Jülich: 30 Jahre lang Hilfe für Flüchtlinge: Arbeitskreis Asyl feiert Jubiläum

Jülich: 30 Jahre lang Hilfe für Flüchtlinge: Arbeitskreis Asyl feiert Jubiläum

30 Jahre Arbeitskreis Asyl — (k)ein Grund zum Feiern? Sowohl Vorsitzende Eva Hölzle als auch Festrednerin Barbara Simons sind der Meinung: „Ein viel größerer Grund zum Feiern wäre es, wenn der Arbeitskreis (AK) sich auflösen könnte, weil er überflüssig geworden ist“.

Bürgermeister Heinrich Stommel und Emmanuel Ndahayo, Vorsitzender des Integrations- und Migrationsausschusses des Kreises Düren, waren vom Gegenteil überzeugt: „Der Arbeitskreis ist da und hilft. Das ist für die Menschen von großer Bedeutung“, stellte Stommel heraus. Ndahayo erinnerte an die negative Stimmung der 80er/90er Jahre, die sich positiv entwickelt habe. „Die Mehrheit versteht. Das ist ein Grund zu Feiern“, ist seine Meinung. Ferner betonte er: „Es gibt Menschen am Rande der Gesellschaft, die immer zurückgedrängt werden. Ich war einer von ihnen. Ihr/Sie haben mir geholfen. Die Hilfe, die ich bekommen habe, hat mich dazu gebracht, mich für andere zu engagieren“.

„Kein Grund zum Feiern“: Festrednerin Barbara Simons will „zurückblicken, innehalten, Sorgen und Hoffnungen formulieren“.

Flüchtlingsberaterin Freya Lüdeke vom Diakonischen Werk des Kirchenkreises sagte: „Ihr begegnet den Menschen, seid da im alltäglichen Leben, über den Gedanken der Hilfsbereitschaft, der Sorge und des Kümmerns hinaus. Es geht um das Wissen globaler Zusammenhänge“. Mit diesem Wissen könne man sich für eine gerechtere Welt einsetzen. Barbara Simons wollte „zurückblicken, innehalten, Sorgen und Hoffnungen formulieren“.

Auf einen Informations- und Gesprächsabend im November 1985 im Bonhoeffer-Haus zur Situation der tamilischen Asylbewerber folgte ein Treffen in St. Rochus. Dort erschienen rund 30 Menschen, darunter Kirchenvertreter, solche aus Menschenrechtsorganisationen und Abgesandte der Grünen. Aus dieser Gruppe gründete sich am 9. Dezember 1985 der Arbeitskreis Asyl. Simons erinnerte detailliert an die damaligen Zustände: „Die Flüchtlinge in den Unterkünften hatte keinen Anspruch auf Wohnung, Arbeit, Sprachkurse und nicht auf den Schulbesuch ihrer Kinder.“

Von Spenden unterstützt, kümmerte sich der AK um konkrete Hilfen und vereinzelte Freizeitangebote für die Familien, aber auch um Öffentlichkeitsarbeit, um den Abbau von Vorurteilen und die Vermittlung von Informationen. Hilfreich war immer die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Flüchtlingsberaterin, erst von der evangelischen Gemeinde Jülich, dann von der Diakonie des Kirchenkreises. Der AK ist Mitglied im Flüchtlingsrat Düren und so mit allen Asylgruppen des Kreises vernetzt. Seit 2010 veränderte sich der Arbeitsschwerpunkt. Weil viele Familien über Bleiberechtsregelung in Jülich gut integriert waren, setzte der AK mehr auf Bildungsarbeit und erlebnispädagogische Ferienangebote, bis sich Ende 2014 mit den vielen erwarteten Flüchtlingen abzeichnete, dass das Betreuungskonzept nicht mehr durchzuhalten war.

Das „Café Contact“ wurde ins Leben gerufen. Simons dankte der Evangelischen Kirchengemeinde und den Mitarbeitern des Bonhoefferhaus dafür, dem AK „Asyl“ gegeben zu haben und zu geben. Dankesworte richtete sie auch an die regionalen Zeitungen für ihre gute Berichterstattung über die Flüchtlingssituation, an die Mitarbeiter des städtischen Sozialamtes und des Ausländeramtes — und an die Flüchtlinge für die „Einblicke in ihr Leben, für die bereichernden freundschaftlichen Beziehungen“.

Auf die sich zuspitzende Flüchtlingssituation reagieren zahlreiche Menschen dankenswerterweise mit Hilfsangeboten. Aber: Sachspenden müssen gelagert, Kleiderspenden sortiert, Fahrräder transportiert, gelagert, verteilt werden, für Sprachkurse müssen Räume und Asylbewerber koordiniert werden. Im Hinblick auf die vielen Neuankömmlinge können die Ehrenamtler des AK das nicht mehr leisten. Deshalb bat Simons abschließend um einen städtischen Krisenstab, der „alle Jülicher Hilfsstrukturen zusammenfasst und auf den Prüfstand stellt, zur Koordination und zur Vermeidung von Parallelstrukturen“.

Für die harmonische musikalische Gestaltung des Jubiläums sorgte Sängerin und Gitarristin Virginia Lisken mit einem feinfühlig dargebotenem Repertoire. Darunter ein Lied, das sich der Arbeitskreis gewünscht hatte: „Erde, wir sind deine Kinder“ aus der Feder von „Klaus, dem Geiger“. Für den abschließenden Austausch untereinander hatten ehemalige Flüchtlinge liebevoll „Fingerfood“ vorbereitet.

(ptj)
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