Heinsberg-Dremmen: Wie das Projekt Generationsbrücke Kinder und Senioren verbindet

Heinsberg-Dremmen: Wie das Projekt Generationsbrücke Kinder und Senioren verbindet

Die Tische im Club-Café des Dremmener Marienklosters sind schon beiseite geräumt. Im Kreis sitzen sechs Bewohner auf einem Stuhl oder in ihrem Rollstuhl und warten ganz gespannt auf ihren Besuch. Alle drei Wochen kommt nämlich jetzt ein kleiner Freund oder die kleine Freundin aus dem Familienzentrum Triangel im benachbarten Grebben zu Besuch.

Und das macht den Tag für die Senioren im Heim ganz schön unterhaltsam. Das Alten- und Pflegeheim sowie das Familienzentrum beteiligen sich zunächst für ein Jahr am Projekt Generationsbrücke, das seinen Sitz in Aachen hat und dessen Schirmherrschaft der bekannte Fernsehjournalist Tom Buhrow zusammen mit seiner Frau Sabine Stamer übernommen hat.

Jung und Alt haben sich etwas zu sagen. Jung und Alt können Spaß miteinander haben, sie können sich helfen und voneinander lernen“, sagt Buhrow zu dem Projekt. „Das erkennt und fördert die Generationsbrücke.“ Pflegebedürftige bräuchten Zeit und sie hätten Zeit. Das treffe auch für Kinder zu. „Wie schön, dass die Generationsbrücke Senioren, Kinder und Jugendliche zusammenführt in einer Gesellschaft, in der Zeit für viele so knapp geworden ist.“

So ist es jetzt auch in Dremmen. Geduldig warten die Senioren auf ihre kleinen Besucher, mit denen sie einen Vormittag verbringen, immer dem gleichen Ritual folgend: „Jacke aufhängen und Hände waschen“, schmunzelt Heimleiterin Ute Timm. Dann wird zunächst gemeinsam gesungen, bevor alle zusammen aktiv werden, mit Gymnastik, beim Basteln oder wie jetzt kurz vor Weihnachten, wenn alle zusammen Plätzchen backen.

Den Teig haben fleißige Hände im Hintergrund schon vorbereitet, so dass es jetzt für Alt und Jung nur noch gilt, den sogenannten Fleischwolf mit dem Teig zu füttern, das fertig geformte Teigstück vorne abzunehmen und aufs Backblech zu legen. „Da ist hier immer richtig Leben in der Bude“, lacht Anna Plum, die Erich Lüpges und seinem kleinen Freund Moritz bei ihrem Teigwerk zuschaut. „Ich habe einen Urenkel in dem Alter, das macht Spaß“, freut sich die Bewohnerin des Marienklosters über ihre Teilnahme am Projekt.

„Die Kinder heute sind gar nicht mehr so bang, wie wir es früher waren. Wir waren zu ängstlich“, sagt sie und ist dann schnell wieder im Hier und Jetzt angekommen: „Du musst die da oben hinlegen, wo noch Platz ist“, rät sie Moritz, dem das gerade ein bisschen schnell geht mit den Teigschlangen, die aus dem Fleischwolf quillen.

Auch dieser Tag wird Senioren und Kindern wieder viel Spaß bringen, bis sie sich mit einem gemeinsamen Lied wieder verabschieden und auseinandergehen, aber nur bis zum nächsten Treffen in drei Wochen. Von dem Projekt, mit dem Agi Hirtz, Leiterin der Kita, zusammen mit ihrer Kollegin Beatrix Heinrichs ins Marienkloster kam, sind alle Beteiligten inzwischen vollends überzeugt.

„Das ist kein Lust-und-Laune-Projekt“, sagt Ute Timm, die vor allem die Fortbildung und Begleitung durch die Generationsbrücke in Aachen schätzt, die über 100 Kooperationspartner in Deutschland hat und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zusammen mit dem Caritasverband unterstützt wird.

Obwohl das Projekt in Dremmen nach einer Schulung bei der Generationsbrücke und einem Informationsabend für die Eltern erst nach den Sommerferien mit den Vorschulkindern von Triangel an den Start gegangen ist, zeigen sich schon erste positive Effekte. So würde es damit gelingen, Heimbewohner aus einer oft selbst gewählten Einsamkeit sehr schnell herauszuholen, freut sich Miriam Vondeberg, Leiterin des Sozialen Dienstes im Marienkloster.

Und diese Bewohner würden sich nicht nur dem Projekt immer mehr öffnen, sondern sich auch mehr und mehr ins soziale Leben des Heims einbringen. Selbst kleine Ausflüge sind kein Problem mehr, wie sich gerade bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier der Gruppe zusammen mit den kleinen Freunden und ihren Eltern im Café Samocca zeigte. Auch da wurde sehr zur Freude der Cafébesucher natürlich kräftig gemeinsam gesungen.

Die Kinder wiederum erleben Wertschätzung, Herzenswärme und besondere Zuneigung, so die Erfahrung der Organisation Generationsbrücke. „Sie können von der Lebenserfahrung der alten Menschen profitieren und lernen frühzeitig, Alterungsprozess, Pflegebedürftigkeit, Demenz und letztlich auch den Tod als normale Lebensumstände zu erkennen.“ Für alle Beteiligten in Dremmen ist schon jetzt nach den ersten Monaten im Projekt klar, dass sie es im nächsten Jahr mit neuen Vorschulkindern von Triangel als kleine Freunde für die Senioren im Marienkloster fortsetzen wollen.

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