1. Lokales
  2. Jülich
  3. Aldenhoven

Berufsporträt: Was macht eigentlich eine Trauerrednerin?

Berufsporträt : Was macht eigentlich eine Trauerrednerin?

Clarissa Lauter ist Trauerrednerin. Warum hat sie sich für diesen Beruf entschieden? Wie bereitet sie sich auf ihre Einsätze vor? Und welche Fälle sind ihr besonders in Erinnerung geblieben?

Clarissa Lauter hatte ihre Karriere schon fast beendet, als sie ihre wahre Berufung fand. Mit 66 Jahren ging sie zwar in ihrem ursprünglichen Job in Rente, dafür ist sie seitdem als Trauerrednerin im Einsatz. Mit Angehörigen sprechen, Trost spenden und vor allen Dingen dem Verstorbenen einen würdevollen Abschied bereiten, das sind Aufgaben, die Lauter mit Sinn erfüllen.

Die 68-Jährige ist gelernte Friseurmeisterin, ihre Eltern hatten einen eigenen Salon. Da sei ihr Weg vorgezeichnet gewesen, sagt die Aldenhovenerin rückblickend. Aber sie hatte immer das Gefühl, ihre Berufung noch nicht gefunden zu haben.

Das erste Mal in Kontakt mit einem Trauerredner kam sie dann bei der Beerdigung ihres Onkels. Ihre Verwandten engagierten einen Mann, der auf der Trauerfeier vom Leben des Verstorbenen erzählen sollte. Doch der zeichnete ein völlig anderes Bild von ihrem Onkel, erinnert sich Lauter.

Einige Jahre später starb auch ihre Tante. Wieder beauftragte die Familie eine Trauerrednerin, nur dieses Mal schrieb Clarissa Lauter eine Rede, die die Trauerrednerin dann vorlas. Die Gäste der Feier lobten ihre Worte, sie habe den Charakter und das Wesen der Tante sehr gut getroffen. Lauter spürte, eine sinnvolle Aufgabe gefunden zu haben. Aber sich beruflich noch einmal umorientieren? Daran dachte sie zunächst nicht. Erst als sie einen Beitrag im Fernsehen sah, bei dem der Beruf des Trauerredners vorgestellt wurde, nahm die Idee Gestalt an.

Sie beschloss, der Sache eine Chance zu geben. Bei einem Trauerredner in Volkmarsen-Lütersheim, einem kleinen Ort bei Kassel, lernte sie, worauf es ankommt: gut zuzuhören und im Gespräch mit den Angehörigen Fingerspitzengefühl zu beweisen. Indem sie den Redner bei mehreren Gesprächen mit Trauernden begleitete, lernte sie, wie das in der Praxis aussieht. Ihr Mentor lehrte sie auch, welche Sterberituale in anderen Ländern üblich sind, und sprach über das Phänomen der Nahtoderfahrung. Auch praktische Ratschläge, welche Kleidung oder welche Dekoration für eine Trauerfeier angemessen ist, waren Teil der Fortbildung, nach deren Ende Clarissa Lauter ein Zertifikat erhielt.

Religion habe in den Lehrstunden kaum eine Rolle gespielt, erzählt die gelernte Friseurmeisterin. Sie schätzt sich selbst auch nicht als gläubig ein. Sie glaube allerdings daran, dass jeder Mensch eine Seele hat, die nach dem Tod weiterexistiert. Diese Hoffnung gibt sie auch an die Hinterbliebenen weiter.

Diese haben unterschiedliche Einstellungen zur Religion. Wenn sie Angehörige nach ihrem Glauben fragt, lautete die Antwort häufig: „Ja, ich glaube an Gott, aber mit seinem Bodenpersonal bin ich unzufrieden.“ Manche haben negative Erfahrungen mit Priestern gemacht, weil diese die Trauerreden zu unpersönlich gehalten hätten.

Wenn Lauter überlegt, wie sie über einen Verstorbenen spricht, ist ihr wichtig, den Menschen möglichst treffend in seinem Wesen zu beschreiben. Jeder Mensch habe natürlich auch Fehler und weniger gute Seiten: „Aus Onkel Hans, der immer eher der grummelige Typ war, mache ich in meiner Rede keinen Sonnenschein,“ sagt sie. Es ginge vielmehr darum, auch negative Eigenschaften angemessen zu verpacken und ein würdevolles Andenken zu schaffen. Dazu setzt sie sich – manchmal auch mehrmals – mit den Angehörigen zusammen. Dabei ist es ihr dabei immer wichtig, deutlich zu machen: „Ja, das ist ein trauriger Anlass, aber wir wollen eine möglichst schöne Feier planen.“ Sie fragt nach den biografischen Details, sammelt Anekdoten und Facetten, die den Verstorbenen ausgezeichnet haben.

Fragt man Clarissa Lauter, ob Trauer in unserer Gesellschaft heute genug Raum gegeben wird, antwortet sie: „Es wird immer noch zu wenig darüber gesprochen.“ Die Menschen würden sich zu wenig Zeit zum Trauern nehmen. Und wenn jemand traurig sei, wollten andere ihn häufig aufheitern und sagten Sätze, wie: „Geh doch mal raus an die frische Luft.“ Dahinter verberge sich häufig eine gewisse Hilflosigkeit, und dass die Angehörigen die Trauer des anderen nur schwer ertragen können.

Manche Menschen haben vor ihrem Tod auch eigene Wünsche für ihre Trauerfeier formuliert. Da gab es eine Frau, erinnert sich Lauter, die Sängerin gewesen sei. Sie habe ihre Trauerfeier komplett geplant und ihren Gesang aufgenommen, damit dieser bei ihrer Beerdigung abgespielt werden konnte.

Nicht selten nehme sie die Erlebnisse mit nach Hause, räumt sie unumwunden ein. Vor einiger Zeit habe sie einen Fall gehabt, bei dem die Mutter eines sechsjährigen Jungen an Krebs gestorben ist. Der Kleine sei am Grab zu ihr gekommen, um ihr ein Gedicht zu geben, dass er für seine Mutter geschrieben hat. Er bat Clarissa Lauter, seine Worte vorzulesen. Das sei sehr emotional für alle gewesen. Diese Beisetzung werde sie wohl nie vergessen, sagt sie.

Wenn sie im Winter besonders viele Trauerfeiern mitgestaltet, benötigt sie zwischendurch Auszeiten, erzählt die 68-Jährige. Dafür gehe sie, solange sie denken kann, am liebsten mit ihren Hunden in der Natur spazieren. Zeit für sich selbst nehmen, helfe ihr, anderen in schwierigen Zeiten Trost zu spenden und zur Seite zu stehen.