Merzenhausen: 74 Jahre jung und sportbesessen: Rasenplatz ist Meyers Liebling

Merzenhausen: 74 Jahre jung und sportbesessen: Rasenplatz ist Meyers Liebling

Wenn andere noch schlummern, die Nacht dem Tag weicht, ist er im Sommer oft schon unterwegs: Josef Meyer aus Merzenhausen. „Um fünf Uhr morgens erlebt man in der Natur unglaubliche Momente. Mich fasziniert dann die Stille, das Erwachen der Natur“, sagt der 74-Jährige. Unterwegs ist er dann von seinem Heimatort Merzenhausen aus in Richtung Rurdorf, wo er für die Hege und Pflege der Sportanlage des FC 06 zuständig ist. Dort, sagt er frei und offen, „fühle ich mich wohl, hier ist mein Lieblingsplatz.“

Wenn Meyer von seinem Lieblingsplatz spricht, verbindet er das in erster Linie mit einem Fußballplatz. War es früher der seines Heimatvereins SV Merzenhausen — auch heute noch wirft er ein Auge darauf —, rückte der Platz von Salingia Barmen in seinen Fokus und inzwischen der in Rurdorf.

Dass Grün seine Lieblingsfarbe ist, kann man nicht behaupten. Er hat gleich zwei: Schwarz und Gelb, die Vereinsfarben von Alemannia Aachen. „Seit dem Jahre 1951 bin ich Fan, daran hat sich auch in schlechten Zeiten nichts geändert.“ Warum bezeichnet jemanden einen Sportplatz, und wenn er auch noch so gepflegt ist, als seinen Lieblingsplatz?

Die Antwort von Meyer kommt wie aus der Pistole geschossen. „Hier kann ich völlig abschalten, hier kann ich das Erlebte für mich nochmals in Erinnerung rufen, mich an Begebenheiten erinnern, die besonders schön waren in meinem Leben“, meint der gelernte Elektriker, der sich ein Leben ohne Fußball, Tischtennis oder Radfahren nicht vorstellen mag.

Seit dem zwölften Lebensjahr spielt er aktiv Tischtennis — bis 2012 absolvierte Meyer rund 1250 Meisterschaftsspiele. Die Sport-Besessenheit war auch seiner Ehefrau Monika bekannt, bevor die beiden vor den Standesbeamten traten.

„Ich spiele Tischtennis, gehe zum Fußball und fahre mit dem Rennrad. Wenn du mich dann trotzdem noch magst, kann aus uns etwas werden“, erinnert sich Josef Meyer lachend an seinen damaligen Heiratsantrag.

Trainiert hat Meyer als Inhaber des Trainer B-Scheins nicht nur den SV Merzenhausen, sondern auch Salingia Barmen. „Und die B-Jugend in der Verbandsklasse bei den Zehnern.“ Mit 39 Jahren hörte er als Spieler des SV auf, war aber noch bis zu seinem 50. Geburtstag Altherren-Spieler beim SC Jülich 1910.

Beim SCJ nahm er 1985 die goldene Verbandsnadel und 2008 bei Salingia die Silberne Verbandsnadel entgegen. Diese Erinnerungen kommen ihm in den Sinn, wenn er den Sportplatz mäht oder Grasbüschel wieder befestigt, wenn er anhand einer Zeichnung den Rasen-Sprenkler umsetzt. Alles muss seine Ordnung haben.

So zieht es ihn abends, wenn das Training beendet und jetzt die ersten Nebelschwaden über den Rurdorfer Sportplatz ziehen, zu seinem Lieblingsplatz. „Sehen wir das Rennrad, wissen wir, dass Jupp Meyer da ist“, sagen Spieler und FC-Verantwortliche.

Rennradfahren ist eine weitere Passion des rüstigen Rentners. Zwei Mal fuhr er mit dem Rennrad von Barmen nach Berlin, um dort ein Fußballspiel live zu erleben. Es waren Finalspiele im DFB-Pokal. Zwischen 1997 und 2006 verging keine Tour de France, bei der Meyer nicht in den Alpen oder Pyrenäen an der Strecke stand.

Die Schlussetappe zwischen Triumphbogen und Champs Élysée hat ihn nie gereizt. „Mitten in der Landschaft fühle ich mich bedeutend wohler.“ Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass Meyer nicht nur gern Fußballspiele besucht, sondern ebenso gern Trainingseinheiten. Dann schwingt er sich aufs Fahrrad und radelt zum neuen Tivoli. „Für Trainingseinheiten habe ich mich schon immer interessiert, da erkennt man die Handschrift eines Trainers.“

Echte Fußball-„Festplatte“

Wenn Meyer mit der Fachsimpelei anfängt, vergisst er schon einmal für Minuten die Arbeit auf dem Platz. Über die Bande gebeugt, schweifen die Gedanken ab. Aber fast immer haben sie mit Fußball zu tun. Sein Gedächtnis ist legendär: viele Spielernamen, Ballwechsel beim Tischtennis, Auf- oder Abstiege, alles hat er wie auf einer Festplatte gespeichert.

Das gilt auch für seine Zeit als Monteur auf einer Großbaustelle in Ruanda. „Wenn dort Fußball gespielt wurde, dann...“ Aber das ist eine andere Geschichte.

(hfs.)
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