Selfkant-Tüddern: Westzipfelhalle: Mehrkosten letztlich einstimmig akzeptiert

Selfkant-Tüddern: Westzipfelhalle: Mehrkosten letztlich einstimmig akzeptiert

Die vier kleinen Parteien im Gemeinderat sahen sich mit einer wahren „Ausgabenexplosion“ beim Bau der sogenannten Westzipfelhalle in Tüddern konfrontiert und verlangten dafür eine außerordentliche Sitzung des Rates quasi mitten in den Sommerferien. Für die CDU war das allenfalls „Zinnober“, wie es Heinz-Hubert Ruers während der Sitzung im Rathaus formulierte.

Die Zuschauer, die in großer Zahl in den Ratssaal gekommen waren, um detaillierte Informationen über die aktuelle Situation zu erhalten, fühlten sich versetzt ins „königlich-bayerische Amtsgericht“ oder sahen sich mit Blick auf die bevorstehende Bürgermeisterwahl und so manch provozierender Bemerkung mitten im allgemeinen „Wahlkampfgeplänkel“.

Fest steht nach langer Diskussion, dass für die Fertigstellung der Bürgerhalle aktuell noch gut 113.000 Euro mehr benötigt werden als bisher vom Rat genehmigt und die Bezirksregierung diese Mehrkosten im Rahmen des Leader-Programms fördert, wenn die Gemeinde selbst davon knapp 59.000 Euro übernimmt. Bei diesem schließlich dennoch einstimmig gefassten Beschluss enthielten sich nur zwei Mitglieder der SPD und eines von der Fraktion Pro Selfkant.

Nur einen Tag nach der letzten Sitzung des Rates am 19. Juni hatte Bürgermeister Herbert Corsten genau diesen Dringlichkeitsbeschluss verfasst und die Fraktionsvorsitzenden um Unterschrift gebeten. Allein schon das war bei SPD, FDP, Pro Selfkant und Bündnis 90/Die Grünen bitter aufgestoßen. Sie fühlten sich von Bürgermeister, Verwaltung und Planungsbüro schlecht informiert.

Er habe die Zusage der Bezirksregierung erst am Mittag des 19. Juni erhalten und vorher gar nicht über diesen Sachverhalt informieren können, konterte Corsten. Und Siegfried Knarren erklärte für das Planungsbüro K3, dass doch auch er jederzeit für die Fragen zur Verfügung gestanden hätte.

Knarren war es dann auch, der in der Sitzung Ratsmitglieder und Zuschauer über die Gründe für die Mehrkosten informierte. Seine ursprüngliche Planung habe sich im Jahr 2012 auf 686.000 Euro belaufen. Für den Förderantrag an die Bezirksregierung hätten für jedes Gewerk und für die notwendigen Materialien zur Eigenleistung Angebote eingeholt werden müssen, was den angenommenen Gesamtbetrag ein Jahr später auf 520.000 Euro reduzierte.

Für die tatsächliche Baumaßnahme hätten jedoch jedes Gewerk und jede Materiallieferung von der Gemeinde ausgeschrieben werden müssen, und so habe sich die Gesamtinvestition nunmehr wieder auf 673.000 Euro erhöht. „Wir haben gar nicht so falsch gelegen“, resümierte Knarren.

Bei einem privaten Bauprojekt hätte man alle Aufträge aufgrund der Angebote vergeben können. Bei einem öffentlichen Projekt sei jedoch die Ausschreibung notwendig. „Und so kommt es zu Preisen, die der Markt heute hergibt“, erklärte er die Verteuerung. „Das passiert auch bei anderen Projekten.“

Bei der ersten Planung 2012 habe man noch nicht einmal den Standort für die Halle gekannt. So sei es zum Beispiel zu zusätzlichen Kosten für die Auffüllung der Baustelle gekommen, um die Halle auf Niveau der späteren Straße zu halten. Nicht bekannt gewesen seien damals auch die höheren Schallschutz- und Brandschutzauflagen, die jetzt zu Buche schlagen würden.

Die Leistung der Mitglieder des eigens für den Bau gegründeten Vereins „Ues Tüddere“ mit bisher dokumentierten 4433 Arbeitsstunden stand für alle Anwesenden außer Frage. Immerhin werde dadurch für die Gemeinde ein Wert geschaffen, der sich sicherlich auf 1,2 bis 1,4 Millionen Euro belaufe, erklärte Corsten.

Er räumte auch die weitere Sorge vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Willi Peters aus, dass die Halle nicht rechtzeitig vor Auslauf des Leader-Programms fertiggestellt würde und dann die Fördermittel zurückgezahlt werden müssten. „Ich habe keine Zweifel, dass wir die Halle bis 30. September fertigstellen werden“, erklärte Corsten, der sich zum Schluss der Sitzung ausdrücklich für den guten Besuch durch die Zuschauer bedankte. „Das regt uns an“, sagte er, gleichwohl er während der Sitzung ausdrücklich gemahnt hatte, auf Applaus und Wortmeldungen zu verzichten.