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Unmut in Karkener Vereinswelt: Wohnkomplex gleich neben Bürgerhalle?

Unmut in Karkener Vereinswelt : Wohnkomplex gleich neben Bürgerhalle?

Unmut regt sich derzeit in der Karkener Vereinswelt, wie in einer kurzfristig einberufenen Versammlung des Ortsrings deutlich wurde. Grund dafür ist die Information, dass gleich neben der Bürgerhalle ein Wohnkomplex errichtet werden soll.

Der Ortsring der Vereine als Betreiber der städtischen Halle fürchtet nun um Einschränkungen, wenn sich künftige Nachbarn durch Lärm bei Festen und Feiern in der Halle gestört fühlen könnten.

„Die Bürgerhalle im Heinsberger Ortsteil Karken wurde seinerzeit durch Mittel der Stadt Heinsberg finanziert, in Eigenleistung durch die Karkener Ortsvereine und Bevölkerung erbaut und im Jahre 2004 fertiggestellt“, heißt es in der Erklärung des Ortsrings. Seither sei die Bürgerhalle Treffpunkt vieler Feiern und Veranstaltungen der örtlichen Vereine, von Vereinen anderer Ortschaften und auch für private Feiern. „Gerade letztere tragen im erheblichen Umfange zur Finanzierung der laufenden Kosten der Bürgerhalle bei, welche überwiegend durch den Ortsring getragen werden müssen.“ Das mögliche Bauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bürgerhalle führe zu großen Sorgen und Befürchtungen vieler Karkener und insbesondere der Karkener Vereine und des Ortsrings. „Für ein direkt an die Bürgerhalle angrenzendes Grundstück wurde kürzlich bekannt, dass hierfür eine positiv beschiedene Bauvoranfrage existiert“, heißt es in der Erklärung weiter. „Sollte hier tatsächlich eine Bebauung erfolgen, ist zu befürchten, dass sich die künftigen Nachbarn der Bürgerhalle durch Lärm bei Feiern und Festen gestört fühlen und es hierdurch letztlich zu erheblichen Einschränkungen für die Bürgerhalle kommen wird.“ Beispiele aus anderen Kommunen, wo die Bürgerhallen und -häuser nur noch eingeschränkt genutzt werden könnten, gebe es zuhauf. Gleiches gelte auch für den angrenzenden Fußballplatz.

„Für besonderes Unverständnis sorgt hierbei die Tatsache, dass ausgerechnet Investoren aus dem nahen Umfeld des Ortsvorstehers und Vorsitzenden des Ortsringes, Jo Reiners, dieses Bauvorhaben verwirklichen wollen“, so der Ortsringvorstand. Eine Antwort auf die Frage, wieso es im näheren Umfeld zur Bürgerhalle überhaupt zu einer positiv beschiedenen Bauvoranfrage hätte kommen können, sei bei der Versammlung nicht gefunden worden. Johannes Houben als damaliger Ortsvorsteher und Josef Stepprath als damaliger Ortsringvorsitzender hätten erläutert, dass seinerzeit die Halle bewusst weit entfernt der Wohnbebauung errichtet worden sei, um von vornherein eventuellen Lärmbelästigungen aus dem Wege zu gehen. „Im Zuge der Planung der Bürgerhalle wurde ihnen von der Verwaltungsspitze die Zusicherung gemacht, dass es im Umfeld zur Bürgerhalle in Zukunft zu keiner Wohnbebauung kommen würde.“

Die Bitte aus der Versammlung, auf das Bauvorhaben zum Wohle der Karkener Vereine zu verzichten, sei von den anwesenden Jo Reiners und Sohn Philipp Reiners als Vertreter der Investorenfamilie abgelehnt worden. „Ihre Zusage, eine künftige Bebauung mit dem Ortsring und den beteiligten Vereinen abzustimmen, fand auf Seiten der Vereinsvertreter keine positive Resonanz.“ Schließlich bestehe keine Möglichkeit, die zukünftigen Mieter zu verpflichten, Lärm zu dulden, sei die Argumentation in der Versammlung gewesen.

Kai Louis habe dem Ortsring jedoch im Namen aller Karkener CDU-Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl zugesichert: „Die Vereine stehen für uns an erster Stelle. Wir werden alles dafür tun, damit dieses Bauvorhaben nicht umgesetzt wird und der Betrieb der Bürgerhalle Karken nicht eingeschränkt wird.“ Heinz Frenken, Geschäftsführer des Ortsringes und amtierendes Ratsmitglied für Karken, wies weiter darauf hin, dass dieses Bauprojekt ebenso wie den CDU-Kandidaten vorab nicht bekannt gewesen und schon gar nicht ihm abgestimmt worden sei.

Auf Vorschlag des Ehrenvorsitzenden Josef Stepprath habe sich nach reger Diskussion eine „überwältigende Mehrheit“ der Vereinsvertreter dafür ausgesprochen, sich juristischen Beistand zu holen und die Öffentlichkeit zu informieren. „Jo Reiners wurde aus der Versammlung aufgefordert, sein Amt als Vorsitzender des Ortsringes bis auf weiteres ruhen zu lassen, was er zusagte“, schließt die Erklärung.

Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Stadt ergab zunächst, dass es für die Straße Am Woom einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan nicht gibt. Weiter hieß es: „Die Bebauung im vorderen Bereich der Straße ‚Am Woom‘ liegt im bauplanungsrechtlichen Innenbereich und ist somit gemäß §34 BauGB zu beurteilen. Die im weiteren Verlauf der Straße in Richtung Sportplatz und Bürgerhalle gelegenen Grundstücke und Grundstücksteile sind hingegen dem Außenbereich gemäß §35 BauGB zuzuordnen.“

Im Zuge der Realisierung eines Bauvorhabens auf dem Nachbargrundstück zur Festhalle an der Roermonder Straße habe er bei der Stadt angefragt, wie weit das Grundstück bebaut werden dürfe, erklärte Jo Reiners. Der ehemals zuständige Dezernent Hans-Walter Schönleber sei sogar selbst vor Ort gewesen. Referenzobjekte für eine Nutzung der Bautiefe mit einer Erschließung von der Straße Am Woom befänden sich mit vergleichbarer Bautiefe an der Roermonder Straße. „Wir haben aber im Moment keine Planung, und es wird in naher Zukunft auch keine geben“, sagte Reiners. „Wir haben noch viele andere Projekte vorher.“ Auf das Vorhaben gänzlich zu verzichten, das könne er seinem Sohn jedoch nicht anraten. „Aber ich bin doch Ortsvorsteher“, beteuerte er. „Ich würde doch nichts machen, was den Betrieb der Bürgerhalle beeinträchtigt!“ „Die Bauvoranfrage bezieht sich auf den Innenbereich, nicht auf den Außenbereich, wo die Festhalle liegt“, erklärte auch Bürgermeister Wolfgang Dieder. Ein weiterer Baukörper auf diesem Grundstück werde die Hinterkante der Festhalle nicht erreichen. Dass er zur Versammlung des Ortsrings nicht eingeladen worden war, bedauerte er. „Es ging möglicherweise nur um Stimmungsmache, ohne die Fakten zu kennen.“