Aldenhoven: ATC Siersdorf laut Studie „gehobene Mittelklasse“

Aldenhoven: ATC Siersdorf laut Studie „gehobene Mittelklasse“

Anette Reinholz, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung beim Kreis Düren, hatte eigens ihren Urlaub unterbrochen, um im Aldenhovener Gemeinderat die Machbarkeitsstudie zum „Campus Aldenhoven“ vorzustellen, die vor vier Monaten beauftragt worden war, nachdem sich die wichtigsten Akteure — von der Gemeinde Aldenhoven bis zum Zweckverband Region Aachen — auf dieses Vorgehen verständigt hatten.

Reinholz berichtete, dass es zum Automotive Testing Center (ATC) bundesweit 25 vergleichbare Anlagen gebe. Allerdings gebe es zum Teil erhebliche Unterschiede hinsichtlich Eigentumsverhältnissen, Zugangsmöglichkeiten, Größen und Ausstattungen. So werde das ATC im Vergleich von Marktkennern als konkurrenzfähige Anlage der „gehobenen Mittelklasse“ eingeordnet.

Als Alleinstellungsmerkmal verfügt sie als einzige Testanlage in Europa über das Navigationssystem Galileo im automotiven Sektor. Vermisst werden dagegen Event- und Präsentationsmöglichkeiten. Zudem müssten mittelfristig weitere Werkstattkapazitäten vorgehalten werden. Nicht zuletzt stufen Marktkenner das ATC als weitgehend unbekannt ein, auch wenn die Auslastung mittlerweile gut und die Zugänglichkeit für alle Unternehmen gegeben ist.

Die Bestandsaufnahme beschäftigte sich nicht allein mit dem ATC, sondern auch mit dem Automobilstandort NRW. Es ist weniger ein Standort von Automobilherstellern, die sich vor allem im Süden der Republik finden, als vielmehr von -Zulieferern und Forschungseinrichtungen. So haben 30 Prozent der deutschen Zulieferer ihren Sitz in NRW. Zwölf Hochschulen haben einen automobilrelevanten Forschungsschwerpunkt. Die RWTH Aachen markiert dabei die Spitze als eine der weltweit führenden und die wichtigste europäische Universität im Bereich Automobiltechnik. Dazu kommt das AutoCluster.NRW, das zu den 16 NRW-Clusterinitiativen gehört, wobei die Region Aachen einen regionalen Schwerpunkt bildet.

Im Industriepark Emil Mayrisch (Ipem) sind noch vier Grundstücke mit insgesamt 78.000 Quadratmetern sofort verfügbar, die mit 30 Euro pro Quadratmeter zudem vergleichsweise günstig zu haben sind. So habe ein Institut der RWTH hier bereits eine Fläche erworben. Als weitere Flächenreserve für Ansiedlungen steht die ehemalige Zeche Emil Mayrisch (ca. 52 Hektar) zur Verfügung, wobei 45,5 Hektar auf die ehemalige Kraftwerksfläche entfallen, die planerisch (noch) blockiert ist.

Die Flächenentwicklung ist integraler Bestandteil der Innovationsregion Rheinisches Revier. Dabei soll das Testgelände zum forschungs- und produktionsorientierten Zukunftsstandort weiterentwickelt werden. Als Voraussetzungen auf diesem Weg nannte die Wirtschaftsförderin unter anderem die Bereitstellung von schnellem Internet durch den Breitband-Ausbau, die Neugestaltung der Zufahrt, die Schaffung weiterer Stellplätze sowie eines Besucherleitsystems.

Um die ehemalige Kraftwerksfläche künftig zur Verfügung zu haben, sei eine Resolution des Kreises Düren geplant. Zudem seien die Abgeordneten in Land und Bund aktiviert worden, sich hier für die Interessen der Region und die Schaffung vieler neuer Arbeitsplätze einzusetzen.

(ahw)