Jülich: Bei Jülicher Eisenbahn-Amateuren wirkt ein echter Profi mit

Jülich: Bei Jülicher Eisenbahn-Amateuren wirkt ein echter Profi mit

Strahlende Männeraugen und Eisenbahnromantik in höchster Detailfreude bestimmten den „Offenen Fahrtag“ des Eisenbahn-Amateur-Klubs Jülich (EAKJ) am ersten Montag nach Neujahr.

Dichtes Gedränge herrschte in den Clubräumen im Nordflügel des KuBa. Eisenbahnliebhaber waren vor allem eingeladen, ihre als Weihnachtsgeschenke erhaltenen Züge auf der rund 45 Meter langen Zwei-Leiter-Gleichstromanlage in HO-Spur mit Flurbrücke und vier Bahnhöfen fahren zu lassen. Einer der vielen Gäste hatte etwa ein aus Österreich stammendes grünes „Krokodil“ mitgebracht, eine Elektrolok mit zwei längeren Vorbauten und einem gelenkig verbundenen Mittelteil.

Hier wurde aus organisatorischen Gründen analog gefahren, im Jugendvereinsraum, wo erstmals eine Strecke in Modulbauweise aufgebaut war, herrschte digitaler Fahrbetrieb. Die insgesamt 16, ebenfalls detailreich bebauten Module stammen zu etwa gleichen Teilen aus dem Vereinsfundus und Privatbesitz der Mitglieder. So hatte Vize-Vorsitzender Michael Wagener etwa ein Freibad kreiert oder mit einem „provisorischen Brett“ für eine Wendemöglichkeit seiner wertvollen Miniaturautos und -busse gesorgt.

Der nach eigenem Bekunden „chronisch eisenbahngesteuerte“ Christian Jüntgen, auch im wahren Leben Lokführer, hatte unter anderem seinen beleuchteten ICE mit Fahrgästen im Miniaturformat ausgestattet. Mit Feuereifer dabei war das jüngste Mitglied, der zwölfjährige Laurens Haynk. Auch die Modulanlage verfügt über einen Bahnhof, den in Systembauweise errichteten Umweltbahnhof „Neustadt“.

Während die „Freaks fürs Moderne“ hier ihre Tablets zückten, wurden derweil im Analogbetrieb der großen Anlage Schalttafeln bedient. Zudem hörte man die Anmeldung der Züge per Bahnhofstelefon: „Hier Warstein. Wir haben einen kurzen Güterzug mit drei Wagen. Könnt ihr mir mal Gleis 7 freigeben?“ So meldete etwa Florian Holländer im Schattenbahnhof „Bitburg“ seine Züge an. „Ab und zu passieren auch mal Unfälle, wenn Weichen falsch gestellt werden“, räumte Vorsitzender Rudi Haas ein. Ein Monitor im Schattenbahnhof weist auf den alternativ möglichen Digitalbetrieb durch den Minirechner „Raspberry Pi“ hin, der auf einer kreditkartengroßen Platine untergebracht ist.

Rund15 Züge wurden zeitgleich in den Clubräumen gesteuert. Regelmäßige Gäste lassen sich gerne die Neuerungen zeigen. So ist im Bahnhof Königsbach etwa ein schmuckes Gebäude entstanden. Relativ neu ist auch das neue Bahnbetriebswerk am Kopfbahnhof „Reißdorf“ mit Kohlenbanse und Besandungsturm, Drehscheibe und Lokschuppen, dessen sechs Türen sich automatisch öffnen. Dazu ist ein Bahnhaus für Bedienstete mit ausgeschmückter Miniatureinrichtung entstanden. Majestätisch ragt auf einem begrünten Gipshügel im Hintergrund die aus Styrodurplatten gefertigte Burganlage „Reißburg“ im Eifel-Flair mit Gipfelkreuz in den Himmel. Ein bebildertes Reklameschild darüber lädt zur Abenteuerreise zum Anfassen „in die Welt der Ritter und Burgen“ ein.

Wieviele Stunde pro Jahr arbeiten die EAKJler an ihren Anlagen? Wagener errechnete etwa „60 Personenstunden pro Woche“, also stolze 3000 Stunden im Jahr.

(ptj)
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