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Herbstkirmes in Aldenhovener Ortsteil: So will Niedermerz seine „gute Stube“ erhalten

Herbstkirmes in Aldenhovener Ortsteil : So will Niedermerz seine „gute Stube“ erhalten

Als „gute Stube für die Bevölkerung“ ist der Festsaal im Niedermerzer Haus des Dorfes Anfang der 70er geplant und gebaut worden. Heute, 50 Jahre später, bemüht sich eine Gruppe Ortsverbundener darum, dem Bau am Merzbach diese Rolle zu erhalten.

„Nachwuchsprobleme“, ist die einstimmige Antwort von Heinz-Jürgen Brehm, dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft, und Ortsvorsteher Hans-Josef Königstein, wenn man sie fragt, wie es um die Ortsvereine steht. „Die Vereine ruhen“, sagt Königstein über die Schützen und den Spielmannszug.

Seit Ende der 90er Jahre war das Dorfhaus von den Vereinigten Vereinen (VVN), einem Zusammenschluss aller Ortsvereine, betrieben worden. Die VVN lösten sich 2016 auf, nachdem kein Nachfolger für Königstein in seinem Amt als Vorsitzender der VVN und damit in der Funktion als Hausherr und Hausmeister gefunden worden war. Nach einer Krisensitzung gründete sich vor fünf Jahren der Verein Dorfgemeinschaft. Dessen Ziel: Das Haus des Dorfes als zentrale Anlaufstelle für die Dorfbevölkerung zu betreiben und zu unterhalten.

Den Großteil der Finanzierung machten lange die Vermietung zur privaten Nutzung für Familienfeste und den Beerdigungskaffee aus, dazu kamen Spenden, ein Zuschuss der Gemeinde und der Ertrag aus der Vermietung einer Einliegerwohnung. „Corona hat uns mit Blick auf die Veranstaltungen den letzten Rest gegeben“, sagt Königstein.

Inzwischen finden aber schon wieder Yoga-, Turn- und Tanzgruppen regelmäßig ihren Weg in den Saal, eine Zeit lang traf sich hier eine Krabbelgruppe, einmal im Monat gibt es ein Seniorenfrühstück mit 40 bis 50 Damen und hin und wieder trifft man sich an der Theke zur Dorfkneipe. Der Karnevalsverein plant für die kommende Session Veranstaltungen. „Das Haus ist schon immer noch ein Mittelpunkt des Dorfes“, bestärkt Brehm. Das Interesse der Niedermerzer sei groß, rund 70 Mitglieder zählt der Verein Dorfgemeinschaft. 2020 hat der Verein für sein Engagement den Ehrenamtspreis des Kreises Düren erhalten.

Das Haus des Dorfes wurde 1971 für 465.000 Mark gebaut. „Das Bauwerk ist vom Planer bewusst sehr modern gehalten und betont besonders den Gegensatz zu der gegenüberliegenden, mehrere hundert Jahre alten romanischen Kirche“, hieß es während der Planungsphase in unserer Zeitung. Gleich von Beginn an war die Unterbringung der Freiwilligen Feuerwehr im Erdgeschoss vorgesehen, und im einstöckigen Anbau kamen Umkleiden und Duschräume für den Sportverein unter. Heute sind Erneuerungen fällig: Die Sanitäranlagen werden renoviert und der Bau eines Außenaufzugs ist in Planung – bislang kommt man nur über das Treppenhaus in den Festsaal. Der Verein hofft auf die Zusage einer Landesförderung über das Leader-Programm. Als nächstes stünde dann die Heizung auf dem Renovierungsplan.

„Unser größter Wunsch ist, die Jugendarbeit wieder zu aktivieren“, sagt Brehm. Während viele Mädchen sich in der Tanzgruppe des Karnevalsvereins engagierten, gingen die Jungs in die umliegenden Orte in die Fußballvereine. Ein erster Schritt soll die Jugenddisco sein, die am kommenden Wochenende (24. und 25. September) erstmals Teil der Herbstkirmes ist. Zum nachgeholten 50. Geburtstag, der im vergangenen Jahr wegen der Pandemie nicht gefeiert werden konnte, geht die traditionelle Kirmes vor dem Haus des Dorfes schon am Samstag ab 17 Uhr los. Am Sonntag wird nach Frühschhoppen und dem Festzug der Erntedankkranz aufgehängt. Mittelpunkt: die Außenanlage mit Springbrunnen und Sitzecke, auf die der Gemeinderat sich 1970 nach enigem Zögern doch einigen konnte.