1. Lokales
  2. Jülich

Koslar: Ärztliche Tipps zum „Tauben-Tuning”

Koslar : Ärztliche Tipps zum „Tauben-Tuning”

Brieftaubenfacharzt Raf Herbots verhilft Tauben zu einem „Konditionsaufbau wie beim Pferd vorm Rennen”.

Der Tiermediziner entstammt einer namhaften belgischen Taubenzüchterfamilie und war einer der vom Brieftaubenverein „Heimatliebe” geladenen Züchter der Europäischen Spitzenklasse beim stark besuchten vierten Großen Brieftaubenforum in Koslar.

Von Anfang April bis Ende August behandelt er in seiner Praxis in Sint-Truiden 300 Tauben pro Tag; eine Behandlung dauert etwa 2 bis 3 Minuten.

„Nur 20 Prozent der Taubenzüchter haben genug Fingerspitzengefühl, hoch dotierte Preise zu gewinnen”, betont er.

Unter der Moderation von Herbert Kremer, Mitglied des Vereins und Initiator des Forums, informierte er gemeinsam mit Gijs Peters sowie Gerhard und Pit Lindenlauf seine Sportfreunde mit Blick auf Haltung und Zucht, denn „zwischen Theorie und Praxis liegen Welten”.

Interessant ist beispielsweise die Tatsache, dass „Tauben eine innere Uhr haben”. Wenn sie gewöhnlich um 17 Uhr gefüttert werden, warten sie pünktlich auf ihre Malzeit.

Gutes Futter, Vitamine, Aminosäuren, Bierhefe, Obstessig (1 Esslöffel/Liter Wasser) sind Teile des Erfolges. „Eine Taube trinkt nicht viel bei der Brut”, lernt der interessierte Hobbyzüchter.

„Jungtiere nicht zu stark füttern” oder „eine siebentägige Vitamin-Kur vorm Anpaaren” sind weitere Empfehlungen des Veterinärs.

„Wir spielen mit verdunkelten Tauben”, erklärt Pit Lindenlauf eines seiner Wettbewerbsgeheimnisse und spricht gleichzeitig ein heiß diskutiertes Thema unter den Taubenzüchtern an.

„Verdunkelte” Tauben haben künstlich verlängerte Nächte und entsprechend verkürzte Tage erlebt. Durch die dadurch verlangsamte Mauser bestehen größere Chancen beim Flugwettbewerb. „Spielen” bedeutet, die Tauben zum Wegflug zu bringen.

Der Niederländer Gijs Peters war nicht nur als Taubenzüchterspezialist vor Ort. Mit im Gepäck hatte er drei Tauben. Eine von ihnen wurde zur Unterstützung eines Kinderheims in Thailand für stattliche 150 Euro versteigert.

Ein kleiner Anreiz für die Auktion war eine zweite Taube nach Wahl als Gratiszugabe für den Gewinner, der auf dieses Geschenk allerdings zugunsten des sozialen Zwecks verzichtete. Er kaufte beide verbleibende Tauben, um den Betrag dem Kinderheim beizusteuern.

Die siebte Feder

Mit einem Fotoshop vertreten war der Brieftaubenfotograf Horst Schädlich aus Alsdorf. Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Industrie- und Architekturfotograf mit der Ablichtung von Tauben, obwohl er selbst „nie welche hatte”.

Schimmel, blaue, weiße und rote Tauben sind von der Seite abgelichtet. „Die siebte Feder muss auf einem fachmännischen Foto bereits ausgebildet sein”, weiß der Fachfotograf.