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Jülich: Altanlage darf weiter „Qualm” ablassen

Jülich : Altanlage darf weiter „Qualm” ablassen

Fachzeitschriften und Presseorgane der Heizungsbauer schlagen Alarm. Seit dem 1. November 2004 ist die Übergangsfrist abgelaufen, die Neufassung der Bundesimmissionsschutzverordnung (BIMSCHV) in Kraft.

Die wurde am 1. Januar 1998 auf den Weg gebracht. „Und jetzt droht zwei Millionen Heizkesseln in der Bundesrepublik das Aus”, so die Schlagzeilen.

„Das ist reine Panikmache. Wenn ich in meinen Bezirk gerade einmal zehn solcher alten Anlage habe, dann sind es viel.” Robert Carduck aus Aldenhoven ist Bezirksschornsteinfegermeister, überwacht, reinigt und misst mit zwei weiteren Kollegen die Heizungsanlagen innerhalb der Stadt Jülich.

Theoretisch müsste er seit 1. November mit Argusaugen die Altanlagen in Augenschein nehmen, die die neuen festgelegten Grenzwerte der BIMSCHV nicht mehr erreichen. Gelten die bereits seit Januar 1998 für Neuanlagen, muss der Hausbesitzer Altanlagen nun umrüsten, warten, reparieren oder erneuern.

„Theoretisch ist dies alles richtig, aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme”, sagt denn Carducks Kollege Dietmar Zielinski, der in Barmen die Heizungsanlagen und deren Abgaswerte überprüft. „Sind Heizungsanlagen Baujahr 1978 oder auch älter, erfüllen die Werte der neuen Energieeinsparverordnung, dann dürfen die bis 2006 in Betrieb sein, müssen dann erst erneuert werden.”

Mit einer Ausnahme: Ist diese alte Anlage in einem Ein- oder Zweifamilienhaus installiert, der Eigentümer wohnt selbst in dem Gebäude, dann, so Zielinski, „darf diese Heizung bis zum St.-Nimmerleins-Tag betrieben werden.”

Wenn das Haus vorher nicht einen neuen Eigentümer erhält. Denn dem brummt der Gesetzgeber eine andere Frist auf. „Der hat dann bis zum 1. November 2008 Zeit, die Anlage zu erneuern.”

Wie gesagt, dies gilt nur für Häuser, in denen der Eigentümer selbst plus einem Mieter lebt. „Hier in Jülich, wo viele Mietshäuser stehen, greift die neue Verordnung sofort”, kennt Robert Carduck „seine” alten Anlagen bestens.

„Laut Gesetz muss ich jetzt dem Eigentümer eine sechswöchige Frist einräumen, ihm Gelegenheit geben, die Anlage sanieren oder reparieren zu lassen, damit die neuen Grenzwerte erreicht werden.”

Danach erfolgt eine erneute Überprüfung, wird ein neues Messwertprotokoll erstellt. Sollte dies nicht „greifen”, die Grenzwerte weiter überschritten werden, erfolgt eine Meldung an das Ordnungsamt. Dies droht ein Bußgeld an, räumt wiederum Fristen ein, die erneut überprüft werden, ehe das Bußgeldverfahren greift.

Doch in Anbetracht der Tatsache, dass ein Schornsteinfeger lediglich einmal im Jahr eine Messung vornimmt, wird den in Frage kommenden Altanlagen eine weitere, nicht vom Gesetzgeber eingeräumte Frist gewährt.

„Bis Ende Oktober dieses Jahres haben wir die Messungen vorgenommen, unter alter Verordnung. Wir können nun nicht hingehen, erneut messen, um zu prüfen, ob die neue Verordnung eingehalten wird”, ist das laut Zielinski schon aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

Somit „gewährt” der Schornsteinfeger selbst den alten Heizungsanlagen eine Schonfrist, ehe er mahnend den Finger hebt, mit dem Ordnungsamt und einem Bußgeld droht.