Jülich: Auf der Suche nach Spuren der Familie Voss

Jülich: Auf der Suche nach Spuren der Familie Voss

Naomi Voss lebt eigentlich in Seattle, im äußersten Nordwesten der USA. Dass sie nun mit ihren beiden Kindern sowie ihren zwei Neffen und ihrer Nichte die gut 8000 Kilometer nach Jülich gereist ist, hat einen guten Grund: ihren Vater Joseph Voss und seine Geschichte.

Geboren im Jahre 1931 in Jülich, besuchte dieser die jüdische Volksschule in Linnich und wuchs in der Kölnstraße 36 (heute: Eiscafé Panciera) auf. Im Alter von sieben Jahren gelang ihm mit seiner Familie die Flucht aus Nazi-Deutschland über Palästina in die Vereinigten Staaten, wo er als Ingenieur eine Anstellung bei Boeing fand.

Vor seinem Tod 2009 war Joseph Voss häufiger zu Besuch in Jülich und pflegte hier einen freundschaftlichen Kontakt zu den Familien Fischer, Hommel und Ermert sowie zur Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz.

Auf seinen Spuren bereisten nun seine Nachkommen die Heimat des Großvaters und trafen mit Heinz Spelthahn und Marco Maria Emunds zwei Vertreter der Jülicher Gesellschaft, die ihnen die Spuren der Familie Voss-Lichtenstein in Jülich erläuterten, ihnen Fotos des Großvaters aus dem Alltag an der Rur und beim Schneemannbauen zeigten und mit denen sie die Erin-nerungsstätten im Jülicher Land aufsuchten.

Erinnerungsstätten besucht

Dazu gehörten neben dem Mahnmal am Propst-Bechte-Platz der jüdische Friedhof in der Aachener Straße, wo sich noch eine ganz Reihe von Grabsteinen der Familie Voss wiederfinden ließen, unter anderem des Ururgroßvaters, der 1933 in Jülich gestorben war. Bei einem Besuch der Villa Buth (Eichhorn) in Jülich-Kirchberg, die während des Krieges als Sammelstelle für jüdische Familien aus dem Jülicher Land gedient hatte, zeigten sich die Gäste aus den USA erstaunt über den aktuellen Zustand dieses Ortes historischer Erinnerungen.

Es war das erste Mal, dass Naomi Voss in die alte Heimat ihres Vaters reiste, aber sie konnte sich gut daran erinnern, dass Ortsnamen wie Jülich, Linnich oder Boslar vertraute Ausdrücke aus ihrer eigenen Kindheit waren, von denen sie ihren Vater immer wieder hatte sprechen hören.

Nach ihrem Besuch in Jülich geht die Reise der Familie Voss nun weiter nach Rüthen in Westfalen, aus der die Familie von Joseph Voss mütterlicherseits stammte. Die vielen Notizen, die sich die Besucher vor Ort gemacht haben, sollen am Ende, so der Plan, Eingang in ein Buch über ihre Vorfahren aus Deutschland finden, in dem dann wohl auch Jülich einen wichtigen Platz einnehmen wird.