Jülich: „Alter — jetzt überall in Bewegung“: Landesseniorenvertretung in Jülich

Jülich : „Alter — jetzt überall in Bewegung“: Landesseniorenvertretung in Jülich

Die Landesseniorenvertretung (LSV) NRW ist seit 30 Jahren Dachorganisation von 168 kommunalen Seniorenvertretungen, darunter der Jülicher Seniorenbeirat. Dieser war Mitveranstalter der Regionalen Fachkonferenz des Regierungsbezirkes Köln im Jülicher Rathaus zum Jahresschwerpunktthema „Alter — jetzt überall in Bewegung“.

Damit macht die LSV zunächst auf die Bewegungsbereitschaft älterer und alter Menschen aufmerksam und bringt zugleich mit Ansätzen aus körperlicher, geistiger und politischer Sicht neuen Schwung in das Thema „Teilhabe von Senioren an der Gesellschaft“.

Referent der Fachkonferenz: Professor Michael Falkenstein aus Dortmund.

Im Mittelpunkt des Vormittagsprogramms stand das gut einstündige, dreigeteilte Referat von Professor Michael Falkenstein aus Dortmund. Zum Thema „körperliche und geistige Bewegung“ erklärte er zusammenfassend: Funktionen entwickeln sich im Alter unterschiedlich. Während Wissen und soziale Kompetenzen bleiben, lassen sensorische, motorische und „fluide kognitive Funktionen“ wie die Geschwindigkeit des Denkens und Lernens, „eher nach“. Der Verlauf kognitiver Funktionen werde mehr von Umwelt und Lebensstil aus vom Alter beeinflusst.

Förderlich für die kognitive Fitness im Alter seien körperliche und geistige Aktivität. Erstere sollten aerobe (Sauerstoff verbrauchende), koordinative und Kraftanteile enthalten. Letztere sollten neu, herausfordernd und vielfältig sein. „Ideal sind Aktivitäten, die körperlich wie geistig herausfordernd sind, wie zum Beispiel Tanzen“, unterstrich der Professor.

„Ältere sollen und müssen Auto fahren, sonst verlernen sie es!“, hob er in seinem zweiten Fazit zum Thema „Mobilität, mit Auto, Fahrrad, ÖPNV“ heraus. Denn altersbegleitende sensorische, motorische und kognitive Funktionsveränderungen können Älteren in schwierigen Situationen Probleme beim Fahren bereiten.

Altersfreundliche Gestaltung

Als wichtige Maßnahmen zum Erhalt der Fahrkompetenz fanden neben körperlichem und kognitivem Training immer wieder Auffrisch-Fahrtrainings mit Fahrlehrern Erwähnung. Zudem wurden umweltbezogene, altersfreundliche Gestaltungsmaßnahmen der Fahrumgebung thematisiert. Beispiele sind die Wiederholung wichtiger Verkehrsschilder, die Entfernung irrelevanter Schilder vom Straßenrand oder Gehwegabsenkungen. Hinzu kommt die seniorenfreundliche Gestaltung des ÖPNV, etwa in der Informationsvermittlung.

Ideales Training

‚Dritter Vortragsbestandteil war das Ehrenamt, das sowohl „segensreich für andere“ sei, das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit fördere, als auch dem Ehrenamtler „das Gefühl gibt, geschätzt und gebraucht zu werden“. Nicht zuletzt sei das Ehrenamt wegen seiner Herausforderungen ein ideales Training für die mentale Fitness, verbunden mit der Einbindung in soziale Netzwerke. „Ältere mit starken sozialen Beziehungen leben länger und bleiben geistig fitter“, resümierte Falkenstein. Weil „Vielfalt segensreich ist“, sollten zusätzlich zum Ehrenamt anspruchsvolle Freizeitaktivitäten gepflegt werden.

Ideen

Rege beteiligten sich die 25 Seniorenvertreter aus ganz NRW im Publikum an der anschließenden Diskussionsrunde daran, was im Referat „ein bisschen zu kurz gekommen“ sei. Etwa die mangelnde Anerkennungskultur im Ehrenamt, für Senioren geeignete Bahnsteighöhen oder die Einbeziehung von Mitarbeitern der Bauämter in solcherlei Diskussionen. Angeregt wurde auch die Einführung eines „Rollatorführerscheins“ oder eine „Anschubfinanzierung“ für kognitive Trainings, denn: „Manchmal muss man Geld in die Hand nehmen, damit das funktioniert.“

Workshops

Jeweils zwölf Teilnehmer beteiligten sich im Praxisteil an den Workshops „Teilnahme am Straßenverkehr mit Fahrrad, Pedelec und Auto“ mit Hartmut Dreßen, Vorsitzender der Jülicher Verkehrswacht, und „Sport für Ältere. Bewegungsmöglichkeiten im Quartier und im Sportverein“ mit LSV-Vorsitzender Gaby Schnell und der Jülicher Sportvertreterin Gaby Mergel.

Nur fünf Teilnehmer arbeiteten im Workshop „Wege und Ziele im Ehrenamt“ mit dem stellvertretenden LSV-Vorsitzenden Dr. Martin Theisohn und Seniorenbeiratsvorsitzender Ruth Tavernier-Schwab mit. Zum Input von Jülicher Seite zählten neben der Ehrenamtskarte etwa die „altersgerechte Quartiersentwicklung“ in Kooperation mit dem Landessportbund, der zielgruppenorientiert Fördermittel zur Verfügung stellt. Oder die Jülicher Verkehrswacht mit dem Verkehrsübungspark und ihrer Aktion „Fit und sicher am Steuer“.

Nach der Mittagspause brachte der Sport-Workshop unter Leitung von Gaby Mergel mit Stuhlgymnastik nach Musik mit bunten Chiffontüchern Schwung in die Seniorenrunde.

(ptj)
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