Jülich: 50 neue Kita-Plätze in Jülich

Jülich : 50 neue Kita-Plätze in Jülich

Die „neue Kita“ stand zwei Stunden buchstäblich auf der Kippe. So lange befasste sich der Jülicher Stadtrat mit diesem Thema in einer Sondersitzung. Sehr überraschend war vor eineinhalb Wochen bekannt geworden, dass 95 Kinder ab August bislang keinen Betreuungsplatz haben, aber brauchen (wir berichteten). Auch mangels zielführender Informationen drehte sich die Debatte lange im Kreis.

Am Ende gab es trotz strittiger Diskussionen mit dem Vertreter des Kreisjugendamtes einen einstimmigen Beschluss: Die Stadt Jülich will dafür sorgen, dass 50 Kinder im neuen Kindergartenjahr betreut werden. Das soll laut Beschluss in der alten Realschule passieren, was aber in der Kommunalpolitik eigentlich niemand möchte.

Dieser scheinbare Widerspruch ist ein Kompromiss. Um pünktlich bis zum 15. März alle Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten auszuschöpfen, muss die Stadt sowohl einen Standort als auch einen Träger benennen. Das hat sie getan, sich selbst als Träger benannt und die Realschule als Standort. Damit sind die Formvoraussetzungen erfüllt. Wie Hubert Brüßeler vom Kreisjugendamt erst auf konkrete Nachfrage von Jan Schayen (CDU) einräumte, können diese Entscheidungen „geswitcht“ (gewechselt) werden, ohne Finanzierung oder Förderung zu gefährden. Das war der Durchbruch.

Quer durch alle Parteien hatte es vorab Kritik am Standort gegeben, obschon alle Fraktionen natürlich Eltern und Kindern helfen wollen. Helma Dürholz (SPD), Marco Johnen (CDU) und Jürgen Laufs (Grüne) halten die alte Schule nicht für die beste Wahl, zumal in der Realschule die kulturellen Einrichtungen konzentriert werden sollen — also neben der VHS Jülicher Land auch Stadtarchiv und Museumsbüros.

Weitere Stadtverordnete trieb die Sorge, dass mit einer neuen dreigruppigen Kindertagesstätte nun langfristig ein Überangebot geschaffen werde. Von daher wurde Hubert Brüßeler sowohl von Heinz Frey (Jül) als auch Lambert Schmitz (CDU) konkret nach Alternativen gefragt. Der Mann vom Kreisjugendamt wiederholte mehrfach, dass andere Einrichtungen entweder gut belegt oder überbelegt seien. Ausnahme ist der Kindergarten St. Rochus, für den es bereits eine Ausbauplanung gibt (ein bis zwei Gruppen).

Skeptisch machte die Stadtverordneten, dass im Forschungszentrum Jülich die von den „Kleinen Füchsen“ betriebene Kita von vier auf acht Gruppen massiv ausgebaut werden soll. Auch hier entstehen neue Betreuungsplätze, die wenigstens zu einem Teil von Jülicher Eltern genutzt werden könnten — auch wenn das FZJ hier sein Angebot vorrangig für auswärtige Beschäftigte ausweiten möchte. Dem war eine Mitarbeiterbefragung vorausgegangen.

Könnte nun bei den „Kleinen Füchsen“ im Forschungszentrum auch kurzfristig städtischer Bedarf abgedeckt werden, wie Politiker vermuten — oder eben nicht, wie Hubert Brüßeler beteuerte? Die Aussagen im Stadtrat waren nicht überein zu bringen. Letztlich wurde die erwähnte Kompromisslösung gefunden. Sehr zeitnah soll der Fachausschuss prüfen, ob sich im Stadtgebiet neben der Realschule andere Möglichkeiten anbieten, die 50 Kinder zu betreuen — vielleicht in drei Einzelgruppen an verschiedenen Stellen und auch gemeinsam mit anderen Trägern.

Die Grundsatzrechnung sieht so aus: Von 95 Kindern sollen 50 über die Stadt, etwa 25 über den Ausbau der Kita St. Rochus und die restlichen über Tageseltern versorgt werden. Weil bis zum 1. August niemals Ausbauten zu realisieren sind, sind Übergangslösungen nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich — eventuell in Mietcontainern auf dem Realschulhof.

Dezernentin Katarina Esser informierte am Freitag auf Nachfrage, dass die 50 Plätze fristgerecht und gemäß Ratsbeschluss über den Kreis nach Düsseldorf gemeldet worden seien. Organisatorisch sollen neue städtische Gruppen an den Kindergarten Lich-Steinstraß angeschlossen werden.

(-vpu-)
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