Barbara-Geschichte bleibt nicht nur in Schophoven aktuell

Patronatsfest und 150 Jahre Kirchweihe : Barbara-Geschichte bleibt nicht nur in Schophoven aktuell

Der Barbaragottesdienst hatte am zweiten Adventssonntag in Schophoven noch nicht begonnen, da sang die kleine zweieinhalbjährige Lara bereits fröhlich und lautstark „Oh Tannenbaum“.

Es war nur eine kleine Begebenheit am Rande, doch das Kind verdeutlichte damit die unverfälschte Freude auf das Weihnachtsfest und zauberte ein Lächeln in die Gesichter der Gottesdienstbesucher. Gefeiert wurden das Patronatsfest und 150 Jahre Kirchweihe.

Die St. Barbara Pfarrgemeinde feierte gleichzeitig mit ihrem Patrozinium 150 Jahre Kirchweihe mit einem ökumenischen Gottesdienst, zu dessen feierlicher Gestaltung die Evangelische Kirchengemeinde Inden-Langerwehe, die Bezirksgruppe Inden des „Rings der Bergbauingenieure“(RDB), der Tagebau Inden und der Familienchor der Pfarre St. Martinus D‘horn beigetragen haben.

In seinen einleitenden Worten spannte der RDB-Vorsitzende Herbert Zimmermann den Bogen von der Lebensgeschichte der Heiligen Barbara in die heutige Zeit. Die Legende erzählt, dass Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, zu Lebzeiten unter Verfolgung und Folter bis hin zum Tode zu leiden hatte. „Man muss nur die Zeitung lesen und man stellt fest ‚Nichts hat sich geändert, die Welt ist voller Folter‘“, klagte er an.Ortsvorsteher Matthias Hahn erläuterte den Gästen, wie sich vom Rittergut Müllenark ausgehend die Verbindung von Schophoven und der Heiligen Barbara entwickelt hat. Bei der Kirchweihe vor 150 Jahren sei den Menschen sicher nicht bewusst gewesen, dass der Tagebau einmal „haarscharf am Ort vorbeigehen“ würde, merkte er mit Blick auf die gravierenden Veränderungen in der Landschaft an. Der heutigen Situation mit „manchmal ein wenig Lärm oder Staub“ stellte er die soziale Sicherheit vieler dort Beschäftigter entgegen.

Der Gottesdienst wurde von Pastor Josef Wolff von der Pfarrei Heilig Geist Jülich, Diakon Arnold Hecker und Pfarrer Daniel Müller-Thór von der Evangelischen Kirchengemeinde Inden-Langerwehe geleitet. Letzterer stellte das Thema Angst in einer „Gesellschaft der heruntergeschluckten Wut“ in den Mittelpunkt seiner Predigt. Schon im zuvor gesprochenen Tagesgebet wurden Fragen aufgeworfen wie „So viele Beweise, welcher ist richtig?“, die die partielle Überforderung im medialen Informationshagel erkennen ließen.

„Wir sind hier zusammen als Menschen, die Angst um ihre Zukunft oder die ihrer Kinder und Enkel haben“, sagte Pfarrer Müller-Thór und wurde bemerkenswert konkret mit der Feststellung: „Die Angst hat um sich gegriffen, auch die vor maßlosen Aktionen von Polizei und Sicherheitskräften.“ Wir sitzen alle in einem Boot und so sei es wünschenswert, dass Parolen aufhörten und ein Dialog beginne, der Ängste ernst nimmt, lautete sein Fazit.

Diakon Arnold Hecker benannte die eigentlich doch so einfach umzusetzende Konsequenz, wenn nur der Wille dazu vorhanden sei: „Lasst uns die Hände reichen, damit wir miteinander und füreinander in der Liebe Gottes da sind.“ Im Anschluss an den Gottesdiest traf man sich im Dorfgemeinschaftshaus, in dem sich das Patronatsfest mit einem gemütlichen Beisammensein fortsetzte.

(jago)
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