Jülich: Ausstellung bietet eine harmonische Einheit von vier Künsten

Jülich : Ausstellung bietet eine harmonische Einheit von vier Künsten

„Viele Fäden verknüpfen sich immer wieder anders neu zu einem Gewebe. Weltpoesie ist Weltversöhnung. Fragen und Antworten steigen auf in der Musik, sie atmen im Tanz, sie tanzen im Innenraum filigraner Kunst. Helfen Sie uns dabei, diese feinen Fäden gut zu halten, mit dem inneren Ohr und Herzen, mit stillen Händen und stummen Handys, bis der ganze Bogen aufgespannt ist.“

Mit diesen Worten führte Rezitatorin Ruth Konter in der voll besetzten Jülicher Christuskirche in die Ausstellung „Spiritualität und Transformation“ ein. Hier verwoben sich musikalische und literarische Inspirationen mit zeitgenössischer Tanzperformance und begünstigten mit Blick auf filigrane Metallkunstobjekte Meditation und Spiritualität.

Mit großer Authentizität bildeten die fünf Künstlerinnen eine Einheit. Anke Wolf, die menschliche Lebenswirklichkeiten in linearen Zusammenhängen darstellt, schuf die filigranen Installationen und stellte das aufführende Künstlerquartett zusammen: Ruth Konter trug Poesie, mystische und visionäre Texte aus der Feder von Glaubenssuchern aus mehr als 2500 Jahren vor, darunter jüdische Schätze, frühe Liebesdichtungen aus dem Islam, etwa vom bedeutenden persischsprachigen Dichter Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, über Gedichte von Rainer Maria Rilke bis hin zu einer der Tischreden Luthers.

Violinistin Johanna Schmidt und Pianistin Lydia Hilgers, die zusammen das „Duo Tarantelle“ bilden, begeisterten mit ihrem temperamentvollen und dynamischen Spiel. Dazu zählte im zweiten „Themenbogen“ der selten aufgeführte „Engelszyklus“ von Astor Piazzolla mit seiner großen Stimmungsbandbreite — passend dazu das Gedicht von Rainer Maria Rilke: „Denn wir sind nur die Schale und das Blatt. Der große Tod, den jeder in sich hat, das ist die Frucht, um die sich alles dreht.“

Tanzkünstlerin und -pädagogin Bettina Lauber schwebte lautlos durch den Kirchenraum und betonte ihre zeitgenössische Performance, angespornt von der Musik ab und an mit einem wilden Aufstampfen des Fußes.

Kleine Fangemeinde

Die Pause bot Zeit zur Betrachtung der Gesamtinstallation, in der das Wasser und der Gedanke des Schützen und Bewahrens eine große Rolle spielten. Im Zentrum des Gotteshauses etwa floss Wasser aus Edelstahl als Segen vom Kreuz auf den Altar, sammelte sich um eine brüniert/versilberte Messingschale und wurde zum Fluss aus Eisen und Edelstahl. „Stehen wir nicht geborgen unter dem großen Wasserfall?“, heißt es im themengebenden Gedicht „Segen fließt“ von R. Konter.

Titel des letzten Textbeitrages war „Schaddai (Gott der Allmächtige) segne“ aus dem ersten Buch Mose. Die „Elegie“ des russischen Komponisten Aleksandr Glazunov umrahmte die beiden Themenbögen.

„Segen fließt“ war vierter und letzter Teil des Ausstellungsprojektes des Künstlerinnenquintetts. Titel, Inhalte und Installationen konzentrierten sich dabei auf die jeweilige Kirche/Kulturzentrum. So ging es in der Stolberger Finkenbergkirche „auf Wegen — durch Pforten“, führte in der Stadtkirche Monschau zum „Duft der Gnade“ und im „Klösterchen“ Herzogenrath in den „mystischen Garten“.

Unter den zahlreichen Besuchern der Christuskirche fand sich auch eine kleine Fangemeinde wieder, die den Künstlerinnen treu durch alle Veranstaltungen gefolgt war. „Man muss wirklich nicht woanders hinfahren. Jülich bietet ein vielfältiges und hochkarätiges Kulturangebot“, betonte eine Zuschauerin.

(ptj)