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Gute Erfahrungen mit Studienabbrechern: Ausbildungsstärke treibt das Wachstum von Winweb

Gute Erfahrungen mit Studienabbrechern : Ausbildungsstärke treibt das Wachstum von Winweb

Der FDP-Landtagsabgeordnete Stefan Lenzen, der die Kreise Düren und Heinsberg betreut, tut während der parlamentarischen Sommerpause wieder eine Reise durch seinen Wahlkreis, um Unternehmen kennen zu lernen und zu fragen, wo der Schuh drückt und welche Wünsche an die Politik bestehen.

Erste Station der Sommertour war die Winweb Informationstechnologie GmbH in Aldenhoven-Niedermerz, die sich auf Warenwirtschaftssysteme für Fleischwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Großhandel spezialisiert hat, von der Schlachtung über die Weiterverarbeitung bis zum Vertrieb zum Kunden.

Geschäftsführer Willi von Berg hat das Softwarehaus 1997 in seinem Privathaus in Niedermerz gegründet, von wo aus das Unternehmen einen steilen Aufstieg nahm. Von Anfangs zwei Mitarbeitern hat sich Winweb inzwischen auf 46 Mitarbeiter vergrößert, darunter neun Auszubildende. Die Rekrutierung der Azubis und deren Erfolge — auch bundesweit — sind eine weitere Spezialität des Software-Entwicklers, der sich schon früh beim Switch-Programm für Studienabbrecher bediente. Das Programm ist 2010 von Industrie- und Handelskammer sowie Stadt Aachen aus der Taufe gehoben worden, um Studienabbrechern von RWTH und FH Aachen eine auf 18 Monate verkürzte Berufsausbildung zu bieten, beispielsweise zum Fachinformatiker.

Winweb war einer der ersten Partner des Switch-Programms, das ein Stück weit erst das rasante Wachstum ermöglicht hat. So ist Ausbilder Oliver Rick selbst über „Switch“ zum Unternehmen gekommen, nachdem er mit seinem Lehramtsstudium der Informatik und Geschichte bereits auf der Zielgeraden war. Den Wechsel hat er offenbar trotzdem nicht bereut, denn als Ausbildungsleiter wirkt er inzwischen selbst daran mit, die personellen Ressourcen zu verbessern.

Das beginnt mit der Auswahl der Bewerber, die zu rund einem Drittel aus dem Switch-Programm stammen und entsprechende Vorkenntnisse mitbringen. „Es ist hier ein stetiges Geben und Nehmen“, umschreibt Rick die Philosophie des Unternehmens, das sich auch und vor allem durch eine hohe Flexibilität auszeichnet, die sich von der Arbeitszeit bis hin zu Sondervereinbarungen zeigt. Der Erfolg gibt Winweb Recht: Fast in jedem Jahr ist das Unternehmen unter den Betrieben mit Azubis zu finden, die ihre Ausbildung mit einem „sehr gut“ abgeschlossen haben. 2017 und 2018 wurden zwei sogar als bundesweit beste Azubis ausgezeichnet.

Bei deren Auswahl ist es Rick und Kollegen wichtig, dass die neuen Leute vor allem „Spaß an der Sache haben“. Zudem werde von Beginn an eigenständig gearbeitet. So werden sofort kleine Projekte angepackt, die sofort ins bestehende System einfließen und so unmittelbar den Kunden zugute kommen. „Wir haben mehr Arbeit, als wir schaffen können“, sagt Willi von Berg. Es sei schwieriger geworden, „Leute zu kriegen“. So gibt es den Wunsch an die Politik, für mehr Informatiklehrer zu sorgen, um die Vorkenntnisse der Bewerber zu verbessern.