Linnich: 125 Jahre Krankenhaus Linnich: Christliches Grundverständnis als Basis

Linnich: 125 Jahre Krankenhaus Linnich: Christliches Grundverständnis als Basis

„Wie es sich für eine katholische Einrichtung gehört, haben wir sehr viel Gäste aus der Kirche eingeladen“. Mit diesen Worten begrüßte Gábor Szük, Geschäftsführer der Caritas Trägergesellschaft West (ctw), zum Jubiläumsfestakt des St. Josef Krankenhauses im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich.

Sehr lang war die Liste von Gästen aus der Caritas, Krankenhäusern und Krankenkassen, aus Kirche, Politik und Gesellschaft.Dem Festakt war eine Messe in der Kapelle des St. Josef-Krankenhauses mit Generalvikar Manfred von Holtum vom Bistum Aachen vorausgegangen.

Nonne

Dank und Respekt

Schwester Maria Secunda am Rednerpult: Sie verließ 2004 mit zwei weiteren Schwestern Linnich.

„125 Jahre Dienst am Menschen sind ein langer Weg. Unsere Schwestern haben ihren Input, ihren Glauben in christliche Krankenpflege umgesetzt“, dafür zollte der ctw-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Thömmes zunächst den Ordensschwestern der Christenserinnen Dank und Respekt, die 2002 das Krankenhaus wegen Nachwuchsmangels in die Obhut der ctw legten und es schließlich 2004 verließen.

Dank und Anerkennung gebührte auch der Leistung der heutigen Mitarbeiter und nicht zuletzt der Bevölkerung, „weil sie das Krankenhaus als ihres annimmt und sich auch hier behandeln lässt. Das sichert den Fortbestand des Hauses entscheidend mit“. Thömmes thematisierte die Gefährdung der Wirtschaftlichkeit gerade kleinerer Krankenhäuser: „Ein besonders patientennahes Haus in dieser Größenordnung schreibt gerade mal eine schwarze Null“, fasste er zusammen.

Er nannte Fallpauschalen im Gesundheitswesen und den signifikanten Rückgang der Förderanteile auf gerade mal vier Prozent. „Den Rest tragen die Träger“.

Unter dieser Druckbelastung würden etwa investive Maßnahmen leiden, vor allem aber die Zeit für die Patienten in ihren schwersten Stunden. „Wir haben einen Weg eingeschlagen, auf dem bei unveränderten Rahmenbedingungen Gesundheitsleistungen rationalisiert werden“, betonte er die „Ambivalenz zwischen Auftrag und Wirklichkeit“.

Nun hielt die ehemalige Oberin, Schwester Maria Secunda, Rückblick: „125 Jahre St. Josef-Krankenhaus, davon 114 Jahre in Trägerschaft unserer Ordensgemeinschaft, sind wahrlich ein Grund zur Freude. Wir haben uns in Linnich wohlgefühlt und möchten nochmals allen Hauptamtlichen, Nebenamtlichen und Ehrenamtlichen, den ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitern danken in dem Wissen, dass jeder wichtig war und ist, und alle ihren Beitrag für das St. Josef-Krankenhaus geleistet haben“.

Die Geschichte der Ordensgemeinschaft in Linnich begann 1886 mit drei Schwestern in der ambulanten Krankenpflege. Die Grundsteinlegung des Krankenhauses erfolgt am 26. März 1888, es wurde im Februar 1889 als Pflegehaus in Betrieb genommen.

Bedeutsam war das Jahr 1917, als dieses Pflegehaus durch die Ausstattung mit den erforderlichen OP-Räumen in ein Krankenhaus umgebaut wurde.

In den 1930er Jahren kamen Kinderstation, Röntgenabteilung, Ambulanz sowie der Anbau eines Isolierhauses und der Ausbau des Dachgeschosses hinzu.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden 1939 von den verfügbaren 210 Betten 100 als Lazarett genutzt. 1944 wurden die Schwestern evakuiert, das Gebäude war zu 48 Prozent, die Inneneinrichtung zu 95 Prozent zerstört. Ab Mai 1945 kehrten sie zurück, an ihrer Seite der aus Tetz stammende erste chirurgische Chefarzt Dr. Hermann Weitz und Assistenzarzt Dr. Heinrich Steffens. Sie übernahmen die ambulante Behandlung der Bevölkerung und bauten das Krankenhaus wieder auf, Weihnachten 1945 erfolgte die erste stationäre Aufnahme. 1949 wurde die Krankenpflegeschule gegründet.

Aufgrund zu geringer Geburtenzahlen erfolgte im Juni 1990 die Schließung der Geburtshilfeabteilung. Die Zahl der Schwestern in St. Josef stieg, so konnten faste alle Funktionsbereiche wie Stationsleitung, Labor, OP, Ambulanz, Röntenabteilung ausschließlich mit Ordensschwestern besetzt werden.

„Vor allem liebet Gott, sodann den Nächsten“ hieß ihr Auftrag, in deren Rahmen sie auch praktische Seelsorge leisteten. Die letzten drei Ordensschwestern Maria Hiltrud, Maria Angelika und Maria Secunda verließen am 30. April 2004 Linnich.

Das medizinische und pflegerische Angebot entwickelte sich stetig weiter bis hin zum mehrfach erfolgreich zertifizierten Krankenhaus, das immer wieder in den Top Ten unter mehr als 120 Krankenhäusern in NRW liegt. Doch eines ist geblieben und wird bleiben, wie alle Redner betonten: „Die Sorge um die Patienten und die Qualität der Versorgung sind in der Tradition der Schwestern auch heute vorrangiges Ziel. Getragen wird das Engagement der Mitarbeiter für Patienten und Angehörige von einem christlichen Grundverständnis“. Den Festakt untermalte Christoph Schultz mit Gesang und Gitarrenspiel.

(ptj)
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