Wassenberg: Wiedereröffnung: Bürger bekommen ihren Bergfried zurück

Wassenberg: Wiedereröffnung: Bürger bekommen ihren Bergfried zurück

So muss der liebe Gott sich gefühlt haben, als er sich ansah, was er gemacht hatte: Die Aussichtsplattform des Bergfrieds Wassenberg bietet einen herrlichen Weitblick auf das grünbewaldete Rurtal, das an diesem Tag sonnenbeschienen unter dem Betrachter liegt.

Sepp Becker, der Vorsitzende des Heimatvereins, kann den Rundumblick mit viel Liebe zum Detail erklären, macht auf wesentliche Punkte aufmerksam. Alles Wissenswerte zum atemberaubenden Ausblick ist aber auch auf übersichtlichen Panoramatafeln festgehalten und jederzeit nachzulesen. „Da hat Projektleiter Walter Bienen hervorragende Arbeit geleistet“, freute sich Becker.

Starkes Programm zur Wiedereröffnung: Das Organisationsteam um Bürgermeister Manfred Winkens (r.) und Heimatvereinschef Sepp Becker (2.v.r.) wartet am 21. September mit vielen Höhepunkten auf. Foto: mb

Auch Bürgermeister Manfred Winkens gehört zu denen, die hoch hinaus wollen und sportlich Treppenstufe für Treppenstufe erklimmen. Bergfried und Hügel haben immerhin eine Gesamthöhe von 91 Metern. Seit Anfang Dezember 2013 wird am fast 600 Jahre alten Bergfried gearbeitet. „Der Bergfried war einfach verrottet“, sagt Winkens. Er hofft, den Bergfried nun für viele weitere Generationen gesichert zu haben.

Interessante Dokumentationen

Denn drei Ebenen sind in den vorher hohlen Turm eingezogen worden. Besonderes Highlight ist der Kamin im Erdgeschoss, der absichtlich sehr moderne Formen angenommen hat, im Hintergrund aber erahnen lässt, wie er zu Ritters Zeiten einmal ausgesehen haben mag. 750.000 Euro haben Renovierung und Sanierung gekostet, „die Stadt Wassenberg hat davon 220.000 Euro aufbringen müssen“, betont Winkens.

Noch riecht es nach frischer Farbe im Bergfried, noch arbeitet im Kaminraum ein Parkettleger. Aber die Anstrengungen liegen in den letzten Zügen, denn am Sonntag, 21. September, wird die offizielle Wiedereröffnung des ausgebauten Bergfrieds stattfinden — und natürlich gebührend gefeiert. Die einzelnen Etagen des Bergfrieds und die Aussichtsterrasse sind zu erkunden und ein buntes Programm für die ganze Familie erwartet die Besucher.

Nach der Eröffnung durch Bürgermeister Winkens um 14 Uhr wird neben der Ausstellung des Wassenberger Heimatvereins „Der Bergfried in historischen Bildern“ die Dokumentation der umfangreichen Ausbauarbeiten zu bewundern sein.

Eine „Geschichtswerkstatt“ wird die Möglichkeit bieten, sich aktiv einzubringen. „Fast jeder, der in Wassenberg wohnt, hat eine persönliche Beziehung zum Bergfried“, erläutert die von der Stadt beauftragte Kölner Kulturmanagerin Britta Derichs und ist gespannt auf die eigenen Erinnerungen des Publikums rund um den Bergfried. „Das können kurze Begebenheiten sein oder beispielsweise Kopien von alten Fotos, die gerne mitgebracht werden können.“

Ja — und die alten Rittersleut? Die werden ihr mittelalterliches Lager am Heckentheater aufschlagen. „Die Schildwächter zu Gangelt“ und das Jugendzentrum Wassenberg werden mit Mitmachaktionen dem Burgberg mittelalterliches Flair verleihen.

Nur zu Fuß nach oben

„Zukünftig wird der Bergfried zum Beispiel für Ausstellungen genutzt“, sagt Bürgermeister Winkens. Dass die vielen Treppenstufen ein Hindernis für alle darstellen, die nicht so gut zu Fuß sind, weiß er natürlich. „Aber so ist das nun mal mit einer Burg auf einem Berg“, macht er sich federnden Schrittes an den Abstieg.

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