Kreis Heinsberg: Zugverkehr zwischen Aachen und Düsseldorf über Wochen gestört

Kreis Heinsberg : Zugverkehr zwischen Aachen und Düsseldorf über Wochen gestört

Dass es nicht einfach werden würde, den Rhein-Ruhr-Express (RRX) auf die Schiene zu setzen, ist lange klar. Besonders weil alle Bahnhöfe, die der moderne Zug anfahren soll, erst einmal RRX-kompatibel gemacht werden müssen. Das bedeutet, bevor der Regionalzug der Zukunft in der Gegenwart halten kann, muss so gut wie jeder Bahnhof umgebaut werden.

Das hat zur Folge, dass in den gut sechs Wochen zwischen dem 13. Juli und dem 27. August — was in etwa den Sommerferien entspricht — im Dreieck Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg kein einziger Zug fahren kann. Bahnreisende und Berufspendler, die im Kreis Heinsberg unterwegs sind, müssen sich also auf erhebliche Beeinträchtigungen im Schienenverkehr einstellen.

In dieser Zeit werden die Bahnhöfe in Erkelenz, Baal, Brachelen, Lindern und Geilenkirchen RRX-tauglich gemacht. Das heißt, dass alle Bahnsteige mindestens 215 Meter lang und genau 76 Zentimeter hoch sein müssen. Die Höhe der Bahnsteige ist beim RRX, der von Siemens gebaut und in Wegberg-Wildenrath getestet wird, von großer Bedeutung, weil der Einstieg in die Züge barrierefrei vonstatten gehen soll.

Besonders in Baal stehen umfangreiche Arbeiten an. Der Bahnhof war wegen seines schlechten Zustandes und seiner mangelhaften Ausstattung zuletzt immer wieder zum Thema geworden. Neben dem Neubau eines 215 Meter langen und 76 Zentimeter hohen Mittelbahnsteiges soll dort auch ein Personenaufzug gebaut werden. Dafür möchte die Bahn den Schacht eines vorhandenen Gepäckaufzuges ausbauen. Ergänzend soll die Treppe hinauf zum Bahnsteig angepasst und erneuert werden. Und die Ausstattung des Bahnsteiges, beispielsweise mit Sitzgelegenheiten, soll verbessert werden.

Während der Bauarbeiten von Mitte Juli bis Ende August fallen auf den Bahnstrecken zwischen Erkelenz und Geilenkirchen sowie zwischen Lindern und Heinsberg alle Züge aus. Die Linie RE 4 fällt auf der Strecke Aachen-Erkelenz aus, die RB 33 auf den Abschnitten Aachen-Rheydt und Lindern-Heinsberg. Mit der Linie RE 4 geht es von Erkelenz wie gewohnt weiter in Richtung Rheydt, Mönchengladbach, Neuss und Düsseldorf.

Um die Ausfälle zu kompensieren, setzt die Bahn zwischen Erkelenz und Geilenkirchen sowie zwischen Heinsberg und Lindern einen Schienenersatzverkehr ein. Zwischen Geilenkirchen und Aachen pendeln Züge einer Sonderlinie, die die Reisenden ans Ziel bringen sollen.

Ab Dezember 2020

Der langfristige Zeitplan der Bahn sieht vor, dass der RRX ab Dezember 2020 auf der Linie des RE 4 von Aachen durch den Kreis Heinsberg über Mönchengladbach und Düsseldorf nach Dortmund rollen soll. Dann sollen die Bahnkunden auch auf dieser Strecke von den Vorzügen des modernen, schnellen und nach Bahnangaben pünktlicheren Zuges profitieren.

In Geilenkirchen haben die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung viele Jahre auf einen barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe Geilenkirchen und Lindern gedrängt. Doch bei der Bahn sind sie dabei stets auf taube Ohren gestoßen.

Während der Modernisierungsoffensiven 1 und 2, die den Ausbau von 204 Bahnhöfen im Zeitraum von 2004 bis 2016 im Bundesland Nordrhein-Westfalen vorsahen, standen Geilenkirchen und Lindern nicht auf der Prioritätenliste, obwohl in Geilenkirchen werktags mehr als 3000 und in Lindern mehr als 1000 Zugreisende unterwegs sind. Und auch für die dritte Offensive, in der bis 2023 weitere 35 Bahnhöfe ausgebaut werden sollen, hat Geilenkirchen keinen Zuschlag bekommen. Dennoch rollen dank des großangelegten RRX-Projekts in den Sommerferien die Bautrupps an den beiden Bahnhöfen an.