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Aktivist bei „Wetten, dass ...?“: Wettkönig unterstützt Lützerath mit 50.000 Euro

Aktivist bei „Wetten, dass ...?“ : Wettkönig unterstützt Lützerath mit 50.000 Euro

Marten Reiß aus Lützerath tritt bei der ZDF-Show „Wetten, dass ...?“ an und bringt den Klimaaktivismus in die Wohnzimmer der Nation.

Am Ende steht Marten Reiß ziemlich verloren im Konfettiregen zwischen Michelle Hunziker und den Fußballfrauen Giulia Gwinn und Alexandra Popp. Reiß steht in der ersten Reihe, er hat gewonnen, er hat das Publikum überzeugt, er hat die 50.000 Euro abgeräumt. Marten Reiß steht auf einer der größten Bühnen, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Samstagabend, „Wetten, dass …?“, Wettkönig.

Reiß war nicht nur mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, die Basis seiner Wette war, zur Show nach Friedrichshafen gefahren, sondern auch mit einer durchaus politischen Agenda. Reiß ist Lützerath-Aktivist, er lebt dort und will das umstrittene Erkelenzer Dorf am Tagebau Garzweiler retten. Dafür gibt es aus dem Publikum „Lützi bleibt!“-Sprechchöre.

Seinen Wettauftritt hatte Reiß zwischen Gottschalk-Geplapper und Grönemeyer-Gesang. Dabei scheint er sich auf der großen Bühne gar nicht so recht wohlzufühlen. Er wirkt ein bisschen verloren, als Michelle Hunziker ihn auf den richtigen Platz ziehen muss. Dann geht es um die Wette. „Das zu erklären, macht keinen Sinn“, sagt Hunziker. Marten Reiß reinigt sich noch einmal die Brille, sagt „und go!“ und startet seine Suche.

 Wettkönig: Marten Reiß steht bei „Wetten, dass ...?“ im Konfettiregen.
Wettkönig: Marten Reiß steht bei „Wetten, dass ...?“ im Konfettiregen. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Thomas Gottschalk zeigt den Zuschauern zwei Bildschirme mit 1000 Fingerabdrücken, jeder ist einzigartig. Dann tauscht Gottschalk einen der vielen Abdrücke gegen seinen eigenen aus. Und Marten Reiß muss erkennen, welcher das ist. Das gelingt ihm scheinbar spielend, genauso wie bei den Abdrücken von Co-Moderatorin Hunziker und Fußballerin Gwinn.

Selbst neben dem wie immer modisch extravagant auftretenden Gottschalk wirkt Reiß auf seine Weise wie ein bunter Vogel: Lackierte Fingernägel, gelbe Hose und ein Haarzöpfchen mitten auf dem Kopf. Und dann kann er auch noch den Kreuzblick, der ihm bei der seiner Arbeit als 3D-Grafiker hilft und mit dem er auch die Wette gewonnen hat. So recht verstehen will das trotzdem keiner: „Es ist unglaublich. Du kannst uns viel erzählen von Deinem Kreuzblick. Es bleibt für 90 Prozent der Menschheit unfassbar und auch unerklärbar“, sagt Gottschalk.

Wenn Reiß über sein Lützerath redet, wenn seine Unterstützer im Publikum „Lützi bleibt!“ skandieren, dann blendet das ZDF die Zuschauer mit dem „Alle Dörfer bleiben“-Pappschild ein. Mit Marten Reiß hat auch der Braunkohlewiderstand seinen Auftritt auf der „Wetten, dass …?“-Bühne. Und finanziell lohnt sich der Abend für die Kohlegegner auch.

Als am Ende der Sendung die Balken in die Höhe fahren, wird klar, dass ein Kandidat sich mit großem Abstand durchsetzt. 14 Prozent für die Fahrradwette, 19 Prozent für die Baggerwette und überwältigende 52 Prozent für Marten Reiß. Die 50.000 Euro Preisgeld will er für den Erhalt von Lützerath einsetzen, sagt er sogleich. Dass Reiß an diesem Abend mit seiner Wette auftreten würde, dass er das Preisgeld für den Lützerath-Widerstand spenden würde, das war bereits vorab in der Klimagerechtigkeitsbewegung verbreitet worden. Gut möglich, dass das bei der Abstimmung eine Rolle gespielt hat.

„Ich freue mich, in der Show dabei gewesen zu sein und besonders über das Preisgeld, das ich mit nach Lützerath bringen kann“, sagt Reiß selbst. Und was er weiter sagt, erklärt vielleicht ein wenig, warum Reiß sich in der Samstagabend-Show tatsächlich nicht ganz am rechten Platz gefühlt haben mag. „Eigentlich müsste im Fernsehen jedoch gerade zur besten Sendezeit ein anderes Thema viel mehr Aufmerksamkeit bekommen: Die Klimakrise und ihre gravierenden Folgen, die schon heute Regionen unbewohnbar macht. Und Lösungsansätze, wie ein solidarisches Zusammenleben jenseits des Kapitalismus aussehen kann – wie wir es in Lützerath ausprobieren“, sagt Marten Reiß.