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Spendenaktion für Siersdorfer Jungen: Mit Buddys Hilfe soll Oli einen Einkaufswagen bekommen

Spendenaktion für Siersdorfer Jungen : Mit Buddys Hilfe soll Oli einen Einkaufswagen bekommen

Der fünfjährige Oliver aus Aldenhoven-Siersdorf lebt mit einem seltenen Gendefekt. Weil er außer Haus auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist der Alltag für seine Familie manchmal kompliziert. Ein Aufruf des ortsbekannten Helferhundes Buddy hat jetzt eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.

Als es an der Tür des Einfamilienhauses in Aldenhoven-Siersdorf klingelt, ist die Aufregung groß. „Da ist Buddy!“ wird drinnen gerufen. Die siebenjährige Saskia hat schon durch das Milchglas der Haustür gelugt und den ungewöhnlichen Gast als Erste erkannt. Der Mann im Hundekostüm ist gekommen, um Saskias Familie zu besuchen und ihren jüngeren Bruder Oliver kennenzulernen. Denn ein Spendenaufruf, den Buddy zugunsten des Fünfjährigen über die Sozialen Medien veröffentlicht hat, ist binnen zwei Wochen zum Ortsgespräch geworden.

Oli ist derweil schwer beschäftigt mit dem Inhalt der Wundertüte, die der Gast mitgebracht hat. Berührungsängste mit dem riesigen Hund, der sich auf dem Wohnzimmerboden rollt und ihm die Pfote zum Einschlagen hinstreckt, hat er nicht. „Das ist nicht selbstverständlich“, bemerkt Olivers Mutter Sarah Gilleßen. Oliver sei ein fröhliches Kind, sein Verhalten verlange seinem Umfeld jedoch viel Rücksichtnahme ab. Kommt ihm jemand zu nah oder ist zu viel Aufregung, kann er aufbrausend werden, berichtet die Mutter. Bei dem Fünfjahrigen besteht der Verdacht auf eine Störung im Autismusspektrumsbereich, wie bei nahezu allen Kindern mit dem seltenen Gendefekt Dup15q, mit dem Oliver auf die Welt gekommen ist. Schätzungen zufolge ist eines von 15.000 Neugeborenen von Dup15q betroffen. „Vereinfacht gesagt ist auf dem 15. Chromosomen etwas zu viel“, erklärt Sarah Gilleßen.

Die Folge sind Entwicklungsstörungen im geistigen und oft auch im körperlichen Bereich, von denen die „Dupi“-Kinder in unterschiedlichem Maße betroffen sind. Oliver ist auf dem Entwicklungsstand eines maximal Dreijährigen, sagt die Mutter. „Man kann sagen, dass wir ein immerwährendes Kleinkind haben, das aber immer größer und stärker wird“, sagt sie. Olivers weitere Entwicklung ist schwer vorherzusagen. Der Fünfjährige geht in eine integrative Kita, wo er unter anderem Logotherapie und Musiktherapie erhält. „Musik liebt er“, erzählt Sarah Gilleßen.

Ist ihr Sohn nicht in der Kita, betreuen sie und ihr Mann ihn rund um die Uhr. „Wir sind nicht so anders als andere Familien“, sagt sie, „aber dann doch wieder ganz anders.“ Mitleid will sie keineswegs. „Wir sind eine glückliche Familie“, sagt sie. Unterstützung kommt von den Großeltern. „Und wir haben einen Freundeskreis, der mit der Diagnose stabil geblieben ist – auch, wenn vieles nicht mehr so geht wie früher“, erzählt die gebürtige Heinsbergerin.

Leid tut ihr, dass zum Beispiel keine Flugreise möglich ist, die Saskia gern mal unternehmen würde, weil das für Oliver zu viel wäre. Weil der Fünfjährige Epilepsie hat, sollte immer eine Kinderklinik in der Nähe sein. Die kognitiven Einschränkungen zeigen sich unter anderem in seiner sprachlichen Entwicklung und beim Laufen. Zum Teil kann Oli sich verständlich machen, laufen klappt im Haus, aber nicht zielgerichtet auf längeren Wegen. Draußen ist die Familie deshalb auf einen Rollstuhl angewiesen.

Zum Problem wird das zum Beispiel im Supermarkt: Ein voller Einkaufswagen mit Lebensmitteln für einen Vierpersonen-haushalt, daneben der Rollstuhl – beides gleichzeitig lässt sich eigentlich nicht schieben. „Und für die kleinen Sitze am Einkaufswagen ist er mittlerweile zu groß und zu schwer“, erklärt Sarah Gilleßen. Die Lösung wäre ein spezieller Einkaufswagen mit einem größeren Sitz. Den haben die Supermärkte in der Nähe allerdings nicht – und die Anfragen der Familie bei den Unternehmenszentralen blieben erfolglos.

Bis Friederike Hennrich von der Sache Wind bekam. „Ich bin hier ganz gut vernetzt“, sagt die ehemalige Kita-Erzieherin von Olis Schwester Saskia. Wahrscheinlich ist das eine Untertreibung, denn es ist erst zwei Wochen und wenige Tage her, dass Hennrich ihre Kontakte bei den Vereinen im Ort angefunkt hat und eben auch Buddy. „Eine Kindheit sollte unbeschwert sein, ohne Hürde und Einschränkungen“, schrieb der kurz darauf in seinem Post auf Facebook, in dem er um Spenden für den speziellen Einkaufwagen, einen sogenannten Caddy, bat.

Der Beitrag wurde von anderen Nutzern geteilt, viele äußerten ihre Unterstützung und binnen kürzester Zeit von Vereinen, Privat- und Geschäftsleuten schon ein ordentlicher Betrag zusammengekommen, wie Sarah Gilleßen und Buddy berichten. Schnell schlossen sich die Pfadfinder Siersdorf an, ebenso wie die Jugendabteilung des Fußballvereins SV Siersdorf. Die Pfadfinder spenden den Betrag, den Vorbesteller vor ihrem Weihnachtsbaumverkauf am 3. Dezember als Anzahlung leisten.

Der Fußballverein veranstaltet am 11. Dezember ein Benefizturnier (Franz-Vit-Turnhalle in Aldenhoven, ab 10 Uhr. Ab 16 Uhr ist Voice-of-Germany-Teilnehmer Marlon Falter zu Gast). Selbst aus benachbarten Ortschaften trudeln Unterstützungszusagen ein. „Mit so einer Resonanz hätte ich niemals gerechnet“, sagt Sarah Gilleßen. Die Familie freue sich riesig über das Engagement und den Zusammenhalt, und über die Sensibilisierung für die besonderen Bedürfnisse von Familien mit behinderten Menschen.

Kommt genug Geld zusammen, ist sogar denkbar, zwei Supermärkte in der Umgebung mit einem Caddy auszustatten. Von der Netto-Filiale in Siersdorf und Edeka in Aldenhoven gibt es schon positive Rückmeldungen. Der Wagen würde dann nicht nur Familie Gilleßen das Leben erleichtern, sondern stünde im Geschäft für alle Kinder mit Handicap bereit.