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Jülich: Aus der Not geboren: 20 Jahre „Frauen helfen Frauen”

Jülich : Aus der Not geboren: 20 Jahre „Frauen helfen Frauen”

Brigitte Habig konnte die Welt nicht mehr verstehen. Als vor mehr als 20 Jahren Kirsten Müller-Lehnen als Gleichstellungsbeauftragte nach Jülich kam und im neu eingerichteten Frauenplenum berichtete, dass immer mehr Frauen mit ihren Problemen zu ihr ins Rathaus kamen, war sie fassungslos. Aber wo sollten diese Frauen hingehen?

„Zu Frauen helfen Frauen”, sagte sie spontan. Damit war der Verein, der sich nun seit 20 Jahren um Frauen in Notsituationen bemüht geboren. Es wurde eine Satzung gebastelt, Brigitte Habig, die mit Fug und Recht als „Mutter” dieser Einrichtung bezeichnet werden kann, sammelte engagierte Frauen um sich und begann mit ihrer Arbeit im Keller eines Friseursalons.

Zuhören war zunächst ihre wichtigste Aufgabe. Daneben versuchten sie die Frauen zu beraten und an Therapeuten zu vermitteln. Schnell wurde klar, dass nicht nur neue Räume her mussten, sondern guter Wille und Tatkraft nicht ausreichten, um zu helfen. Fachkompetenz musste her. Im Rahmen einer ABM-Maßnahme zum Thema „Essstörungen” kam die Psychologin Dagmar Ahrens 1991 nach Jülich, die auch heute noch dem Team angehört.

Ein weiteres wichtiges Thema war und ist „sexueller Missbrauch”. So wurde 1992 mit der Psychologin Sabine Mothes eine weitere Stelle besetzt. In den Folgejahren ging es ständig auf und ab. Der Kampf ums Geld ging beständig weiter. 2001/2002 wurden Struktur und Satzung des Vereins komplett überarbeitet, der Vorstand auf die Mitarbeiterinnen reduziert und ein Beirat eingerichtet.

Über all dies berichtete Doris Thom-Capellmann, Beiratsfrau und Ehrenvorsitzende des Vereins, bei der Geburtstagsfeier im Jülicher Kulturbahnhof. Bürgermeister Heinrich Stommel und Landrat Wolfgang Spelthahn hatten kurzfristig ihre Teilnahme aufgrund dringender Sitzungen absagen müssen. Sie entsandten die Gleichstellungsbeauftragten Katarina Esser für die Stadt Jülich und Elke Ricken-Melchert für den Kreis. Beide sprachen den engagierten Vereinsfrauen Dank aus und beleuchteten die Arbeit aus politischer Sicht.

Vieles habe sich geändert. Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt seien längst keine Privatsache mehr. Dennoch gab Katarina Esser zu bedenken: Die Frauenbewegung habe zwar das Rechtsbewusstsein verändert, doch das Frauenproblem sei noch nicht zum Männerproblem geworden. Den Männern, die gegen Frauen Gewalt anwenden, fehle das „Unrechtsbewusstsein”. So lange dies nicht geschieht, müsse es Vereine wie „Frauen helfen Frauen” geben.