Apotheken in Kreis Jülich schließen zunehmend

Wer hat Notdienst? : Die Wege zur Apotheke werden länger

Das man oft weit fahren muss, um eine Apotheke zu finden, spüren Kunden nicht nur im Notdienst. Die Branche kämpft mit vielen Problemen. Gerade auf dem Land mangelt es an Nachfolgern. Muss die Politik reagieren?

Kaster, Arnoldsweiler, Erkelenz und Dürwiß. Wenn diese vier Ortsnamen in einer Liste der Apotheken auftauchen, die an einem Abend den Notdienst übernehmen, sorgt das immer wieder für Verwunderung. 13 Apotheken gibt es im Altkreis Jülich, sechs in Jülich, je eine in Inden und Titz, zwei in Linnich und drei in Aldenhoven. 13 Apotheken, aber kein Notdienst im Altkreis selbst?

Fünf Jahre ist es her, dass die Apotheken-Notdienste komplett neu geregelt wurden. Gab es vorher entsprechende Regelegungen für jeden Kreis, werden seitdem mit dem neuen System die Notdienste für den gesamten Kammerbezirk der Nordrhein-Apotheken geregelt. Der Jülicher Apotheker Luc Rey erklärt das so: „Früher wurden die Notdienste in einem Bereich zwischen Brachelen und Niederzier nach einem internen Schlüssel verteilt. Das führte aber immer wieder dazu, dass es in Nachbarkreisen Lücken bei der Versorgung gab. Deshalb wurde die Planung auf den gesamten Kammerbezirk ausgedehnt.“ Der Vorteil: So kann sichergestellt werden, dass Notdienste innerhalb eines Radius von 15 Kilometern angeboten werden können, in ländlichen Gegenden kann der Radius allerdings schon mal größer sein. Auch bei Luc Rey schlagen immer wieder Kunden auf, die diese Regelung beklagen. „Wenn ich das aber erkläre, können die Kunden das meist nachvollziehen“, berichtet er.

Eine Apotheke am Tag schließt

Felix Zimmermann, Sprecher der Apotheker im Kreis Düren, hatte das Konzept vor fünf Jahren vorgestellt. Er ist 2014 davon ausgegangen, dass im ländlichen Bereich die Apotheken mehr Notdienste machen müssen, während sich in städtischen Gebieten kaum etwas ändern werde. „Insgesamt erwarten wir eine Verbesserung für Kunden und eine sinnvollere Ausnutzung der Strukturen“, sagte Zimmermann damals. Was Zimmermann so nicht vorhersehen konnte: Bundesweit haben sich die Strukturen verändert. „In Deutschland schließt aktuell jeden Tag eine Apotheke“, sagt Zimmermann, das wirke sich natürlich auch auf die zu leistenden Notdienste aus.

Er selbst betreibt eine Apotheke in Heimbach. „Ich habe Patienten im Notdienst, die bis aus Monschau kommen. Im Sommer geht das ja alles noch, aber im Winter ist das schon eine Hausnummer, von Monschau nach Heimbach zu fahren.“

Auch Luc Rey macht die Erfahrung, dass die Kunden im Notdienst glauben würden, „dass die Entfernung zur nächsten Apotheke mit Bereitschaftsdienst immer größer wird. Und im Einzelfall können auch schon zehn Kilometer zu viel sein“, sagt Rey, der auch bei der Frage, was eigentlich ein Notfall ist, keine Bewertung vornimmt: „Eine verstopfte Nase kann für den einen ein Notfall sein, der andere hält es aus.“

Knapp 60 Stunden in der Woche ist seine Apotheke in Jülich geöffnet, die Notdienste sind da noch nicht mit eingerechnet. Die Zahl der Notdienste steigt auch für ihn, wenn Apotheken in der Nachbarschaft, wie zuletzt in Rödingen, schließen.

Für Rey und Zimmermann sind aber nicht die längeren Fahrtwege zu Apotheken im Notdienst das eigentliche Problem. Rey: „Da kann die Verwandtschaft einspringen oder die Nachbarschaft helfen.“ Zimmermann sieht die gesamte Branche vor einem Wandel: „Wir haben mit immer mehr Bürokratie zu kämpfen, es gibt Bezahlprobleme, aktuell Lieferengpässe bei Medikamenten, Personalprobleme, Abwanderungen in die Wirtschaft.“

Felix Zimmermann ist 61 Jahre alt. Ein Alter, in dem er sich Gedanken macht, wer in ein paar Jahren seine Apotheke fortführen könnte. „Eine Apotheke kann man nur dann übergeben, wenn es eine wirtschaftliche Zukunft gibt. Viele Apotheker gerade im ländlichen Bereich finden schon jetzt keinen Nachfolger mehr. Wir müssen uns aber jetzt um die Versorgung der Menschen in den nächsten zehn bis 20 Jahren kümmern“, mahnt Er, dass die Politik sich der strukturellen Probleme dringend annehmen müsse.

Dabei ist nicht nur die Politik gefragt. Ähnlich wie bei anderen Branchen ist den Apothekern im Online-Handel eine starke Konkurrenz erwachsen, die einen entscheidenden Vorteil hat: dort kann rund um die Uhr verkauft werden, Pflichten wie Notdienste oder die Herstellung von Spezialrezepturen müssen nicht geleistet werden. Das überlässt man den Apothekern vor Ort. Und die fühlen sich nicht nur in dem Punkt im Stich gelassen.