Jülich: Ausgrabungen geben Geheimnisse der Zitadelle preis

Jülich: Ausgrabungen geben Geheimnisse der Zitadelle preis

Schicht für Schicht gibt die mächtige Festung Geheimnisse Preis. Im Zentrum der Zitadelle, da wo heute der Innenhof des Gymnasiums ist, hat es vermutlich eine Art Brunnenanlage oder ein Badehaus gegeben, ein Kleinod für die Menschen, die hinter den gewaltigen Mauern gelebt und gearbeitet haben.

„Der Bauantrag für diese Anlage liegt uns mittlerweile vor“, sagt Thomas Ibeling, der leitende Archäologe der Ausgrabungen, die während der Sommerferien intensiv im Innenhof fortgesetzt werden. 1885 wurde das kleine Gebäude beantragt, das über eine ältere Zisterne gebaut war. Lange dort gestanden hat es nicht. Auf Postkarten und Zeichnungen um 1900 ist es nicht mehr zu sehen.

Sieht aus wie ein Stein, ist aber frühes Siegburger Steinzeug: Mit solchen Funden können die Erdschichten datiert werden. Foto: Guido Jansen

Das Interesse der Ausgrabungs-Experten richtet sich im Moment schwerpunktmäßig auf die Erdschichten unterhalb des wiederentdeckten Badehauses. „Wir haben da ein Gemäuer gefunden, das auf eine Art Zisterne hindeutet. Diese Struktur ist wahrscheinlich noch einmal deutlich älter, sie stammt vielleicht sogar aus der Bauzeit der Zitadelle im 16. Jahrhundert“, sagt Ibeling. Wie alt genau, das müssen die weiteren Untersuchungen zeigen.

„Gruss aus Jülich“: Oben links auf dieser Postkarte ist der Innenhof der Zitadelle zu erkennen, mit dem vermeintlichen Badehaus in der Mitte. Foto: Guido Jansen

Zwei Planierschichten

Es geht allerdings noch tiefer hinein in die Geschichte Jülichs. In einem etwa einen Meter tiefen Querschnitt neben der Zisternenmauer sehen die Archäologen eine ganze Menge. Beispielsweise zwei sogenannte Planierschichten. Das bedeutet, dass Menschen den Platz zu zwei verschiedenen Zeiten eingeebnet haben. Von oben nach unten: Die erste, jüngste Planierschicht diente als Grundlage für den Pflasterboden, der etwa in einem halben Meter Tiefe unter der einstigen Rasenoberfläche gefunden wurde.

Dieses Pflaster war eines der ersten Funde, als die Ausgrabungen in den Osterferien begonnen wurden. Ursprünglich, um herauszufinden, warum die Innenwände des Kellers so feucht sind. Dabei kamen eher zufällig erste Fragmente des Pflasters zum Vorschein. Je mehr Erdreich abgetragen wurde, desto mehr haben die Archäologen gefunden. Mittlerweile liegt eine 30 mal 30 Meter große Fläche frei.

Das Pflaster kann anhand von Musketenkugeln grob datiert werden, die in den Rillen gefunden wurden. Musketenkugeln wurden vor rund 200 Jahren von Patronen abgelöst. Untern dem Pflaster liegt Planierschicht eins, es folgt eine rötliche, sandige Schicht, die zweite Planierschicht und dann ein humuserdiges Material. Diese Schicht stammt nach jetztigem Stand aus der Zeit vor der Zitadelle. „Wir haben in dieser Schicht sogenanntes frühes Siegburger Steinzeug gefunden. Das ist ein Hinweis auf das späte Mittelalter“, sagt Ibeling.

Siegburger Steinzeug ist eine Art gebrannte Keramik, die vom 14. bis zum 17. Jahrhundert im Rheinland sehr verbreitet war. Zwar sei es möglich, dass die Keramikscherben zufällig an diese Stelle gelangt seien, beispielsweise weil sie dort hin geschwemmt wurden. „Es kann aber auch ein Hinweis darauf sein, dass die Fläche vor dem Bau der Zitadelle besiedelt war“, sagt der Archäologe.

Wie lange weiter gegraben und geforscht wird und wie die Funde später ausgestellt werden, hängt unter anderem davon ab, welche finanziellen Mitteln die Bezirksregierung Köln zur Verfügung stellt.

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