem Abend gar nicht im Vordergrund. „Der Herr der Bücher”, Werner Wieczorek, wie ihn unsere Zeitung bezeichnete, nachdem er 100 Tage als Leiter der Jülicher Stadtbücherei tätig war, galt die ganze Aufmerksamkeit der Gäste. Wie bekannt verlässt Wieczorek die Herzogstadt, um fortan die Bergheimer Bibliothek zu leiten.

Es flossen sogar ein paar Tränchen bei seinen Mitarbeiterinnen, die wie die stellvertretende Büchereileiterin Birgit Kasberg betonte, nicht ihren Chef sondern Freund und Kollegen verabschiedeten. Deshalb sagten sie auch nur: „Auf Wiedersehen.”

Ein großes Lob wurde Wieczorek wiederum von seinem Vorgesetzten Günter Vogel aus dem Jülicher Rathaus zuteil. Viel habe der in den vergangenen Jahren bewegt und alles sei immer gut gelaufen. Die Nachfolge, die wie Vogel noch verriet, mittlerweile in trockenen Tüchern ist, könne reibungslos erfolgen.

Viel Elan und Kreativität

Mit einem herzlichen Dankeschön nahm auch im Namen des Fördervereins Elisabeth Vietzke Abschied. Sie erinnerte an die guten Ideen, die er in die Stadtbücherei einbrachte und umsetzte. „Wenn zu der Fähigkeit zu kommunizieren, die Freude am Neuen, ein enormer Arbeitseinsatz, gepaart mit viel Elan und Kreativität kommen und er dabei immer freundlich, angenehm locker und humorvoll ist, dann haben wir einen geradezu idealen Büchereileiter, den wir nun leider gehen lassen müssen”, erklärte Elsabeth Vietzke.

Eine seiner letzten Amtshandlungen war wohl die Umgestaltung des Erwachsenenbereichs der Stadtbücherei. Eine gemütliche Schmökerecke ist da im Souterän entstanden mit neuen Regalen die von dem Künstlerehepaar Wilfried und Bina Theisen entworfen und umgesetzt wurden.

Gefördert wurde diese Maßnahme vom Land NRW und die Gäste durften diesen neu gestalteten bereich natürlich auch besichtigen.

Umrahmt wurde die kleine Feierstunde von der Flötengruppe „il flauto dolce”.