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Jülich: Ausschuss gegen Denkmalschutz

Jülich : Ausschuss gegen Denkmalschutz

Damit das ehemalige Bahnhofsverwaltungsgebäude nicht endgültig aufs Abstellgleis gerät, hat sich der Jülicher Ausschuss für Kultur, Soziales und Integration dagegen ausgesprochen, das Haus an der Römerstraße 16b unter Denkmalschutz zu stellen.

Bekanntlich möchte die Woge das im Besitz der SEG befindliche Haus nebst Grundstück erwerben. Geplant war der Abriss und anschließende Neubau von Eigentumswohnungen. Mittlerweile hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als obere Denkmalschutzbehörde einen Antrag auf Schutz der ehemaligen Bahnhofsmeisterei gestellt.

Das Gebäude vermittele die Bedeutung des in Jülich um 1870 entstandenen Eisenbahnknotenpunktes. Darüber hinaus zeige es klassische Merkmale der Architektur der 1920er Jahre mit seinem hohen Walmdach, der Fassadenausbildung und dem Treppenhaus in der linken Haushälfte.

Am Denkmalschutzverfahren ist die Stadt Jülich als untere Denkmalschutzbehörde zu beteiligen. An der Sitzung nahmen auch Joseph Krott und Franz Peter Sußmann, Vorstandsmitglieder der Woge, teil. Sie machten klar, dass die Gesellschaft ein deutlich geringeres Kaufinteresse an einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude habe.

Man lasse derzeit die Kosten für die erforderliche Kernsanierung des um 1926 gebauten Hauses ermitteln. Sie rechnen mit rund einer Million Euro. Zudem habe die Woge schlechte Erfahrungen mit dem Denkmalschutz: „Die Wohnanlage am Wallgraben mussten wir zweimal umplanen.” Krott betonte, dass die SEG seit längerem erfolglos versuche, das Objekt zu verkaufen: „Im Vorfeld sind schon einige Interessenten abgesprungen.”

Der Ausschuss kam danach zu der Auffassung, dass es nicht sinnvoll sei, das Gebäude unter Schutz zu stellen. „Was nützt es uns, wenn es zum Denkmal wird und dann verrottet?”, so Ulrike Fink (FDP) angesichts der Tatsache, dass die Stadt selbst über keine Mittel verfüge, die Bahnhofsmeisterei zu restaurieren. Das sahen auch die anderen Fraktionen so. „Wir haben nur eine Chance, das Gebäude zu verkaufen, wenn da nicht noch diese zusätzliche Last draufliegt”, so Matthias Hoven (JüL).

Dem Beschluss stimmten elf Mitglieder zu, zwei enthielten sich, einer stimmte dagegen. Damit ist die Sache aber nicht vom Tisch. Der finanzielle Aspekt könne beim LVR nicht als Argument geltend gemacht werden, so Schulz. Deshalb formulierte der Ausschuss, dass er zwar anerkenne, dass die Funktion des Gebäudes auf die Eisenbahngeschichte in Jülich hinweise, dass jedoch der Bahnhof und die Gleisanlagen diese weitaus stärker dokumentieren.

Nun muss ein Sachverständiger ein Gegengutachten erstellen, dass die Schutzwürdigkeit widerlegt. Dann muss die Reaktion des LVR abgewartet werden. Wie lange das dauert, ist nicht abzusehen. Und ob die Woge bis dahin nicht ihr Interesse an dem Grundstück verloren hat, steht wieder auf einem anderen Blatt.