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Wie Mendelssohn die Kinder verzaubert

Spannendes Projekt : Wie Mendelssohn die Kinder verzaubert

Groß waren Vorfreude und Anspannung bei den Kindern der Chor-AG in der Pestalozzischule in Oberbruch, denn vier echte Musiker des WDR-Sinfonieorchesters sollten sie besuchen, für sie und mit ihnen musizieren, zusammen mit einem Hund namens „Dackl“.

Voller Anspannung hatten die rund 50 Kinder in der Mehrzweckhalle der Schule auf ihrem kleinen Stuhl Platz genommen, Schulleiterin Mechthild Laumen eine tolle Begrüßung gesprochen und dann, ja dann klingelte das Handy von Michael Geismann, dem Kontrabassisten im Ensemble.

Der Dackl hatte eine Nachricht geschickt: „Liebe Kinder, ich könnte heulen“, las die Schulleiterin sie vor. „Ich habe meinen Zug verpasst und stecke in Leipzig fest. Dabei hatte ich mich so super-mega-doll auf Euch gefreut.“ Der Hund war also nicht live dabei, aber er hatte den Kindern nicht minder tolle Videobotschaften geschickt, die mit der Musik der vier Orchestermitglieder zu einem wundervollen Programm verschmolzen und die Schulstunde wie im Flug vergehen lassen sollten.

 Die Kinder staunten nicht schlecht, als Michael Geismann ihnen zeigte, dass die Bespannung seines Bogens aus Pferdehaar besteht.
Die Kinder staunten nicht schlecht, als Michael Geismann ihnen zeigte, dass die Bespannung seines Bogens aus Pferdehaar besteht. Foto: Anna Petra Thomas

Nach den Erfolgsprogrammen „Dackl trifft Mozart“ und „Dackl trifft Haydn“, mit denen 2017 und 2018 in einer Woche je rund 20.000 Kinder erreicht worden waren, besuchten insgesamt 13 Ensembles des WDR-Sinfonieorchesters auch dieses Mal wieder fast 100 Schulen in mehr als 70 Städten von NRW. Der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy stand bei der neuen Tour im Mittelpunkt. Frech und witzig verpackt verriet Dackl den Kindern begleitend zu den Musikvorträgen des Ensembles in kleinen Video-Einspielern viel Wissenswertes über sein Leben und Schaffen.

In Oberbruch hatten die Kinder mit ihren Lehrern sogar eine eigene Bühnendekoration mit dem Namensschriftzug des Komponisten geschaffen und die Wände mit von Hand kolorierten Porträts des Künstlers dekoriert. In diesem Ambiente fühlten sich die vier Musiker sichtlich wohl und begannen ihren Reigen an Darbietungen mit dem bekannten Hochzeitsmarsch von Mendelssohn Bartholdy, den natürlich auch viele Kinder bei Hochzeitsfeiern schon einmal gehört hatten.

„Zu dieser Musik wird seit Ewigkeiten geheiratet“, erklärte dann auch gleich der Dackl in seinem ersten Video auf der großen Leinwand hinter den Musikern. 1809 sei Mendelssohn Bartholdy in Hamburg geboren, Geige und Klavier habe er gespielt, „sich auch Musik ausgedacht“ und dirigiert, wusste der Dackl den Kindern zu berichten. „Er war ein richtiges Wunderkind!“ Und er habe so viele tolle Melodien geschaffen, die heute richtige Ohrwürmer seien. Dabei hatte dann nach der Pappfigur des Komponisten ein Ohrwurm als Handpuppe sogar seinen Auftritt im Film.

In weiteren Sequenzen waren die Lieblingskissen von Felix und seiner Schwester Fanny zu sehen, die allerbeste Freunde gewesen seien, so der Dackl. Auch Fanny sei sehr musikalisch gewesen, aber früher hätten Mädchen nicht alles machen dürfen, was sie wollten. „Das war total gemein“, übte der plüschige Vierbeiner im Film sogar Sozialkritik an alten Zeiten.

Und noch weitere Protagonisten sollten über Mendelssohn Bartholdy berichten, etwa die „nudelige“ Band aus unterschiedlichen Nudelsorten über seine Reisen oder eine Badekappe, weil er doch auch ein begeisterter Schwimmer gewesen sei.

Schließlich sangen die Kinder nicht nur mit dem Ensemble gemeinsam, sondern die Flötenkinder aus der Chor-AG waren auch instrumental dabei. Das begeisterte Geismann ganz besonders. „Ihr habt nicht nur toll gesungen, sondern auch noch toll gespielt!“, lobte er die Kinder und stellte ihnen dann seine drei Mitspieler vor, die alle aus Südkorea stammen: Jikmu Lee und Ea Jjin Hwang (Violine) sowie Sohee Ro (Viola). Viel Wissenswertes erfuhren die Kinder dann auch über die Instrumente der Musiker. Ein richtiges Raunen ging durch den kleinen Saal, als Geismann seinen Bogen auseinandernahm und den Kindern zeigte, dass er mit Pferdehaar bespannt ist.

„Perfekt!“ oder „Sehr gut!“ lauteten die Kommentare der neuen, jungen Klassik-Fans nach dieser ganz besonderen Musikstunde. „Ich fand die alle gut“, erklärte auch Sam, der gerne Klavier spielt und das kleine gemeinsame Konzert auf dem Xylophon begleitet hatte.

Begeistert waren auch die angereisten WDR-Musiker von ihrem Besuch. Wichtig sei, dass schon im Schulalter eine Beziehung zur Musik entwickelt werde, erklärte Geismann den Hintergrund dieser Art von Musikvermittlung, die der WDR anbietet. „Ich mache mir wieder Hoffnung, was die Musiklandschaft angeht“, betonte er nach seinen überaus positiven Eindrücken in der Pestalozzischule. „Und so gehe ich nächste Woche mit Optimismus wieder ins Orchester zurück.“