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Alsdorf und Aldenhoven ignorieren ihre Grenze

Alsdorf und Aldenhoven planen gemeinsames Gewerbegebiet : Zwei Kommunen ignorieren ihre Grenze

Alsdorf und Aldenhoven wollen Platz schaffen für mehr Arbeitsplätze. Ein gemeinsames Gewerbegebiet, das auf der Grenze zwischen den beiden Kommunen liegt, soll das möglich machen.

Die erste Ampel für die Erweiterung des Gewerbegebiets Hoengen in Richtung Siersdorf haben Alsdorf und Aldenhoven jetzt auf Grün gestellt. Die Fachausschüsse haben einstimmig beschlossen, bei der Bezirksregierung eine sogenannte Flächennutzungsplanänderung zu beantragen, damit aus den Ackerflächen ein Gewerbegebiet werden darf.

Im Alsdorfer Ausschuss für Stadtentwicklung gab es im wahrsten Wortsinne keine Diskussion: Kaum war der Titel des Tagesordnungspunkts vorgetragen, schon war er einstimmig beschlossen. Begeleitet von dem Hinweis des Ausschussvorsitzenden Heinrich Plum (SPD), die Causa werde zeitgleich im Aldenhovener Gremium beraten und man hoffe, dort entscheide man ebenso weise. Und das tat man.

Einstimmig war das Votum nämlich auch im Aldenhovener Bauverwaltungsausschuss. „Obwohl wir sicherlich wenigstens 1,5 Millionen in den Bau von Straßen und Kanalisation investieren müssen, haben sich alle Ausschussmitglieder für das Gewerbegebiet entschieden“, berichtete Marcus Herhut, der Leiter des Planungsamtes. Selbstverständlich ist eine solche Investition nicht, Aldenhoven ist wie Alsdorf eine sogenannte Stärkungspaktkommune, was ungefähr bedeutet, dass die Geldsorgen dort noch einmal größer sind als in den meisten anderen auch schon klammen Städten und Gemeinden in der Region.

Änderung des Flächennutzungsplans

Bis die Bagger anrollen dürfte noch viel Wasser geklärt werden in der benachbarten Anlage des Wasserverbands Eifel-Rur. Alleine das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans kann ein Jahr dauern. In der Alsdorfer Burg hegt man die Hoffnung, den Prozess zügig vorantreiben zu können. Marc Knisch, Geschäftsführer der Business Park Alsdorf GmbH: „Die Politik hat für uns die Tür jetzt ganz weit aufgestoßen. Wir hoffen, noch 2020 einen Bebauungsplan aufstellen zu können.“ Vorher aber hätten die Macher in beiden Kommunen noch Hausaufgaben vor der Brust. Im Vorfeld der Schaffung von Baurecht müssten etliche Untersuchungen – zum Beispiel des Bodens – und Gutachten etwa hinsichtlich Entwässerung oder Verkehr angefertigt werden.

„Das ist ein Testballon. Wenn das gemeinsame Vermarkten der Flächen gut klappt, dann können wir uns sehr gut vorstellen, die Fläche deutlich zu vergrößern“, sagte Aldenhovens Bürgermeister Ralf Claßen (CDU). Mit deutlich meint Claßen ein Vielfaches der insgesamt rund 15 Hektar im ersten Schritt. „Wir wollen schauen, wie das klappt, wenn zwei Nachbarkommunen gemeinsam eine Fläche vermarkten“, erklärte Claßen, der hinzufügte, dass er optimistisch sei. Ebenso wie Knisch in Alsdorf: „Das ist eine große Chance, auch der Bezirksregierung zu zeigen: Guck mal, da gibt es zwei Kommunen, die über Gemeindegrenzen hinausdenken.“

Das Interesse seitens der Unternehmen an mehr Gewerbeflächen sei vorhanden. Den Bereich Automotive haben die Wirtschaftsförderer beider Kommunen bereits fest im Blick, Interesse aus diesem Wirtschaftszweig an den neuen Flächen ist laut Knisch schon vorhanden. Es wäre eine Erweiterung auch in diesem Sinne: In Alsdorf existieren bereits 1500 Arbeitsplätze im Bereich Automotive und auch für das Aldenhoven Testing Center (ATC) könnte die gemeinsame Erweiterung in Zukunft eine Rolle spielen.

Der Testballon besteht aus 11 Hektar, die auf dem Gebiet der Stadt Alsdorf liegen, und rund 4,4 Aldenhovener Hektar. Wenn die Bezirksregierung der Flächennutzungsplanänderung zugestimmt hat, geht es darum, die nötigen Flächen zu organisieren.

Flächen müssen gekauft werden

Die 4,4 Hektar auf Aldenhovener Gebiet befinden sich im Besitz von Landwirten. Mit den Eigentümern der Ackerflächen stehen demnach Gespräche an. 2,5 der 11 Hektar auf Alsdorfer Seite gehören bereits der Stadt, für 5 weitere Hektar sei man bereits in Verhandlungen mit den Landwirten, denen das Land derzeit noch gehört. Was den Rest betrifft, werde man sich mit den Eigentümern bald in Verbindung setzen, erklärte Knisch.

Wäre der Beschluss in beiden Kommunen nicht zustande gekommen, hätte Alsdorf dennoch eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Norden vornehmen können, weil dort ein entsprechender Flächennutzungsplan vorliege, erklärte Knisch. Allerdings sei es viel sinnvoller, gemeinsam zu erweitern, sowohl was die Kosten der Erschließung betreffe, wie auch die Vermarktung der Flächen. Schließlich sei man so künftig in der Lage, flexibler auf Flächenwünsche aus der Wirtschaft zu reagieren.