Wegberg: Zeitkapsel soll für Heiterkeit sorgen

Wegberg: Zeitkapsel soll für Heiterkeit sorgen

Spaten, Schaufel, stählerne Muskeln und ein gutes Gedächtnis — mehr ist nicht nötig zur „Bergung der Zeitkapsel“. Suchend sehen sich Hartmut Haas und Jan Willms, beide Mitglieder des Abiturjahrganges 2000 am Maximilian-Kolbe-Gymnasium Wegberg, im Innenhof ihrer alten Schule um.

Den Baum gab es damals noch nicht, auch an die Sträucher kann sich keiner der beiden erinnern. Seit 15 Jahren ruht hier die „Zeitkapsel“, verborgen vor neugierigen Blicken in der Erde.

„Der schärfste Jahrgang des Jahrtausends“ — so lautete damals das Abi-Motto — hat hier eine stabile Metallkiste eingegraben, vollgepackt mit Erinnerungen, Dingen, die wichtig waren, Träumen von der Zukunft. Zum Klassentreffen in wenigen Tagen wird sie ausgegraben und soll für Heiterkeit und „Weißt-du-noch-Erlebnisse“ sorgen.

Entscheidender Hinweis

Viele Male hat sich der Spaten in den Boden gezwängt, viele Schaufeln Erde sind von einer Seite auf die andere befördert worden, die Jacken sind längst abgelegt. Erste Zweifel kommen auf, ob das die richtige Stelle ist. Der ehemalige Direktor des Gymnasiums, Willy Meersmann, wird telefonisch kontaktiert und kann einen entscheidenden Hinweis geben. Die Stelle ist richtig und „die Kiste wurde sehr tief eingegraben“. Schweißnass sind die Shirts der beiden heutigen Doktoren, „echte Freunde seit der 5. Klasse“.

Literaturkurs hatte die Idee

Neben Briefen an das „zukünftige Ich“ und Fotos beherbergt die Zeitkapsel auch zum Beispiel den letzten Bierdeckel aus der Schülerkneipe und Lieblingsboxershorts in der Tupperdose. Maj Kuchenbecker, inzwischen stellvertretende Schulleiterin, kann sich erinnern, ein Stück Tafelkreide hineingegeben zu haben.

Im Literaturkurs war die Idee von der Zeitkapsel damals entstanden, orientiert an der Tradition der amerikanischen Universität Stanford.

Knietief stehen die beiden Zeitkapsel-Sucher inzwischen in dem gegrabenen Loch. Von der Kiste keine Spur. „Abgesandte“ der Abiturklasse sollten eigentlich dabei sein, „bei der Plackerei kann ich verstehen, warum sie nicht gekommen sind“, meint Hartmut Haas und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Dann, endlich: Nach mehr als anderthalb Stunden anstrengender Arbeit ein metallisches Geräusch, als sich der Spaten in die Erde bohrt. Das befeuert den Eifer. Ja, das ist sie! Das aufgeklebte Metallschild, das den Abiturjahrgang 2000 als Eigentümer ausweist, ist abgeschlagen worden und wird mit erleichtertem Lächeln von den Erdklumpen befreit.

Nein, öffnen wollen die beiden die Kiste heute nicht — vielleicht probieren, ob die Verschraubung losgeht. Das Öffnen ist dem Treffen vorbehalten, das im Beecker Brauhaus stattfinden wird. Denn dann sollen sie den ehemaligen Mitschülern frisch serviert werden, die Erinnerungen und Träume, die Erwartungen und Geheimnisse. Und vielleicht wird in der Kiste auch noch ein bisschen von der Aufbruchsstimmung nach dem Abitur sein, von der Neugier auf das Leben.

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