Jülich: Adieu, „Kleiner Grüner“: Jülichs Taschenfahrplan ist Geschichte

Jülich: Adieu, „Kleiner Grüner“: Jülichs Taschenfahrplan ist Geschichte

„Pünktlich zum Fahrplanwechsel erscheint der kleine grüne...“, begann Jahrzehnte lang eine Pressemeldung aus dem Jülicher Verlag Jos. Fischer, der das Erscheinen des Taschenfahrplans ankündigte. Der ist nun Geschichte, teilt der Verlag mit, „Fischers Taschenfahrplan wird nicht mehr erscheinen“. Damit ist eine lange Tradition zu Ende gegangen.

Schon in der Weimarer Zeit wurde im Haus Fischer ein eigener Fahrplan gedruckt und verkauft; die Tradition wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen: Format A6, grüner Umschlag. Das Erfolgsrezept: Es war ein Auszug aus den öffentlichen Fahrplänen mehrerer Verkehrsanbieter im Jülicher Land und enthielt auch nicht alle Haltestellen.

Das machte ihn so kompakt und übersichtlich. Er wurde über 30 Jahre vom damaligen Druckereileiter Leo Nieveler zusammengestellt und als dessen für die kleinen Zahlen unerlässliche Sehkraft nachließ, von Wolfgang Hommel. Zeitweise wurden mehr als 4000 Exemplare gedruckt, zusammengelegt und verkauft, wobei es lange Zeit einen Winter- und einen Sommerfahrplan gab, bevor der Ganzjahresfahrplan mit dem Wechsel am zweiten Dezemberwochenende eingeführt wurde.

Die redaktionelle Arbeit war sehr unterschiedlich: „Manchmal änderten sich nur Minuten bei einer Buslinie, manchmal wurden die Linien komplett neu sortiert, so dass auch der gesamte Tabellenaufbau neu gemacht werden musste“, schreibt der Verlag In den letzten Jahren wurde der Fahrplan in der Druckerei Prost hergestellt, wo auch der Satz erarbeitet wurde, denn manchmal waren bis zu drei Korrekturläufe erforderlich.

Und trotzdem gab es Fehler: Nach jedem Fahrplanwechsel musste die gedruckte Version den Praxistest durchlaufen. Später hielten sich die Verkehrsunternehmen nicht mehr über die Dauer an die Zeiten gebunden: Durch die Publikation im Internet gab es die Möglichkeit, auch zwischendurch die Fahrzeiten anzupassen. Da wurde dann für Fischers Taschenfahrplan schon mal ein Korrekturblatt fällig.

Aber das sei nun vorbei: Die digitale Welt habe sich hier gegenüber der analogen als besser erwiesen, sei eben flexibler in Erstellung, Abruf und Aktualität. Eigentlich ist es erstaunlich, dass der Fahrplan so lange noch seine Abnehmer gefunden hat, letztlich lag es wohl am schnellen Zugriff, den er bot. Auch wenn Wehmut mitspielt: Dankbar ist der Verlag seinen Kunden, die viele Jahre „den kleinen Grünen“ kauften, und hofft auf Verständnis.

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