Ameln: Ameln vor seiner 900-Jahr-Feier: Ein Ort mit Dorf- und mit Stadtviertel

Ameln: Ameln vor seiner 900-Jahr-Feier: Ein Ort mit Dorf- und mit Stadtviertel

Fotos und Aufzeichnungen vom „Amelner Johännche“ oder von Inszenierungen des einst weit über die Dorfgrenzen beliebten Theatervereins „St. Nikolaus“ werden die Runde machen, wenn die Amelner Dorfbevölkerung mit ihrem Neujahrsempfang am 21. Januar um 10.30 Uhr in der Alten Schule ihr 900-jähriges Bestehen feiert.

Der kleine Ort, der heute durch seine Biogasanlage hervorsticht, blickt auf eine reiche Vergangenheit — und hat in Teilen das ganze Jülicher Land geprägt.

Als „Amble“ wurde er 1118 in den „Annales Rodenses“ des Klosters Rolduc in Kerkrade erstmals erwähnt. Funde aus der Römerzeit belegen die frühe Besiedlung des Ortes aufgrund seiner fruchtbaren Böden und des Wasserreichtums. Noch heute wird Ameln im Volksmund „Wasserloch“ genannt. Lange Zeit spielte sich das dörfliche Leben um die großen Gehöfte Kaspershof, Krichelshof und Schunkenhof ab.

Die große und die kleine Schule

Karl-Josef Vonderbank aus dem geschäftsführenden Vorstand des Fördervereins „Alte Schule“ war 30 Jahre lang Geschäftsführer der alten Schnapsbrennerei und weiß eine Menge über die Schlaglichter des Ortes zu berichten, obwohl er aus Jülich stammt. Etwa über die beiden Schulgebäude mit Lehrerwohnung: Die „kleine Schule“, wo die Klassen eins bis vier unterrichtet wurden — im dortigen Bürgerraum ist heute der Förderverein angesiedelt. Und die „große Schule“, in der Viert- bis Achtklässlern der Unterrichtsstoff vermittelt wurde.

Ab 1933 gab es in Ameln das „Herz-Jesu-Kloster“, das bis 1962 von den Schwestern der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ aus Dernbach betreut wurde. Bekannt war Ameln vor allem durch seine beiden Bahnhöfe, den „Hauptbahnhof“ für die Strecke Jülich-Hochneukirch und den Bahnhof am Grünen, früher Schwarzen Weg für die Strecke von Ameln nach Bedburg, hier fuhr das „Amelner Johännche“. Der Bau der „Kreis Jülicher Zuckerfabrik Ameln“ 1872 und die Gründung der „Getreidebrennerei Vereinigter Landwirte“ 1901 bescherte Ameln einen großen Aufschwung. Die bis 2003 betriebene Brennerei galt aufgrund ihres Brennrechtes als eine der größten Deutschlands.

1910 wurden 371 männliche und 354 weibliche Einwohner gezählt, man unterteilte den Ort in das landwirtschaftlich geprägte Dorfviertel und das von Läden und Handwerkerbetrieben gezeichnete Stadtviertel im Bereich der Prämienstraße. Im guten Umgang miteinander und im Angewiesensein aufeinander gründeten sich zahlreiche Vereine: Dazu zählte der 1870 gegründete Junggesellenverein, der in der Regel im Saal „Hages“ Maiversteigerung, Mai- und Spätkirmes ausrichtete.

„Sittenreine Spiele“ als Ziel

1900 wurde eine Pflichtfeuerwehr mit 107 Blauröcken gegründet — bei einer Dorfbevölkerungszahl von 614. Selbst Pastöre waren Autoren der Theaterstücke des im Juni 1907 ins Leben gerufenen Theatervereins mit seinem selbst gewählten Motto „Sittenreine Spiele sind unsere Ziele“. Bühnenbild, Kostüme, Darsteller und Regie bestritten ausschließlich Amelner.

Prächtigste Darbietung waren die „Passionsspiele“ 1929/30, an der weit über 100 Amelner und ein lebender Esel beteiligt waren. 1909 gründete sich der Kriegerverein mit Postvorsteher Theodor Hütten als Vorsitzender.

Seit 1921 kickte sich der FC Alemannia Ameln mit zeitweise starker Jugendabteilung auf und ab durch die drei Kreisklassen. Ferner gab es den Kirchenchor, Taubenverein, die Frauengemeinschaft. Aus dem Theaterverein ging 1935 der Karnevalsverein „Total Verdötsch“ hervor, der heute noch aktiv jeck ist.

„Auch, wenn sich heute nicht mehr so viele Amelner wie in früheren Zeiten, als das Dorfleben der einzige Zeitvertreib war, aktiv am Geschehen beteiligen, so verdient es Anerkennung, wenn die Dorfvereine die Tradition weiterführen“, betont Vonderbank und lädt alle Dorfbewohner zum Neujahrsempfang ein.

(ptj)