Ameln: Ameln schiebt ab sofort eine ruhige Kugel

Ameln: Ameln schiebt ab sofort eine ruhige Kugel

Ein Verein soll es nicht werden. Absicht ist vielmehr, die Kugeln in geselliger Runde zu werfen. Jung und Alt gehen dann einem Freizeitvergnügen nach, das bereits im 2. Jahrhundert nach Christus in Griechenland gespielt wurde. „Da hat man mit Steinkugeln auf einen Ziegelstein geworfen”, weiß Hartmut Wasserberg aus Ameln.

Er ist der eigentliche Ideengeber für den Boule-Platz, der in unmittelbarer Nähe des Kinderspielplatzes entstanden ist und Ende April offiziell seiner Bestimmung übergeben wird. Die meisten Menschen denken bei Boule an ältere und Rotwein trinkende Franzosen, die unter Schatten spendenden Baumgruppen ihrem Sport frönen. „So habe ich es erstmals vor mehr als 30 Jahren im Urlaub erlebt”, erinnerte sich Wasserberg. Und Ende des vergangenen Jahres landete er bei einer Fahrradtour in Krauthausen. Dort sind schon seit 1990 die Club-Freunde von der SG La Boule dOr ansässig.

Ortsvorsteher spielt mit

„Ich habe gefragt, ob ich zuschauen kann. Aber das durfte ich nicht. Man hat mir gleich Kugeln in die Hand gedrückt, und ich durfte mitspielen”, erinnert sich der Amelner an seine wohnortnahe Begegnung mit dieser Sportart. Bei Hartmut Wasserberg reifte anschließend die Idee, in seinem Wohnort nach Leuten zu suchen, die eventuell auch Interesse hätten, Boule zu spielen. „Wir haben hier keine Kneipe, einmal in der Woche kann man sich im Bürgerhaus treffen. Ansonsten sind Kommunikationsmöglichkeiten Mangelware.” In Ortsvorsteher Hans Wilhelm Gilles fand er den geeigneten Ansprechpartner. Er ist Vorsitzender der Interessen-Gemeinschaft „Alte Schule Ameln”. Ein Förderverein, der die alte Schule renoviert, auf Vordermann gebracht hat und nun die als kleine Bürgerhalle genutzte Räumlichkeit betreibt.

Eines stand von Anfang an fest: „Wir wollen kein Verein sein, jeder soll, wann immer er Lust hat, den Platz benutzen. Ohne Gebühr und ohne Anmeldung.” Wasserberg und Gilles fanden Mitbegeisterte, schon bald hatte man mit Hilfe der Gemeinde einen geeigneten Platz gefunden. Lauschig unter einer Baumgruppe gelegen in direkter Nähe zum Amelner Kinderspielplatz. „Schließlich sollen sich Jung und Alt treffen”, betont Gilles. In Dieter Hunsbruch, Heinrich Feldewerth und Willi Brass fand man Mitstreiter, Spaten und Gerätschaften waren schnell besorgt, damit die Arbeiten starten konnten. Und wenn es einmal ganz groß wurde - zum Beispiel beim Aushub des rund 150 Quadratmeter großen Platzes -, standen Josef und Karl Riesen, Vater und Sohn, mit ihren landwirtschaftlichen Geräten parat. Mit einer Spende von RWE Power, der Raiffeisenbank und dem ortsansässigen Bauunternehmen Laut konnten Kies, Pflastersteine und sonstiges Baumaterial angeschafft werden, zusätzlich auch noch schöne Sitzgelegenheiten. Unterstützt wurden die Kugelfreunde aus Ameln auch vom gemeindeeigenen Bauhof. „Aber wir wurden auch beköstigt, denn die Arbeit machte hungrig und durstig”, lacht Hartmut Wasserberg, bedankt sich mit seinen Mitstreitern bei Erna und Annemie Stahn, die mit Reibekuchen und Brötchen den Bautrupp bei Laune hielten.

Noch sind einige Kleinigkeiten zu machen, aber dem offiziellen Einweihungstermin am 28. April um 11 Uhr steht nichts im Wege. Dann wird auf zwei Spielfeldern erstmals gespielt.

Und glaubt man den Aussagen, dann möchte Bürgermeister Jürgen Frantzen der Erste sein, der sich das Vergnügen im „Boulodrome” in Ameln nicht nehmen lassen will, die erste Kugel zu werfen.