Köln/Selfkant-Süsterseel: Wohnzimmerheld feiert sein Dorf mit Rappsongs

Köln/Selfkant-Süsterseel : Wohnzimmerheld feiert sein Dorf mit Rappsongs

Ist es die Luft? Ist es das Licht? „Wenn ich bei gutem Wetter in der Heimat war und dann wieder nach Köln komme, habe ich schon eine Zeit lang Heimweh“, sagt er. Er, das ist Jörg Schürgers. Sein Album heißt „Einer wie ich“. Einer wie er, das ist jemand, der schon lange in einer Großstadt lebt, aber gar nicht vergessen will, wo er herkommt.

Und Schürgers kommt aus dem Selfkant, genauer aus Süsterseel. Deshalb rappt er, wenn er auf Platt rappt, auf Söstersiel. Und auf Platt zu rappen, ist ihm wichtig.

„Mit meinen Liedern möchte ich alle Generationen dafür begeistern, das eigene Dorf und die eigene Herkunft zu feiern. Und dies durch eins der schönsten sprachlichen Mittel: In Reimform un‘ dann noch op platt.“ Inspiriert zu seinem Lied „Selfkant“ haben ihn die Kommentare auf der Facebookseite „Du bist Selfkänter, wenn...“, die eine Bekannte von ihm eingerichtet hat. Da geht es um die Orte und Dinge, mit denen er seine Jugend verbindet, wie die Tüdderner Löwensafari oder Area Area.

In Süsterseel ist Jörg Schürgers, der heute als Fachlehrer an einer Kölner Förderschule arbeitet, auch als Snook bekannt, weil er früher auf den Fahrten mit Freunden zu Spielen des FC Köln immer Musik von Snoop Doggy Dogg aufgelegt hat. Heute nennt er sich Wohnzimmerheld, weil er, als er sein heimisches Studio räumen musste, um Platz für das Kinderzimmer seines Sohnes zu machen, im Wohnzimmer weitergerappt hat. Er sei ein ganz normaler Typ, der arbeiten geht, sagt er, er habe eben das Glück, einen Freund zu haben, der Produzent ist.

Und weil er so normal geblieben ist, gibt es sein Album ab Samstag auch einfach beim Bäcker, dort, wo er selbst gerne Brötchen kauft und bei einem Freund in Süsterseel. Mitgemacht bei dem Musikprojekt haben auch zwei weitere Süsterseeler: Nicole Büscher singt mit bei „Überleben“ und Sascha Rademakers spielt Saxophon bei „Stummes Verständnis“. Für die Produktion des Albums ist er nur mal kurz über die Grenze in niederländische Sittard zu seinem Freund Harald Bruijstens alias Max P. gehüpft. Die Songs klingen ein wenig wie die Lieder der Hamburger Band Fettes Brot, mal frech, mal schwermütig, immer nachdenklich und die meistens sind auch für Hochdeutschsprechende Freunde der modernen Rappmusik gut zu verstehen.