Pier: Bagger im Einsatz: Der „Rückbau” in Pier geht voran

Pier: Bagger im Einsatz: Der „Rückbau” in Pier geht voran

Einstmals war das stolze Pier die zweitgrößte Ortschaft in der Gemeinde Inden mit knapp 1600 Bewohnern. Von diesem Glanz früherer Tage ist nicht viel geblieben: Aktuell zählt Pier laut der offiziellen Bevölkerungsstatistik der Gemeindeverwaltung noch 109 Einwohner.

Elisabeth Mayers­Beecks, bei RWE Power zuständig für die Umsiedlung, schätzt die Zahl auf nur noch rund 30 Menschen. Wer sich in diesen Tagen durch das Dorf bewegt, sieht hauptsächlich vernagelte Fenster und Türen sowie Bagger, die im Ortszentrum bei ihren Abbrucharbeiten die bereitstehenden Container befüllen.

Seit Montag ist die Ortsdurchfahrt im Zuge der L12 gesperrt, denn die Häuserzeilen entlang der Pierer und der Lucherberger Straße sind Teil der laufenden Abbruch-Kampagne, die aus statischen Gründen im Verbund beseitigt werden.

So wie im benachbarten Tagebau Inden die Arbeiten der Schaufelradbagger und Absetzer in einem so genannten Betriebsplan geregelt und genehmigt werden, existieren für die dem Tode geweihten Ortschaften so genannte Rückbau-Konzepte, die ebenfalls mit den zuständigen Genehmigungsbehördern abgestimmt werden, denn bei der Umsetzung des „Rückbaus” spielen auch Aspekte des Arten- und Denkmalschutzes eine wichtige Rolle.

60 Prozent von Pier sind weg

Mayers-Beecks schätzt, dass von den etwa 500 Anwesen, die früher Pier ausmachten, seit dem Beginn der Abbrucharbeiten 2008 bereits 60 Prozent weg sind. Objekte, die sich der Abbruchbagger vorknöpft, werden zunächst geräumt und dann entkernt. Zuvor sind bereits wiederverwertbare Elemente wie Türen, Fenster, Toranlagen, Fenster-Gesimse oder spezielle Steine wie alter Feldbrand von Spezialfirmen entfernt worden. So verfügt eine der Firmen, die für RWE Power tätig sind, in Erkelenz-Immerath über ein Lager mit gebrauchtem Baumaterial. Spezialitäten wie das Interieur von Kirchen wird zunächst denkmalpflegerisch erfasst, ehe es ausgebaut wird.

„Wir werden in Pier noch ein bis zwei Jahre gut zu tun haben”, schätzt die Expertin des Konzerns, anschließend könne mit dem Rückbau von Straßen, Wegen und der übrigen Infrastruktur begonnen werden, die vorgehalten werden muss, so lange Menschen in Pier wohnen, damit der Ort erreichbar bleibt.

Darauf legt nicht zuletzt die Heinrich Löwenkamp Maschinen- und Stahlbau GmbH großen Wert, die nach wie vor ihren Betrieb an der Professor-von-Capitaine-Straße hat. Die im Volksmund „PVC”-Straße genannte Verbindung wird während der Sperrung der L 12 als innerörtliche Umgehung genutzt.

„Es ist verdammt schwer”, blickt Christa Weiß, die als geschäftsführende Gesellschafterin das Familienunternehmen mit ihren beiden Brüdern Karl-Heinz und Helmut Günter führt, mit gemischten Gefühlen auf das anstehende Ende einer Ära. Der 1957 von Vater Heinrich Löwenkamp gegründete Betrieb arbeitete zunächst in einem Wellblechschuppen in Pommenich, bevor 1964 das Gelände des ehemaligen Pierer Bahnhofs gekauft und das Depot für die Straßenbahnen als neue Betriebsstätte genutzt wurde. Seitdem hat der Mittelständler, der rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, als Produzent maßgeschneiderter Lösungen und Spezialist für voluminöse Aufträge aus der Industrie eine rasante Entwicklung genommen.

Vier Jahre lang hat das Unternehmen, begleitet von einer Kölner Rechtsanwaltskanzlei, die sich auf Fragen rund um die Umsiedlung spezialisiert hst, mit RWE Power verhandelt, ehe am 8. Mai der Notarvertrag über den Verkauf des Firmengeländes geschlossen wurde. Bereits am kommenden Donnerstag, 14. Juni, erfolgt an der Neuen Straße in Huchem-Stammeln der erste Spatenstich für den Bau der neuen Produktionshalle nebst Verwaltung.

Da die Firma Spezialmaschinen verwendet, die auch viele Tonnen schwere Werkstücke ver- oder bearbeiten können, sind allein für die Maschinen spezielle Gründungsarbeiten notwendig. Mit dem Umzug solle, so Weiß, im Frühjahr 2013 begonnen werden. Das Gelände in Pier muss bis zum 31. Oktober kommen Jahres geräumt werden. Spätestens dann dürfte es in Pier ziemlich einsam werden...

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