Achter Unternehmertreff am Indemann im Kreis Düren

Motto „Menschen im Unternehmen“ : Ein spannender Abend der Schlagworte

Work-Life-Balance, Fachkräftemangel, Personalmanagement. Das waren die großen Schlagworte der achten Veranstaltung der Vortragsreihe „Unternehmertreff am Indemann“ am Donnerstag.

Unter dem Motto „Menschen im Unternehmen“ hatte das Amt für Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung Kreis Düren zu einer Podiumsdiskussion und anschließendem Networking bei Wein und Häppchen eingeladen. Rund 50 Unternehmer, Führungskräfte und Start-up-Gründer aus der Region fanden sich ein in das Restaurant am Fuße der imposanten Aussichtsplattform. „Düren und der Kreis haben eine starke Unternehmerlandschaft. Mit dieser Vortragsreihe und unseren Visitenkartenpartys im Technologiezentrum wollen wir auch die Vernetzung untereinander fördern“, erklärte Organisatorin Birgit Müller-Langohr vom Amt für Wirtschaftsförderung.

Dem konkreten Diskussionsthema „Der Mensch – Ressource Humankapital oder größtes Potenzial?“ widmeten sich Bettina Thelen von Indetalente Kommunikation und Unternehmensentwicklung, Birgitt van Megeren vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf, die selbständige Persönlichkeitstrainerin Klaudia Verhagen sowie Hubert Wehren, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit Düren und Dr. Wolfgang Esser-Schmittmann, Gründer und Geschäftsführer der Carbon Service & Consulting GmbH. Als Moderator der Vortragsreihe sorgte Thorsten Pracht, Leiter der Lokalredaktionen im Medienhaus Aachen, routiniert dafür, dass jeder Gast ausreichend Redezeit bekam.

Diese Zeit füllten die Podiumsteilnehmer mit überwiegend Inhalt aus den eigenen beruflichen Erfahrungsschätzen. Einig waren sie sich erwartbar darin, dass der Mensch mehr sei als ein Faktor in der Kosten-Nutzen-Analyse. Wenn man allerdings den Impetus der heutigen globalisierten Leistungsgesellschaft richtig deutet, hat der Mensch als Arbeitnehmer am Arbeitsplatz die Aufgabe, viel zu leisten. Und am besten leistet das Herdentier Mensch nach Meinung der Diskutanten, wenn man ihm im Unternehmen ein betriebliches Wohlfühlklima erschafft.

Soziale Kompetenz

Jedoch scheint der Grundsatz der wohligen Arbeitsumgebung laut Klaudia Verhagen nicht allerorts befolgt zu werden: „Jeder vierte Arbeitnehmer wechselt hierzulande den Job aufgrund eines direkten Vorgesetzen“. Hier sei soziale Kompetenz gefragt. Weitere Ursachen für gestörten Betriebsfrieden erkennt die Langerweherin in einer „strukturell gestörten Kommunikation“ in den Betrieben. Diese könne entstehen, wenn die Mitarbeiter von Einkauf, Vertrieb und Einkauf, falls überhaupt, nur per E-Mail kommunizieren. Ein E-Mail-freier Tag und unvermeidbare Fußmärsche durch die Betriebsflure könnten da die Lösung bieten.

Birgitt van Megeren hingegen sieht bereits im Vorfeld eines Arbeitsverhältnisses Kommunikationsschwierigkeiten. „Die Stellenanzeigen sind vom Wording her ungenügend formuliert. Frauen fühlen sich nicht angesprochen.“ Schließlich fehle oftmals die Endung für das weibliche Genus. Die Bereichsleiterin des Kompetenzzentrums erkennt bei der Lektüre der Gesuche oftmals „männlich dominierte Adjektive wie ‚aktiv’ oder ‚analysierend’“. Ein „weiblich dominiertes ‚empathisch’“ suche man hingegen vergebens.

Gemäß der Ausführungen des Geschäftsstellenleiters der Dürener Arbeitsagentur Hubert Wehren sollte dies jedoch kein unüberwindbares Hindernis bei der Jobsuche darstellen. Denn, so Wehren, seien Arbeitsplätze im Kreis Düren da: „Es gibt für jeden eine Stelle, die Schwierigkeit ist, sie zu finden“.

Menschlichkeit, Empathie, soziale Kompetenz waren somit weitere Schlagworte im weiteren Verlauf des Abends. Ob es sich bei diesen Begriffen um hohle Phrasen handelt oder ob sie in der sich wandelnden Arbeits- und Unternehmenswelt der Region eine normative Kraft entfalten, wird auch nach diesem Abend eine ungeklärte Frage für die Zukunft bleiben.

In Sichtweite der gewaltigen Bagger des Indener Tagebaus war der bevorstehende Strukturwandel der Region an diesem Abend erwartungsgemäß ebenfalls Gesprächsstoff. Während im Berliner Regierungskabinett zur gleichen Zeit erneut über eine Nachbesserung des Strukturförderungsgesetzes beraten wurde, gedachte man in Inden der 10.000 Arbeitsplätze, die in absehbarer Zukunft zusammen mit der Braunkohleförderung verschwinden werden. Bislang stellt Berlin 40 Milliarden Euro Fördergelder den betroffenen Braunkohleregionen in Aussicht.

Fehlgeleitete Subventionen

Wolfgang Esser-Schmittmann hält die Zuwendungen allerdings für schädlich und verwies bei seiner Begründung auf die Stadt Oberhausen als Beispiel fehlgeleiteter Subventionen für ein immer noch strukturschwaches Ruhrgebiet. Der die meiste Redezeit am Podium einnehmende Firmengründer erzählte den Zuhörern, wie er auf seine gutbezahlte Anstellung bei einem großen Energieversorgungskonzern verzichtete, weil er mit der Rationalisierung auf Kosten der Arbeitsstellen älterer Mitarbeiter nicht einverstanden war.

Laut eigener Aussage beschäftigt er in seinem Unternehmen „aus Überzeugung nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt vermittelbare Menschen“. Überzeugt ist Esser-Schmittmann auch vom Prinzip der Eigenverantwortung. Denn Finanzhilfen „entwürdigen und entmündigen“. Es würde, so der Vettweißer Unternehmer, den Menschen das Motiv weggenommen, sich um sich selbst zu kümmern. Das „Scheißgeld aus Berlin“ jedenfalls heißt er in der Region nicht willkommen. Einmal in Rage plädierte Dr. Esser-Schmittmann im Namen der Selbstverantwortung auch für die Abschaffung der „Tafeln“.

„Menschlichkeit ist durch nichts zu ersetzen“, erkannte Hubert Wehren nach fast 90 Minuten der Debatte und fand sich mit diesem Tenor inhaltlich auf einer Linie mit seinen Gesprächsteilnehmern.

Das Amt Düren plant seinen nächsten Unternehmertreff am Indemann für kommendes Frühjahr. Über das nächste Motto konnten die Veranstaltungsteilnehmer mittels Vorschlagszetteln mitentscheiden.

(jad)