Heinsberg: Zwei Wunderkinder begeistern am Flügel

Heinsberg: Zwei Wunderkinder begeistern am Flügel

„Lange wird es dauern, bis der Heinsberger Flügel von so kleinen Händen wieder einmal so groß gespielt wird!“ Theo Krings, Leiter der Heinsberger Jugendmusikschule sprach mit diesem Schlusssatz wohl vielen der eigentlich viel zu wenigen Zuschauer für dieses Ausnahmekonzert im Heinsberger Rondell im Klevchen aus dem Herzen.

Die kleinen Hände, von denen er sprach, gehörten Dmitry Ishkhanov (11) aus Köln und Jana Schell (13) aus Erkelenz-Hetzerath, die Schülerin der Jugendmusikschule ist. Jana Schell bereitete sich mit dem Konzert in Heinsberg auf eine wichtige Station ihrer künstlerischen Karriere vor.

Nach ihren jüngsten Erfolgen beim niederländischen „Prinses Christina Concours“ hat die von Dorothee Broichhausen betreute junge Pianistin es auch beim Wettbewerb „Bühne frei“ der Niederrheinischen Symphoniker ins Finale geschafft. Dort spielt sie Ende des Monats um die Chance, ein Solokonzert mit den Symphonikern spielen zu dürfen.

Auf ihrem Programm stand deshalb der erste Satz von Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll (KV 466). Am zweiten Flügel begleitet wurde sie dabei von ihrem Vater Andreas Schell. Obwohl noch so jung, beeindruckte Jana Schell neben ihrem sauberen Spiel vor allem mit der Emotionalität, mit der sie ihr Stück vortrug. Am Ende erst verriet ihr Vater, dass dieses auch eins ihrer Lieblingsstücke ist.

Um den Begriff „Wunderkind“ zu vermeiden, kommt man nicht umhin, von einem „Phänomen“ zu sprechen, wenn man Dmitry Ishkhanov live erlebt hat. Er sitzt weniger, vielmehr eigentlich nur gegen den Hocker gelehnt spielt er, weil er ansonsten die Pedale des großen Konzertflügels gar nicht erreichen könnte. Der Elfjährige, der bereits selbst komponiert, begeisterte sein kleines Publikum fast eine Stunde (!) lang ohne Pause mit Stücken, von denen eins noch anspruchsvoller war als das andere.

Mit Präludium und Fuge c-Moll (BWV 847) von Johann Sebastian Bach stieg der junge Pianist in sein Programm ein. Es folgte der erste Satz (Allegro molto e con brio) aus der Sonate Nr. 5 c-Moll op. 10 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven, danach die Monate März und April aus Die Jahreszeiten op. 37 von Peter Tschaikowsky. Eindrucksvoll schaute der junge Künstler im April seiner linken Hand scheinbar ganz verträumt nach, wie sie sich in weitem Bogen zur richtigen Taste bewegte.

Fühlbar bewegt war auch schon da sein Publikum, zu hören war von ihm nichts mehr, so gebannt verfolgte es das Spiel des kleinen Ishkhanov. Doch der hatte da erst einen kleinen Teil seines ersten ganz großen Konzerts abgeliefert, das eigentlich die Generalprobe war für sein Konzert mit dem Orchester des bayrischen Rundfunks im Präsidentenpalast in Malta.

Geboren ist er zwar in Moskau, gelebt hat Ishkhanov jedoch mit seiner armenischen Familie auf Malta, bevor sie nach Köln umzog. Hier studiert er derzeit am Pre-College Cologne, einem Programm für hochbegabte Kinder der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Ishkhanov verneigte sich vor seinem Publikum und spielte gleichbleibend hoch konzentriert den Walzer A-Dur op.10/2c von Sergej Rachmaninow sowie drei der Poetischen Tonbilder op. 3 von Edvard Grieg: Allegro, ma non troppo, Allegro cantabile und Con moto. Dem Circus Waltz von Charles Camilleri ließ der junge Pianist ganz melancholisch das Stück Elegy seines armenischen Landsmanns Arno Babajanyan folgen, danach dessen Stück Humoresque.

Wer an dieser Stelle noch nicht überzeugt war vom Ausnahmetalent Ishkhanovs, der war es spätestens nach den Variationen über ein Thema von Paganini von Isaak Berkovich. Auch dem noch so geübten Konzertbesucher fiel es schwer, den kleinen Fingern auf den Tasten zu folgen. Schlichtweg ein musikalischer Hochgenuss. Der kleine Künstler steigerte sich so in sein Spiel hinein, dass ihm der Schweiß am Ohr entlang lief und er ihn mit seinem Jackett Einhalt gebieten musste.

Die Arabeske op.18 von Robert Schumann und die Fantaisie-Impromptu cis-Moll op.66 sollten eigentlich den krönenden Abschluss bilden. Eigentlich, aber der junge Ishkhanov freute sich wohl, ohne da nur ein klein wenig die Miene zu verziehen, nach dem bisher längsten Solo-Konzert seines Lebens über sein begeistertes Publikum, dass er auch noch eine Zugabe spielte.

Mit großem Selbstvertrauen machte er sich nach seinem Heinsberger Konzert auf den Weg in den Präsidentenpalast nach Malta, nicht ohne noch in Heinsberg zu bemerken: „Die Natur ist so schön hier.“