Jülich: „Baum-Frevel”: Kompromiss scheint in Sicht

Jülich: „Baum-Frevel”: Kompromiss scheint in Sicht

17.000 Bäume müssen weichen, wenn sowohl das Jugendgästehaus als auch das Schwimmzentrum nahe Brückenkopf-Park und Freibad Wirklichkeit werden.

Das war in der Jülicher Ratssitzung letzte Woche kurzfristig zur Sprache gekommen. Unsere Zeitung hat am Samstag darüber berichtet, seitdem ist der vermeintliche „Baum-Frevel” ein Stadtgespräch. Nun kam Bewegung in die Sache, und jetzt ist auch ein Kompromiss in Sicht, der den Naturschutzbund (Nabu) milder stimmt.

Nabu-Sprecher Wilfried Moll aus Mersch hat sich am Dienstag mit dem städtischen Beigeordneten Martin Schulz zur Erörterung getroffen. Ergebnis: Ein Teil der Bäume wird doch stehen bleiben. Es war ohnehin geplant, einen schmalen Streifen an den Sportanlagen zu belassen. Nun soll ein Drittel der ersten von zwei Jungwaldflächen von der Kettensäge verschont werden, wie Moll erfahren hat. Das bestätigte Schulz.

Zwei Jungwald-Rechtecke

Zur Erklärung: Die besagten knapp 17.000 Bäume verteilen sich auf zwei rechteckige Flächen, die sich unmittelbar vor den Sportanlagen und dem Reiterhof befinden. Auf einem Teil des ersten Bereiches ist das Jugendgästehaus geplant. Von diesem „Jungwald” bleibt nach jüngsten Erkenntnissen doch etwas übrig. Das zweite Jungwaldareal müsste komplett weichen, wenn das Schwimmzentrum gebaut wird.

Martin Schulz verspricht, dass die Stadt jeden Baum „1:1 ersetzt”. Dafür ist eine Fläche nahe der Rur bei Altenburg vorgesehen. Hier gibt es eine weitere Chance, auf die Naturschützer zuzugehen. Wilfried Moll & Co. finden, dass eine solche Ausgleichsmaßnahme sehr viel naturnäher erfolgen kann. Als die 17.000 Bäume neben dem Lindenrondell gepflanzt worden sind, hätten es die Förster zu gut gemeint, sagt Moll. Denn die Eschen, Eichen, Wildkirschen, Ahorne, Apfel- und Birnbäume sowie Silberweiden wurden dicht an dicht gepflanzt.

Sie hätten in Kürze durchforstet werden müssen, um einer vielfältigeren Fauna als heute Lebensraum zu bieten. Bei einem Ausgleich nahe Altenburg könnte man da anders vorgehen, hofft er. Er wurde auch mehrfach darauf angesprochen, ob seine Zählung stimme. „Schauen Sie selbst”, sagt er. Es seien 270 Reihen in Nord-Süd- und 60 in West-Ost-Richtung. Macht 16.200.

Die Stadt Jülich hatte ursprünglich einen anderen Wunschstandort fürs Jugendgästehaus im Auge: Vom heutigen Park-Haupteingang betrachtet links neben den Containern. Dort blühen derzeit die weißen Narzissen. „Das wollte die Bezirksregierung nicht”, erklärt Beigeordneter Martin Schulz im Gespräch mit der Redaktion.

Das frühere Hesselmann-Gelände (2700 Quadratmeter) war zu klein, da die jetzt geplante Bebauung 10.000 Quadratmeter Flächen beansprucht. Als einzige Alternative unmittelbar am Park kam laut Schulz nur die jetzt gewählte Fläche in Frage, weil sie der Stadt gehört und das Einvernehmen der Landschaftsbehörde fand.

Standortwahl keine Frage der Zeit

Die Standortwahl sei auch eine Frage der Zeit gewesen, sagt der zweite Mann im Rathaus. Die Finanzierung beinhaltet eine Million Euro des Kreises aus Mitteln des Konjunkturpaktes II. Diese Gelder müssen bis Ende 2011 abgerufen und abgerechnet sein, sonst sind sie unwiederbringlich verloren. Daher habe die Stadt nur eigene Grundstücke betrachtet, da der Erwerb von Fremdeigentum mehr Zeit und Geld gekostet hätte.

Die Einwände des Nabu werden am Donnerstag, 28. April, im Stadtrat (ab 18.30 Uhr) erörtert. Danach werden die Pläne erneut vier Wochen öffentlich ausgelegt. Außerdem besteht dann eine zweite Gelegenheit, Einspruch einzulegen.

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