Jülich: 58 Kilogramm Stühle auf einem eisernen Kinn

Jülich : 58 Kilogramm Stühle auf einem eisernen Kinn

„Ich kenne das nicht anders. Schon meine Eltern waren Artisten. Man sieht so viel von der Welt und ich bin ein Tierfreund.“ Das sagt Johnny Bügler (25), der mit seinem Bruder Juliano Neigert (21) zu den Stars des Zirkus Hansa zählt.

„Wir gehen immer zusammen“ betont Johnny und meint, er lässt sich nur als Duo mit seinem Bruder in einem Zirkus verpflichten. Berühmt wurde der Balanceur, Jongleur und Messerwerfer durch seinen Auftritt in der Spielshow „Mein Mann kann“, als er als „Jimmy der Messerwerfer“ auf den ehemaligen Fußballer Stefan Effenberg zielte oder richtiger: knapp daneben.

„Der Mann mit dem eisernen Kinn“, wie Zirkusdirektor Josef Neigert Johnny im Rahmen des aktuellen Programms „Stars in der Manege“ ankündigte, will mit seinem spektakulären Stühlebalanceakt ins „Guinnessbuch der Rekorde“ aufgenommen werden. Er balancierte zwölf halbkreisförmig ineinander verschachtelte Holzstühle auf seinem Kinn, nachdem letzteres zuvor als Auflagefläche einer acht Meter hohen Stuhlpyramide gedient hatte. „Die Schwierigkeit ist das unebene Gelände“ gab Neigert Einblicke in artistische Herausforderungen.

Die 58 Kilo schwere Stuhlkonstruktion wurde zunächst auf einem Tisch aufgebaut, der festen Stand haben muss, um dem Gebilde sicheren Halt zu geben.

Die Brüder, die im Grunde die gleichen Zirkusdisziplinen beherrschen, haben sich spezialisiert, um auch als Duo für ein Zirkusarrangement interessant zu bleiben. So begeisterte Juliano in der Show mit einer Jonglage mit acht Ringen oder als Messerwerfer mit Buschmessern und Beilen in rasantem Tempo. Zudem stellte er sein Talent als Pferdeflüsterer in seiner „Einzelfreiheitsdressur“ unter Beweis, in der sein Palomino „Diamant“ mehrfach über fünf Stangen trabte.

Die Zirkusfamilie Neigert-Bügler betreibt in der vierten Generation traditionellen Zirkus, neben der Kinn- und Konterbalance der Extraklasse sind Tiernummern im romantischen Wild-West-Ambiente ihr Steckenpferd. Ziegen mit langen gebogenen Hörnern, die vor- und rückwärts balancieren, mexikanische Esel, ein Maultier, das Gäste persönlich begrüßt und Clown Charly Beppo aus der Manege jagt, oder „die schnellste Polizei der Welt“ in Gestalt zweier Minipferde.

Feuerspucker und Schlangentänzer mit Würgeschlangen gesellten sich in der zweiten Programmhälfte dazu. Ein Junge aus dem Publikum wurde in einen Pferde-Balance-Akt integriert, eine Dame aus den Besucherrängen tanzte mit dem Clown in der Manege.

Aufs Publikum abgestimmt

Während die Premiere mit etwa 80 Gästen gut besucht war, fanden sich in der Sonntagmorgenvorstellung wenige Familien mit Kindern im viermastigen Zirkuszelt ein, die allerdings voll auf ihre Kosten kamen. Deswegen hielt die anpassungsfähige Zirkusfamilie mit ihren insgesamt 14 Artisten und 40 Tieren das Programm besonders kinderfreundlich, sogar die traditionelle Tiershow in der Pause war kostenlos.

(ptj)
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