Jülich: Bedarf an OGS-Plätzen in Jülich ist kaum zu stillen

Jülich : Bedarf an OGS-Plätzen in Jülich ist kaum zu stillen

Die Frage ist für viele Eltern von existenzieller Bedeutung: Gibt es für mein Kind einen Betreuungsplatz, damit ich ganz oder teilweise arbeiten kann? Hier muss für Berufstätige wie Unternehmen Sicherheit bestehen. Insofern haben Plätze in Kitas oder auch in Offenen Ganztagsgrundschulen (OGS) unmittelbar deutliche Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit.

Der Bedarf überall ist enorm und stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Die Stadt Jülich beispielsweise investiert — wie alle Kommunen — Jahr für Jahr hohe Summen, aber kommt bei der Schaffung neuer Plätze im OGS-Bereich nicht mehr nach. „In diesem Jahr haben zum ersten Mal nicht alle Eltern, die einen Platz haben wollten, auch einen bekommen. Wir haben Absagen erteilen müssen“, sagt Schulamtsleiter Gert Marx der Redaktion. 26 fehlen.

Binnen Jahresfrist hat die Stadt das Angebot um fünf Prozent (19 Plätze) erweitert, aber die Nachfrage ist in zwölf Monaten um zwölf Prozent (45 Plätze) gestiegen. In fünf Jahren hat die Herzogstadt ihre Kapazitäten in Offenen Ganztagsschulen um 31 Prozent erhöht: von 312 auf 408 im Schuljahr 2018/19. Doch es reicht nicht.

Jüngst hat der Stadtrat beschlossen, dass in der Gemeinschaftsgrundschule West in Koslar ein zusätzlicher Raum in Massivbauweise geschaffen wird. Das kostet 180.000 Euro. Er soll im Schuljahr 2019/20 zur Verfügung stehen. Das sorgt für Linderung, die Gesamtsituation ändert es nicht, denn Experten sagen voraus, dass die Zahlen weiter steigen.

Im August geht in der Nordschule Berliner Straße ein OGS-Trakt in Betrieb, der auf einen Flachbau aufgesetzt wurde. Auch das hat viel Geld gekostet und hilft im Augenblick in der Jülicher Grundschule mit den meisten OGS-Kindern (119). Groß dagegen ist die Not in der Katholischen Grundschule, deren Neubau ja erst vor sechs Jahren eingeweiht wurde. Schon nach kurzer Zeit gab es ein Platzproblem, wie Schulamtschef Gert Marx sagte. 17 Elternwünsche nach OGS-Betreuung blieben unerfüllt. Und die Übermittagsbetreuung (bis 13 Uhr) wird im dritten Jahr ins Schulzentrum nebenan ausgelagert. Diese Betreuungsform wird in Jülich übrigens von rund 200 Kindern in Anspruch genommen — und benötigt auch Räume.

Die Finanzierung der Betreuungsplätze an Grundschulen ist nur eine Seite der Medaille, an manchen Standorten sind Erweiterungen oder Neubauten nicht oder nur schwer möglich. In der Regel haben sie zur Folge, dass Außenspielbereiche, Sportfreiflächen und/oder Pausenhöfe kleiner werden. „Keiner weiß so recht, wie er mit der Thematik umgehen soll“, erklärt Gert Marx das Dilemma, das er mit Kollegen in nicht wenigen Rathäusern teilt. Ein anderes nennt Dezernentin Doris Vogel: „Wir kriegen keine Betreuungsfachkräfte mehr.“ Der Markt ist leer gefegt.

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