Inden/Altdorf: Auf Abwegen im Indeland unterwegs

Inden/Altdorf: Auf Abwegen im Indeland unterwegs

Der Indemann auf der Goltsteinkuppe ist das weithin sichtbare Zeichen des Indelandes und bietet von seinen Plattformen aus einen einmaligen Rundumblick auf den Tagebau und den Lucherberger See. Um den Besuchern dieses bekannten Aussichtspunktes auch einmal die Geschichte dieses Ortes und die mit dem Tagebau einhergehenden landschaftlichen Veränderungen näherzubringen, werden von der Indeland GmbH verschiedene Touren angeboten, um die Umgebung zu erkunden.

Die Gesellschaft ging 2008 aus der Euregionale hervor und ist Teil eines Kooperationsprojekts des Städtedreiecks Düren, Eschweiler und Jülich. Unter der Leitung von Diplom-Geograf Michael Schulze gab es diesmal die Tour „Blaue Stunde am Indemann“, bei der über zwanzig Personen die Möglichkeit hatten, das Indeland mal von einer anderen Seite kennenzulernen. Denn bei der rund dreieinhalbstündigen Wanderung geht es auch an einigen Stellen durch Nebenstraßen und kleine Feldwege, über die man normalerweise nicht gehen würde.

Bunt erleuchtet präsentiert sich der Indemann in der Dämmerung. Foto: Wickmann

Nach der Begrüßung zu Füßen des Indemanns ging es zunächst auf die obere große Aussichtsplattform, wo Schulze etwas zur Geschichte des Braunkohletagebaus berichtete, der im Indener Land 1957 startete und seitdem für das Kraftwerk Weisweiler Brennstoff liefert. Derzeit sind es pro Jahr rund 18 Millionen Tonnen Kohle, die dort in Strom umgewandelt werden. Der Tagebau wandert dabei von West nach Ost und soll circa 2030 kurz vor Merken und der Kölner Autobahn enden.

Kleinste der drei Tagebaue

Er ist verglichen mit Hambach und Garzweiler der kleinste Tagebau und soll anschließend mit Wasser gefüllt zum Indesee werden. Mit 11,6 Quadratkilometern hätte er dann ungefähr die Größe des bayerischen Tegernsees. Auch die zwei anderen Tagebaue sollen so umgewandelt werden und gemeinsam soll dies zu einer der größten Seenplatten Europas werden.

Von der Goltsteinkuppe aus führte der Weg nach Lucherberg und auf Nebenwegen zur sogenannten Alten Kippe. Entlang dieses alten Abraumlagers befinden sich heute zahlreiche Häuser und benannt ist der Raum nach der Lagerfläche des Materials, das aus der Grube ausgehoben wurde, die heute den Lucherberger See bildet. Weiter ging es zum See, dessen Ufer ein schönes Erholungsgebiet bieten, das aber nicht mehr lange existieren wird. Der Lucherberger See wird mit dem näher rückenden Tagebau verschwinden und später im Indesee aufgehen.

Von hier aus ging es quer durch das Indener Neubaugebiet vorbei am Denkmal mit der Glocke der ehemaligen Pfarrkirche des abgebaggerten Ortes Pier zum Haus Lützeler. Dieser unter Denkmalschutz stehende Hof stand ursprünglich alleine und um ihn herum wurde in den 90er Jahren der neu entstandene Ort Inden/Altdorf gebaut. Ein besonderes Highlight war auch der Besuch der Pfarrkirche St. Clemens und St. Pankratius, die als neu erbautes Gotteshaus die Gemeinden von Inden und Altdorf miteinander vereint und in der auch Devotionalien aus den beiden alten Gotteshäusern verwahrt werden.

Renaturierte Inde

Ein Teil der Tour war der Weg entlang der Inde, die teils aufgrund des Tagebaus umgeleitet und renaturiert werden musste. „Dies ist ein absolut gelungenes Projekt und hier sind auch neue Tierarten wie die Ringelnatter und der Biber heimisch geworden“, berichtet Schulze und zeigt anhand einer Karte, wie sich der Indelauf verändert hat. Beim anschließenden Blick vom Aussichtspunkt des Indener Tagebaus wurde allen Teilnehmern die gewaltige Dimension der Grube bewusst, in der selbst die Bagger und die Absetzer, die anschließend die Erde wieder auffüllen, trotz ihrer gewaltigen Größe klein wirken. Schulze erläuterte anhand von Zahlen, dass beispielsweise statistisch pro Tag eine Lkw-Schlange von 250 Kilometer Länge mit Kohle beladen wird und dass die Länge der Transportbänder vom Tagebau zum Kraftwerk insgesamt 45 Kilometer beträgt.

In der Dämmerung bot der Tagebau mit den beleuchteten Baggern ein schönes Bild. Zum Abschluss eines interessanten Rundgangs durch das Indeland ging es zurück auf die Goltsteinkuppe, wo der beleuchtete Indemann eine beeindruckende Kulisse bildete.

Weitere Infos zu den Touren gibt es unter www.weggefaehrte.com.

(bw)