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Aus Pfarrei Heilig Geist in Jülich: 80 Kartons historischer Dokumente online einsehbar

Aus Pfarrei Heilig Geist in Jülich : 80 Kartons historischer Dokumente online einsehbar

Das Diözesanarchiv in Aachen hat zahlreiche historische Zeugnisse aus der Pfarrei Heilig Geist in Jülich erhalten. Die Relikte wurden digitalisiert und sind nun online verfügbar.

Seit 2016 hat Altbürgermeister Peter Nieveler nach und nach zahlreiche historische Dokumente aus der Pfarrei Heilig Geist in Jülich an das Diözesanarchiv nach Aachen übergeben. Die historischen Relikte stammen aus der ehemaligen Pfarrei Selgersdorf St. Stephanus, die seit 2013 als Gemeinde zur Pfarrei Heilig Geist Jülich gehört. Erstmals erwähnt wurde die Pfarrei Selgersdorf 1223 – entsprechend umfangreich ist also ihr Archivbestand. Mit der Zeit kamen so 80 Kartons voller historischer Zeugnisse zusammen, die erst digitalisiert wurden und nun sicher im Aachener Archiv lagern.

Ein Blick in alte Pfarrarchive und Kirchbücher lohnt: Das Pfarrarchiv Selgersdorf erzählt etwa auch die Geschichte des verschwundenen Pfarrers. Nach dem Tod von Joseph Thomé, Pfarrer in Selgersdorf von 1853 bis 1855, verschwand seine Leiche unter ungeklärten Umständen. „Sie ist wieder aufgetaucht und auch richtig begraben worden“, weiß Nieveler.

Geschichte zum Anfassen: Viele Pfarrarchive im Bistum Aachen reichen oft zurück bis ins Mittelalter. Sie erzählen nicht nur die Historie der Kirche, sondern auch die Entwicklung von Dörfern und Städten, von Kriegen und Hungersnöten. Aufgrund der Fülle von Handschriften, Kirchenbüchern und Akten wird es für die Gemeinden immer schwieriger, geeignete Räume zu finden, um die wertvollen Dokumente sowohl aus konservatorischen Gesichtspunkten als auch aus dem Blickwinkel des Datenschutzes heraus sicher unterzubringen. Immer mehr Gemeinden nutzen deswegen die Möglichkeit, ihre Pfarrarchive dem Bischöflichen Diözesanarchiv des Bistums Aachen zu übergeben – so auch jüngst die Pfarrei Heilig Geist in Jülich.

 Die Portraitaufnahme zeigt Pfarrer Thomé, dessen Leichnam unter ungeklärten Umständen verschwand.
Die Portraitaufnahme zeigt Pfarrer Thomé, dessen Leichnam unter ungeklärten Umständen verschwand. Foto: Anja Klingbeil

Aufgrund der Fülle der vorhandenen Materialien, die auch weit über dem Durchschnitt der sonst erhaltenen Quellen aus anderen Gemeinden liegt, übergab das Diözesanarchiv diese an einen externen Dienstleister für Archivarbeiten. „Dies war nur möglich, weil das Archivberatungs- und Fortbildungszentrum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) die Erschließung der über 1000 Akten, die bis 1604 zurückgehen, finanziell unterstützte“, sagt Beate Sophie Fleck, Leiterin des Diözesanarchivs. Aus diesen über 1000 Akten und anderen Dokumenten des Pfarrarchivs ist ein Findbuch entstanden, das Peter Nieveler und Josef Wolff, Leitender Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist Jülich, nun entgegennahmen.

Im Findbuch gebündelt gibt es zu jedem Dokument eine kurze inhaltliche Angabe, den Zeitraum und die Signatur, damit bei Bedarf das genau passende Stück jederzeit identifizierbar ist. Peter Nieveler und Pfarrer Josef Wolff freuen sich, dass das umfangreiche Archiv im Diözesanarchiv in restauriertem Zustand gut untergebracht und für wissenschaftliche Zwecke nutzbar gemacht ist. Sie sind begeistert vom Angebot des Bistums Aachen. „Es ist ganz großartig, dass die Möglichkeit für die Gemeinden besteht, ihre Pfarrarchive im Diözesanarchiv zu lagern – ganz kostenlos“, sagt Pfarrer Josef Wolff.

 Der Archivbestand der Pfarrei in Jülich ist sehr umfangreich. Unter anderem sind mehrere Briefe erhalten sowie ein Teil einer Kirchenrechnung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor und nach ihrer Restaurierung.
Der Archivbestand der Pfarrei in Jülich ist sehr umfangreich. Unter anderem sind mehrere Briefe erhalten sowie ein Teil einer Kirchenrechnung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor und nach ihrer Restaurierung. Foto: Beate Fleck

Einige der Schriftzeugnisse waren durch schlechte Lagerung und Kriegsbeschädigungen verdreckt, schimmelig oder hatten Löcher, waren also nicht nutzbar. Neben der Verzeichnung waren also zusätzlich noch aufwändige Restaurierungsarbeiten nötig, die ebenfalls vom LVR unterstützt wurden. Im Digitalisierungszentrum des LVR wurden dann die Kirchenbücher eingescannt und somit digitalisiert. Nun sind sie auf der Plattform Matricula unter https://data.matricula-online.eu/de/ für Interessierte kostenlos einsehbar.

(red)