Opherten: Auf dem Feldweg ist die Hölle los

Opherten: Auf dem Feldweg ist die Hölle los

Gegen Silke Schümmer aus Titz-Opherten ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft. Wegen Eingriffs in den Straßenverkehr. „Dabei war ich es, die zur Polizei gegangen ist, weil ich eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Fahrerflucht machen wollte”, sagt die Frau.

Demoliert worden war ein Blumenkübel vor ihrer Einfahrt auf der Maarstraße. Die endet in einen Wirtschaftsweg, der von Insidern unerlaubter Weise als Abkürzung zur Landstraße nach Jackerath genutzt wird.

Ab 16 Uhr ist auf dem Feldweg die Hölle los - frei nach der US-Actionkomödie „Auf dem Highway ist die Hölle los”. Dann brausen die Autos von der Landstraße über den Feldweg. Der mündet in die Quasi-Sackgasse Maarstraße. 50 Meter, dann passieren sie das Haus der Schümmers, wo bis vor einiger Zeit der Blumenkübel stand. Warum der Wirtschaftsweg als Abkürzung genutzt wird, wissen die Ophertener. Sie führt auf die Ortsumgehung. Die ist aber sehr eng und in einem schlechten Zustand.

„Wenn Ihnen da ein Bus oder ein landwirtschaftliches Fahrzeug begegnet, müssen Sie anhalten oder dahinter fahren, bis zur L 241 oder in umgekehrter Richtung bis nach Opherten.” So aber geht es morgens schneller zur Autobahnauffahrt Jackerath und abends wieder zurück nach Hause. „Eigentlich dürfte auf dem letzten Stück der Maarstraße gar kein Autoverkehr mehr stattfinden. Die Straße endet an einem Weg, der nur für den landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen ist”, bemerkt Wolfgang Kalugin. Er hat auf Bitten der Anwohner und als Mitglied der Wählergemeinschaft W.I.R. eine Geschwindigkeits-Messtafel aufgehängt. „Es ist erstaunlich: Vom 26. Juni bis zum 10. Juli sind mehr als 600 Fahrzeuge über diesen Wirtschaftsweg gefahren. Unglaublich!”, schüttelt Kalugin mit Silke und Franz Schümmer den Kopf. Dass die Fahrer sich nicht an die Geschwindigkeit halten - ab Beginn Maarstraße gelten 30 Kilometer -, macht die Sache noch ärgerlicher.

Warum nicht für eine künstliche, gut sichtbare Barriere sorgen? Für die Mutter von zwei Kindern keine lange Überlegung. Wenn der achtjähriger Sohn die Straße überqueren muss, ist dies manchmal sehr gefährlich. Denn kein Bürgersteig schützt das Haus. Man tritt direkt auf die Maarstraße. „So habe ich denn einen Blumenkübel bepflanzt, ihn neben unserer Einfahrt aufgestellt, damit man sich etwas gefahrloser einen Überblick vom Verkehr auf der Straße machen kann”, sagt die Mutter. Doch der Kübel stand nur wenige Tage. „Dann hat ihn ein Auslieferfahrer in Stücke gefahren.” Jetzt wird gegen sie wegen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. „der eigentlich nicht stattfinden darf.”

Schon oft ist sie bei der Polizei vorstellig geworden, schaltete den Ortsvorsteher und das Titzer Ordnungsamt ein. Die Polizei kam auch, stellte sich morgens um 9 Uhr gut sichtbar auf die Straße. „Es fehlte nur noch das Blaulicht”, sagt Silke Schümmer zynisch. „Die Autofahrer konnten schon von weitem sehen, dass kontrolliert wird.” So bogen sie dann schnell von Jackerath aus kommend in einen parallel verlaufenden Wirtschaftsweg ein. Für sie war die Gefahr gebannt, nicht für die Schümmers, die eine Schranke fordern. Die sei zu teuer, hat man ihnen gesagt, auch eine Barke käme nicht in Frage. Da kämen die Landwirte nicht mehr vorbei. Dabei gibt es am Ende der Maarstraße nur einen einzigen Bauern Für den ist, so die Aussage, ein solches künstliches Hindernis kein Problem. „Denn alle anderen Landwirte fahren von der anderen Seite auf ihre Felder. Die Fahrt durch Opherten wäre viel zu mühsam.”

Messdiagramm

Das Messdiagramm der W.I.R. fanden Beamte der Polizeiinspektion Jülich. „Hoch interessant, da wissen wir ja, wann wir kontrollieren müssen”, haben sie gesagt. Passiert ist bisher noch nichts. Sieht man einmal von der Stellungnahme ab, die der Titzer Beigeordnete Christian Canzler auf Anfrage von Wolfgang Kalugin tätigte. „Nachdem wir Ihr Messdiagramm erhalten haben, suchen wir den Kontakt mit der Kreispolizei. Hilft dies nichts, denken wir darüber nach, Fahrbahn-Schwellen in die Maarstraße einzulassen.”

Jetzt kommt aber anscheinend Bewegung in die verzwickte Angelegenheit. „Der zuständige Bezirksbeamte wird sich mit der Familie Schümmer in Verbindung setzen”, verspricht der Sprecher der Kreispolizei Düren, Willi Jörres. Er bestätigte auch die Aussagen der Frau. „Wir haben zweimal kontrolliert, aber nichts auffälliges festgestellt.” Und was die Anzeige wegen Sachbeschädigung anbelangt, „wurde die von uns an die Staatsanwaltschaft Aachen weitergeleitet”.