Linnich: Am Linnicher Rurufer „lauert” reichlich Kunst

Linnich: Am Linnicher Rurufer „lauert” reichlich Kunst

Mit wachen Augen sollten Spaziergänger und Kunstinteressierte bis zum 18. September am Linnicher Rurufer entlang wandern. Eine Menge gibt es dort zu entdecken, denn wie in den vergangenen Jahren ist in den Rurauen im Rahmen des Linnicher Kultursommers wieder ein Skulpturenweg entstanden.

Kunst und Natur in einen Dialog zu setzen, das ist das Bestreben der zwölf beteiligten Künstler. Oft bedarf es daher eines zweiten Blickes, um überhaupt die Kunstwerke zu entdecken, und es ist nicht leicht auszumachen, wo die Natur aufhört und die Kunst beginnt.

In die Landschaft integriert

Wunderbar haben die Künstler ihre Werke in die Landschaft integriert. Häufig wurden Materialien aus der Natur und auch aus dem Alltagsleben verwendet.

Unter dem Titel „Scheinwelten” haben sie ihren diesjährigen Skulpturenweg gesetzt und sich diesem Thema auf völlig unterschiedliche Weise genähert. Da ist beispielsweise die riesige Spinne in ihrem Netz, die Passanten an der Rurbrücke buchstäblich anspringt und die, so der Künstler Gerd Frank, für das soziale Netzwerk stehen soll. Auf der anderen Seite der Rurbrück ist Binas Traumtänzer zu finden, eine vier Meter hohe Skulptur an deren Arme auf transparentem Acryl gebrannte keltische Symbole baumeln. Wenige Meter weiter schlängelt sich der „Tatzlwurm” durchs Gras. Leere Blumeneimer und orangerotes Leerrohr dienten Wilfried Theisen, der gemeinsam mit Ehefrau Bina alljährlich diesen Skulpturenweg initiiert, als Material. Direkt ins Auge springt auch Agnes Hasses Installation auf der anderen Seite der Rur. „Traum des Lebens” nennt sie ihr Objekt: ein Liegestuhl und eine Strandkabine, die tatsächlich zum Träumen einladen und auch genutzt werden dürfen. Eben Kunst zum Anfassen. Versteckt wiederum im hohen Gras liegen Petra Noltings „ill-egale”, ein gestrandetes Boot mit an den Boden gepresste schwarze Schemen. Dieses Objekt bedarf sicherlich keiner weiteren Erklärung.

Eine rote hölzerne Hütte am Fluss ist auf den ersten Blick unscheinbar, ändert aber ihr Gesicht mit dem wandernden Sonnenlicht. Sie ist das Werk von Eva-Stefanie Mosburger-Dalz. Ein schwarz- weißes pagodenartiges Gebilde findet sich unter einem schützenden Baumdach, durch das Martin Dalz ein transzendentes Denkmal setzten wollte.

Skurrile Geschöpfe im Gebüsch

Gut getarnt in Gebüsch und Treibholz sind die skurrilen Geschöpfe von Angelika Keller, die sie aus Keramik und Stahl schuf. Ihr Sohn Bernd Keller weist mit seiner gigantischen Stahlkonstruktion, auf der Fußabdrücke zu sehen sind, auf diese Objekte hin.

„Slaapmützen”, mit weichen Kissen gefüllte schwarze Müllsäcke, hat Ed Hanssen in die Äste einer Trauerweide gehängt. Ebenfalls von einem Spinnennetz hat sich Petra Ostré inspirieren lassen und ein Netz in die Bäume gespannt.

Die drei „Wächter”

Zum guten Schluss überwachen drei „Wächter” diesen Skulpturen weg. Aus Astwerk und Sackleinen schuf Peter Joseph Maria Schneider seine drei Meter hohen Gestalten, die aus einer Filmszene von „Herr der Ringe” stammen könnten.

„Die Rur ist ein Geschenk der Natur und ruft einfach nach künstlerischen Akzenten”, erklärte Justus Peters, einer der Initiatoren des Linnicher Kultursommers, bei der Eröffnung des Skulpturenwegs, zu der sich zahlreiche Gäste am Ufer des Flusses eingefunden hatten. Und Mark Dremel, stellvertretender Bürgermeister fand, dass in Anbetracht des Unwetters, das am Vortag niedergegangen war, der liebe Gott auch ein Künstler sei. Die Akteure selbst und ihr Werk stellte Britta Sylvester vor.