Jülich: Autorin Petra Schier liest aus ihren historischen Krimi

Jülich: Autorin Petra Schier liest aus ihren historischen Krimi

Im frühen Dämmerlicht des mittelalterlichen Kölns erbittet der schwer verwundete Hauptmann der Kölner Stadtgarde, Tilmann Greverode, Einlass in das Haus seiner Schwester, der Apothekerin Adelina. Indessen wurde im Zeughaus eine Leiche gefunden, neben ihr Tilmanns Dolch. Mit dieser Szene begann die spannungsgeladene Lesung der Autorin und Lektorin Petra Schier in der Buchhandlung Fischer.

Im mittelalterlichen Gewand las sie aus ihrem neuen Krimi „Verschwörung im Zeughaus“, Band fünf um Protagonistin Adelina, die 1405 Apothekerin in Köln ist. Schier fand bei ihrer Recherche in der Kölner Stadtchronik einige Einträge zu Vorkommnissen und Ratsbeschlüssen.

So wurde 1403 der Herzog Adolf von Jülich-Berg-Ravensberg Edelbürger Kölns und gewährte im Zuge dessen der Stadt Köln Zollfreiheit auf seinen Ländereien. Weil sich der Herzog aber nicht an die Absprachen mit dem Kölner Rat hielt, sahen sich dieser und Gaffelvertreter zur Kriegserklärung gezwungen.

In ihrer actionreichen Lesung konzentrierte sich die Schriftstellerin aus Niederheckbach in der Eifel aber auf „Wortgemetzel“ zwischen dem verletzten Tilmann und Jungfer Mira von Raderberg. „Sie enthalten die meisten Hintergrundinformationen und sind meine Lieblingszenen“, begründete die Autorin.

Sie schreibt in einer „leicht verständlichen, aber gut lektorierten Sprache“, wie Gastgeberin Eva Behrens-Hommel es in ihrer Einführung beschrieb.

Besonders gutes Kopfkino erlebt der Leser oder Zuhörer in den bildhaft knisternden Dialogen zwischen dem Hauptmann und der jungen Adeligen. „Besonders viel gelernt“ hat die Autorin nach eigenem Bekunden von der amerikanischen Roman-Autorin Nora Roberts, ihrem „großen Vorbild“.

Aus den Dialogen erfuhren die gut 30 Zuhörer von der Verschwörung im Stadtrat, von häufigen Raubüberfällen auf Kölner Bürger und dem Verdächtigenkreis um den unlauteren Ailff van Wesel oder Rentmeister Thönnes Overstolz. Mit einer spannenden Szene leitete Schier zur Pause über: „Die Dolchspitze drückte sich noch ein bisschen fester zwischen ihre Rippen, weshalb sie nicht einmal zu atmen wagte“.

In der zweiten Halbzeit machte die Autorin zunächst mit einem chronologisch gegliederten „Lesetrailer“ Lust auf ihren Roman „Das Haus in der Löwengasse“, das 1823 ebenfalls in Köln spielt. Dabei handelt es sich um einen „historischen Liebesroman mit kitschfreier Zone, das haben mir Männer bestätigt“, wie sie schmunzelnd betonte.

Hinterher stellte sie sich den Fragen ihrer Fangemeinde. Angesprochen auf Parallelen zu Andrea Schacht, die ebenfalls historische Romane im mittelalterlichen Köln schreibt und Katzenromane veröffentlicht, erklärte Schier zu ihren Hundeweihnachtsromane: „Ich kenne Andrea Schacht persönlich aus den verschiedenen Autorenvereinigungen. Wir hatten auch jahrelang denselben Agenten“.

Dieser sprach Schier wegen ihres Schäferhundes Zeus an, „sowas mit Hunden zu machen“. Kopiert sei nichts. „Wir sind zufällig in derselben Zeit gelandet“.

Auf die Frage zu eigenen Kindern antwortete die Historikerin: „Derzeit sind meine Bücher mehr meine Kinder. Für die nächsten fünf bis sieben Jahre habe ich ausgesorgt mit Projekten“. Nummer sechs in der Krimireihe erscheint 2015, sehr zur Freude der Anwesenden.

(ptj)
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